Klimawandel wird Anpassungen erzwingen

26.11.2019/EG
Quelle: Umweltbundesamt, Dessau

Monitoringbericht 2019: Folgen der Erderhitzung in Deutschland sind mehr Hitzetage, steigende mittlere Lufttemperatur, mehr hitzebedingte Todesfälle, steigender Meeresspiegel (Nord- und Ostsee), längere Vegetationsperioden sowie niedrige Grundwasserstände.

„Die Erhöhung der mittleren Temperatur ist auch mit einer höheren Anzahl „Heißer Tage“ verbunden – dies sind Tage, an denen die Temperaturen über 30°C steigen. Diese ist seit 1951 von etwa drei auf derzeit etwa zehn Tage pro Jahr gestiegen. Das setzt auch den Menschen zu, vor allem in den Städten. Erstmals enthält der Monitoringbericht 2019 bundesweite Aussagen zu hitzebedingten Todesfällen: Demnach sind im Jahr 2003 7.500 Menschen mehr gestorben als ohne Hitzeperiode zu erwarten gewesen wäre. In den Jahren 2006 und 2015 gab es jeweils 6.000 zusätzliche Todesfälle.
Stichwort Wasserverfügbarkeit: In den letzten zehn Jahren gab es immer häufiger niedrige Grundwasserstände, die in einigen Gemeinden bereits zu Problemen mit der Trinkwasserversorgung führten. Zunehmende Trockenheit und häufiger werdende Niedrigwasserstände in Flüssen beeinträchtigen die Ökosysteme, führen zu eingeschränkter Schifffahrt und gefährden die Versorgung von Kraftwerken und Industrie mit Kühlwasser.
Auch Land- und Fortwirtschaft sind betroffen: So hat in den letzten 50 Jahren das verfügbare Wasser in landwirtschaftlich genutzten Böden deutlich abgenommen. Im Jahr 2018 verursachten Hitze und Trockenheit in der Landwirtschaft Schäden in Höhe von 700 Millionen Euro. Jahres- und Vegetationszeiten verschieben sich – so stieg die Dauer der Vegetationsperiode von 222 Tagen (1951-1981) auf 232 Tage (1988-2017). Tier- und Pflanzenarten aus wärmeren Erdregionen breiten sich aus, darunter zum Beispiel die Sardine oder die Sardelle in der Nordsee oder die Asiatische Tigermücke an Land. Diese kann bislang in Deutschland nicht auftretende Krankheiten wie Chikungaya- oder Dengue-Fieber verbreiten.“

Den Monitoringbericht 2019 lesen Sie hier umweltbundesamt.de.

Zum Thema

Lancet Countdown: Forschungsbericht zu Klimawandel und Gesundheit

„Bis zum Ende dieses Jahrhunderts sind jährlich bis zu fünf zusätzliche Hitzewellen in Norddeutschland und bis zu 30 in Süddeutschland zu erwarten, wenn wir mit dem Ausstoß von Treibhausgasen so weitermachen wie bisher. Damit einhergehender Hitzestress und hohe bodennahe Ozonkonzentrationen können schwerwiegende Folgen für die menschliche Gesundheit haben. Dazu zählen unter anderem Hitzschlag, Herzinfarkt und akutes Nierenversagen aufgrund von Flüssigkeitsmangel. Am stärksten gefährdet sind ältere Menschen, Säuglinge, Patienten mit chronischen Erkrankungen sowie Personen, die schwere körperliche Arbeit im Freien verrichten, etwa Bauarbeiter.“

Den „Policy Brief für Deutschland“ lesen Sie hier googleapis.com.

Energie/Umwelt: Energiebedarf steigt weiter

15.11.2019/EG
Quelle: International Energy Agency (IEA), Paris

EIA: Energiebedarf steigt bis 2040 um 1,3 % pro Jahr / Anstrengungen zur Steigerung der Energieeffizienz sinken / Popularität von Geländewagen (SUV) stellt positive Effekte der Elektromobilität in Frage / Städtische Bevölkerung in Afrika wird bis 2040 um über eine halbe Milliarde steigen

„Das Current Policies Scenario veranschaulicht, was geschieht, wenn der aktuelle Kurs ohne weitere Politikänderungen fortgesetzt wird. In diesem Szenario steigt der Energieverbrauch bis 2040 jährlich um 1,3%, wobei die steigende Nachfrage nach Energiedienstleistungen nicht durch weitere Anstrengungen zur Steigerung der Energieeffizienz gebremst wird. Dieses Wachstum liegt zwar deutlich unter dem bemerkenswerten Wachstum von 2,3%, das 2018 verzeichnet wurde, führt aber trotzdem zu einem kontinuierlichen Anstieg der energiebezogenen Emissionen und zu zunehmenden Spannungen bei fast allen Aspekten der Energieversorgungssicherheit.“ iea.org

Die zur Zeit der Ölkrise (1973/1974) gegründete IEA untersucht, nach eigenen Angaben, das gesamte Spektrum der Energiefragen, einschließlich Angebot und Nachfrage nach Öl, Gas und Kohle, Technologien für erneuerbare Energien, Strommärkte, Energieeffizienz, Zugang zu Energie, Nachfragesteuerung und vieles mehr.

Klimapaket kontra Klimaziele

17.10.2019/EG
Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin

Stefan Bach, Claudia Kemfert und Nicole Wagner, alle Forscher am DIW, untersuchten die Wirkungen von CO2-Bepreisung und Rückvergütung des Klimapakets / CO2-Bepreisung belastet die armen Haushalte deutlich stärker als die reichen Haushalte

„Am 20. September hat die Bundesregierung ein Klimapaket beschlossen, mit dem die Klimaziele 2030 in den Sektoren Verkehr und Gebäude erreicht werden sollen. Doch bereits jetzt ist absehbar, dass der vorgeschlagene CO2-Preispfad und der anschließende Emissionshandel mit festgelegter Preisobergrenze als alleinige Instrumente nicht ausreichen. Insbesondere im Verkehrssektor werden die Maßnahmen die Emissionen nicht annähernd genügend mindern, zeigen die Berechnungen des DIW Berlin zur Lenkungswirkung. Trotz Senkung der EEG-Umlage und erhöhter Entfernungspauschale werden die öffentlichen Haushalte durch die die CO2-Bepreisung per Saldo bis zu zwölf Milliarden Euro im Jahr mehr einnehmen. Die privaten Haushalte mit niedrigen Einkommen werden dabei deutlich stärker belastet als die hohen Einkommen.“ diw.de

Zum Thema

In der Sendung „Die Anstalt“ vom 01.10.2019 erklären die Physiker Isaac Newton (Max Uthoff) und Angela Merkel (Claus von Wagner) warum Deutschland von dem Pfad zum Ziel 100% erneuerbare Energien mittlerweile so weit abgekommen ist zdf.de.

Energieverbrauch ist stark gestiegen

08.10.2019/EG
Quelle: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Paris

Besteuerung umweltschädlicher Energiequellen ist ein wirksames Mittel zur Eindämmung von Emissionen

„Der globale Energieverbrauch stieg 2018 stark an, ebenso wie die energiebedingten CO2-Emissionen, die einen neuen Höchststand erreichten. Dies ist beunruhigend, da die Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens eine tiefgreifende Senkung der Emissionen erfordert: Gut durchdachte Systeme der Energiebesteuerung ermutigen Bürger und Investoren, saubere gegenüber umweltschädlichen Energiequellen zu bevorzugen. Kraftstoffsteuern und CO2-Steuern sind einfache und kostengünstige Instrumente, um den Klimawandel einzudämmen, aber die Politik der CO2-Preise erweist sich oft als eine Herausforderung. Die Steuern auf den Energieverbrauch tragen auch dazu bei, Gesundheitsschäden durch lokale Umweltverschmutzung zu begrenzen, was in einer sich urbanisierenden Welt ein wichtiges politisches Anliegen ist.“
Die OECD-Studie „Besteuerung des Energieverbrauchs 2019“ zeigt, dass in den 44 untersuchten Ländern, darunter Deutschland, die mehr als 80 Prozent der Energieemissionen verursachen, die Steuern auf umweltschädliche Energieträger nicht annähernd so hoch angesetzt werden, wie es zur Verringerung der Risiken und Auswirkungen von Klimawandel und Luftverschmutzung erforderlich ist. In den 44 untersuchten Ländern werden 97 Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen außerhalb des Straßenverkehrs weit unter dem umweltschädlichen Niveau besteuert. Nur Dänemark, Niederlande, Norwegen und die Schweiz besteuern Non-Road-Energie über 30 Euro je Tonne CO2, die als Low-End-Schätzung der Kosten für das Klima der Kohlenstoffemissionen angesehen werden. Mehrere Länder haben in den letzten Jahren sogar die Energiesteuern gesenkt. oecd.org

Zum Thema

‘Grünes‘ Wachstum ist ein Mythos?

„Die Stichhaltigkeit der Diskurse zu grünem Wachstum fußen auf der Vorstellung einer absoluten, permanenten, globalen, ausreichend schnell eintretenden und ausreichend umfangreich ablaufenden Entkopplung des Wirtschaftswachstums von allen kritischen Formen der Umweltzerstörung. Die Literatur, auf die sich die vorliegende Studie beruft, zeigt klar, dass es zum aktuellen Zeitpunkt keine empirischen Beweise für eine solche Entkopplung gibt. Das gilt für Rohstoffe, Energie, Wasser, Treibhausgase, Böden und Land, Wasserverschmutzung und Biodiversitätsverlust. Wobei für letzteres Entkopplung beispielsweise entweder relativ, temporär oder nur auf lokaler Ebene stattfand. In den meisten beschriebenen Fällen ist Entkopplung relativ. Wenn sie absolut ist, ist dieser Zustand auf einen kurzen Zeitraum beschränkt und betrifft nur bestimmte Ressourcen oder Orte, wo die Wirkung nur eine sehr geringe Abschwächung der globalen Problematik zeigten. Es gibt mindestens sieben Gründe, warum eine der Umweltzerstörung angemessene Entkopplung in Zukunft unwahrscheinlich ist. Jeder Grund einzeln genommen reicht aus, um hinreichend Zweifel am Gelingen von wirkungsvoller Entkopplung aufkommen zu lassen; und somit auch an der Wahrscheinlichkeit von grünem Wachstum. Nimmt man alle Gründe zusammen, erscheint eine Zukunft, in der Entkopplung weiteres Wirtschaftswachstum möglich macht, ohne die Umweltprobleme weiter zu verschärfen, als absolut unrealistisch.“ bund.net
Zum BUND-Beitrag lesen Sie komplette Studie des Umweltschutz-Netzwerks European Environmental Bureau (EEB) hier eeb.org.

Wissenschaftliche Daten siehe Potsdam-Institut für Klimaforschung pik-potsdam.de.

Buchtipp: Ölbeben

27.09.2019/EG

Heike Buchter: Ölbeben
Wie die USA unsere Existenz gefährden

Sachbuch (Energie, Politik, USA, Wirtschaft)

Energiedominanz USA: Mit Vollgas gegen den Rest der Welt
Während wir hier über den Klimawandel diskutieren, führt Trump die größte Volkswirtschaft der Welt in ein neues Ölzeitalter und schafft schmutzige Tatsachen. Von Alaska bis zum Golf von Mexiko werden ganze Landstriche zu Industriebrachen – mit globalen Folgen.
Den Kampf um den Öl-Thron hat Amerika für sich entschieden und geht ohne Rücksicht auf alte Bündnisse seinen Weg. Die in New York lebende Wirtschafts- und Finanzmarktexpertin Heike Buchter hat sich an den Schauplätzen der Ölindustrie ein Bild gemacht.
– Was bedeutet die US-Energiedominanz für Deutschland und Europa?
– Was bedeutet die Amerikas Vormachtstellung für unsere Umwelt, aber auch für unsere Sicherheit? Weiterlesen