Wirtschaftserfolg konzentriert sich auf wenige

12.07.2019/EG
Quelle: Internationaler Währungsfonds (IWF), Washington/Paris

IWF-Länderfokus Deutschland: Gewinne stark auf die wohlhabendsten Haushalte konzentriert

„In den meisten der letzten zwei Jahrzehnte, als die Arbeitslosigkeit sank und die Exporte stiegen, blieb das Lohnwachstum hinterher und die Kaufkraft der Haushalte stagnierte, insbesondere bei den Niedriglohnbeziehern.
So nahm der Anteil des Volkseinkommens in Form von Gewinnen zu, die von Unternehmen einbehalten wurden, deren Eigentum sich stark auf die wohlhabendsten Haushalte konzentriert. Da diese Haushalte tendenziell einen größeren Teil ihres Einkommens sparen, stieg die private Ersparnis und der Leistungsbilanzüberschuss nahm zu.“ imf.org

Der 1945 gegründete Internationale Währungsfonds (IWF) ist eine Organisation von 189 Ländern, die sich nach eigenen Angaben für die Förderung der globalen Währungszusammenarbeit, die Sicherung der Finanzstabilität, die Erleichterung des internationalen Handels, die Förderung von hoher Beschäftigung und nachhaltigem Wirtschaftswachstum sowie die Verringerung der Armut in der ganzen Welt einsetzt.

Wirtschaftspolitik erschafft Lebensbedingungen

08.07.2019/EG
Quelle: Ökonomen-Blog VOX, London

William H. Dow, Anna Godøy, Chris Lowenstein, Michael Reich, alle Wirtschaftswissenschaftler an der University of California, Berkeley, untersuchten den Zusammenhang von „Todesfällen aus Verzweiflung“ (Konsum legaler und illegaler Drogen sowie Suizide) und Wirtschaftspolitik in den USA

Die Wissenschaftler William H. Dow, Anna Godøy, Chris Lowenstein und Michael Reich haben die Ursachen sowie die Wirksamkeit politischer Reaktionen auf den jüngsten Anstieg der Sterblichkeit aufgrund von Alkohol, Drogen und Selbstmord unter US-Bürgern ohne Hochschulabschluss untersucht. Ergebnis: Mindestlohn und Lohnsteuergutschrift – die beiden wichtigsten politischen Hebel zur Einkommenssteigerung für Niedriglohnarbeiter in den USA – sind wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung der vorgenannten Verwerfungen. Beide Instrumente (Mindestlohn und Lohnsteuergutschrift) reduzierten die Selbstmordrate bei Erwachsenen ohne Hochschulabschluss deutlich, bei den Frauen noch stärker.
In den USA stieg im Zeitraum 1999 bis 2017 die altersbereinigte Rate der Todesfälle durch Drogenüberdosierung um 256 Prozent, die Selbstmordrate um 33 Prozent. voxeu.org

Zum Thema

Dimensionen prekärer Beschäftigung und Gesundheit im mittleren Lebensalter“ in Deutschland

Kennzeichen prekärer Erwerbssituationen: geringe Entlohnung, mangelnde Möglichkeiten der Selbstverwirklichung in der Erwerbstätigkeit, soziale Isolation sowie der Mangel an Planungssicherheit und Anerkennung. (…). Während eine formalrechtlich prekäre Erwerbssituation in keinem statistischen Zusammenhang zur körperlichen oder mentalen Gesundheit steht, geht eine materiell-prekäre Lebenssituation mit einer durchschnittlich schlechteren körperlichen Gesundheit einher. Noch stärkeren Einfluss auf die Gesundheit haben arbeitsplatzbezogene prekäre Kennzeichen der Erwerbstätigkeit. boeckler.de

Armut – Morbidität – Mortalität: Situation in Deutschland“

Zwischen dem sozialen Status und Morbidität besteht nachweislich eine enge Korrelation. Verbunden sind damit Beeinträchtigungen im Alltag, eine verminderte gesundheitsbezogene Lebensqualität und möglicherweise sogar eine vorzeitige Mortalität. Kumuliert man die zuvor aufgezählten Erkrankungen, Beschwerden und Risikofaktoren, ergibt sich bei Menschen mit einem niedrigen SES im Vergleich zu denen mit einem höheren SES ein erhöhtes Sterberisiko, eine verringerte Lebenserwartung sowie weniger Lebensjahre bei guter Gesundheit.“ (Seite 15)
Lösungsansätze: Bekämpfung sozialer Ungleichheit und Armut sowie eine zielgruppenspezifische Gesundheitsförderung und Prävention. (Seite 16) nav-virchowbund.de

Arbeitsleben beeinflusst Lebenserwartung

03.07.2019/EG
Quelle: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen, Duisburg

Martin Brussig und Susanne Eva Schulz, Sozialwissenschaftler am IAQ, untersuchten die sozialen Unterschiede im Mortalitätsrisiko

„Nach den hier vorgelegten Ergebnissen haben Personen jenseits des 65. Lebensjahres, die sehr hohen Arbeitsbelastungen ausgesetzt waren, ein deutlich höheres Mortalitätsrisiko als Personen mit sehr niedrigen Arbeitsbelastungen. Die Wirkungen der Arbeitsbelastungen scheinen also auch über die Erwerbsphase hinaus fortzuwirken. Diese Wirkung der Arbeitsbelastungen bleibt auch unter Kontrolle zahlreicher weiterer Merkmale erhalten.“ iaq.uni-due.de

Wirtschaftswachstum wirkt tief

25.06.2019/EG
Quelle: Blätter für deutsche und internationale Politik, Berlin

Ulrich Roos, Akademischer Rat an der Universität Augsburg, plädiert für eine intervenierende Sozialwissenschaft

„Viele Ökonomen scheinen zudem aus dem Blick verloren zu haben, dass Märkte nicht voraussetzungslos unter Bedingungen von Pareto-Gleichgewichten operieren, sondern politischen Machtmechanismen, dem Streben nach Kartellbildung oder der Beeinflussung politischer Entscheidungen zugunsten von bestimmten Marktteilnehmern unterworfen sind. Daher ist es notwendig, Märkte immer wieder auf ihre gesellschaftlich intendierten und nicht-intendierten Handlungsfolgen zu überprüfen und gegebenenfalls politisch zu regulieren. (…).
Die Saat der Demokratiekrise besteht wohl nicht allein in der ökonomischen Ungleichheit, sondern in einer damit korrelierenden Krise der politischen Bildung. Wer die Vorgänge einer komplexen Welt nicht versteht und sich zugleich ökonomisch von den staatlichen Institutionen nicht vertreten fühlt, neigt kaum zur Verteidigung der repräsentativen Demokratie.“ blaetter.de

Zum Thema

Werner Vontobel, Autor und Wirtschaftsjournalist:
50 Jahre nach dem „Wirtschaftswunder“ und nachdem sich die Produktivität noch einmal verdreifacht hat, führt Deutschland unter dem Stichwort Hartz-IV eine Hungerlohndebatte. Da ist etwas gründlich schiefgelaufen. oekonomenstimme.org

Amin Schäfer, Politikwissenschaftler an der Universität Münster: Vortrag an der Uni Witten/Herdecke „Politische Gleichheit – das uneingelöste Versprechen der Demokratie
youtube.de

Arbeit: Vom Kostenfaktor zum Produkt

25.06.2019/EG
Quelle: Blog Ökonomenstimme der Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

Werner Vontobel, Autor und Wirtschaftsjournalist, über die prekäre Arbeitswelt in Deutschland

„In Deutschland sind die Produktivität und die realen Stundenlöhne von 1950 bis 1980 im Gleichschritt etwa um den Faktor 4.5 bzw. um jährlich 5% gestiegen. Gleichzeitig purzelten die Arbeitszeiten förmlich nach unten. Statt anfänglich zwei, gab’s 1980 schon 6 Wochen Ferien, Mitte der 1960er Jahre wurden in der Druck- und in der Metallindustrie schon die 40-Stundenwochen eingeführt.“ oekonomenstimme.org