Altenpflege bleibt Pflegenotstand

02.12.2020/EG
Quelle: Barmer Institut für Gesundheitssystemforschung (BIFG), Berlin

Barmer Pflegereport 2020: Zahl eingesetzter Pflegekräfte reicht nicht

Fazit (Auszug siehe Seite 217):
„Die Einkommen in der Altenpflege sind weiterhin unterdurchschnittlich und für Fach- und Hilfskräfte deutlich niedriger als in der Krankenpflege. Tarifvertragliche Bindungen und eine Erhöhung des Einkommens sind deshalb wesentliche Wünsche der Pflegekräfte (Benedix & Medjedović, 2014, S.62 f.). Altenpflegekräfte sind überdurchschnittlich häufig mit ihrem Einkommen unzufrieden und haben vielfach Angst, dass sie am Ende ihres Lebens nur über eine unzureichende Rente verfügen können (siehe Kapitel3.3.3). Soll die Altenpflege attraktiver werden, ist das Gehalt insbesondere für die Rekrutierung von Pflegekräften relevant, während für das Halten von Pflegekräften vor allem die Arbeitsbedingungen verbessert werden müssen. Höhere Personalschlüssel und höhere Gehälter für Altenpflegekräfte sind somit notwendig. Ohne eine Finanzreform führen diese aber zu höheren Pflegesätzen und dann auch zu steigenden Eigenanteilen, die aber schon jetzt (zu) hoch sind (siehe Kapitel2.2.2). Wenn der Zugang zur Versorgung im Pflegeheim für Pflegebedürftige in gleicher Weise wie bis-her gewährleistet werden soll, ist daher eine Finanzreform der Pflegeversicherung not-wendig, die die Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs flankiert.“

Den Pflegereport 2020 lesen Sie hier bifg.de

Zum Thema

Aktuelle Daten zur Lohndifferenz zwischen den Pflegeberufen lesen Sie hier iab.de.

Pflege: Bereitschaftsdienst ist vergütungspflichtig!

19.08.2020/EG
Quelle: Arbeitsgericht Berlin

24-Stunden-Pflegekraft hat Anspruch auf Vergütung für 21 Stunden täglich statt 30 Stunden wöchentlich / Begrenzung der Arbeitszeit auf 30 Stunden war treuwidrig

„Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg hat der Klage einer im Rahmen einer „24-Stunden-Pflege zu Hause“ eingesetzten Arbeitnehmerin auf Zahlung zusätzlicher Vergütung im Wesentlichen stattgegeben und insoweit die Entscheidung des Arbeitsgerichts bestätigt.
Die Klägerin, eine bulgarische Staatsangehörige, wurde auf Vermittlung einer deutschen Agentur, die mit dem Angebot „24 Stunden Pflege zu Hause“ wirbt, von ihrem in Bulgarien ansässigen Arbeitgeber nach Deutschland entsandt, um eine hilfsbedürftige 96-jährige Dame zu betreuen. In dem Arbeitsvertrag der Klägerin war eine Arbeitszeit von 30 Stunden wöchentlich vereinbart. In dem Betreuungsvertrag mit der zu versorgenden Dame war eine umfassende Betreuung mit Körperpflege, Hilfe beim Essen, Führung des Haushalts und Gesellschaftleisten und ein Betreuungsentgelt für 30 Stunden wöchentlich vereinbart. Die Klägerin war gehalten, in der Wohnung der zu betreuenden Dame zu wohnen und zu übernachten…“ berlin.de

Bis 2030 fehlen rund 130.000 Pflegekräfte

09.07.2019/EG
Quelle: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO),

Zahl der (Vollzeit-)Pflegekräfte aktuell: 590.000 / Prognose des WIdO zum Bedarf bis 2030: 720.000 / Bedarf bis 2050: 1.000.000

„Bis 2030 werden allein aufgrund der Alterung der Bevölkerung zusätzlich rund 130.000 Pflegekräfte in der Langzeitpflege gebraucht. Hochgerechnet auf Vollzeitstellen pflegen und betreuen aktuell knapp 590.000 Pflegekräfte die gesetzlich versicherten Pflegebedürftigen. 2030 werden rund 720.000 Personen benötigt. Bis zum Jahr 2050 steigt der Bedarf auf insgesamt knapp 1 Millionen Pflegekräfte an.
Diese Entwicklung ist aufgrund der jeweiligen Altersstruktur jedoch in allen Bundesländern unterschiedlich. 2017 reichte die Spanne des pflegebedürftigen Bevölkerungsanteils von 3,5 Prozent in Bayern bis 6,7 Prozent in Brandenburg. Für 2030 prognostiziert der Pflege-Report Anteile zwischen 4,1 Prozent in Bayern und 8,8 Prozent in Brandenburg, 2050 werden die Unterschiede noch größer. Hamburg hat danach mit nur 5,5 Prozent den niedrigsten Anteil an Pflegebedürftigen, in Brandenburg steigt dieser auf 11,1 Prozent (Abbildung 1). Damit legt der Anteil der zu pflegenden Bevölkerung in fast allen Bundesländern von 2017 auf 2050 um 60 bis 70 Prozent zu, lediglich in den Stadtstaaten fällt der Anstieg mit 40 Prozent geringer aus.
Ungelöst sind auch die Fragen, wie die Finanzierung der Pflegeversicherung in Zukunft stabil aufgestellt werden kann und wie Pflegebedürftige vor finanzieller Überlastung geschützt werden. So sind die Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung – ohne die Mittel für den Pflegevorsorgefond – in nur sechs Jahren von 22 Milliarden Euro im Jahr 2012 auf 40 Milliarden Euro im Jahr 2018 angestiegen. Bis ins Jahr 2022 ist nach einer Prognose des WIdO eine weitere Erhöhung auf rund 50 Milliarden Euro zu erwarten. Das entspricht einem Anstieg von 230 Prozent in nur 10 Jahren.“
Den kompletten „Pflege-Report 2019“ lesen Sie hier wido.de.

Buchtipp: Es ist genug!

24.05.2019/EG

Claus Fussek, Gottlob Schober: Es ist genug!
Auch alte Menschen haben Rechte

Sachbuch (Pflege)

Sie werden ans Bett gefesselt, obwohl sie nicht krank sind. Sie kommen nicht an die frische Luft, obwohl das die Gesundheit fördert. Ihnen werden Windeln angelegt, obwohl sie noch auf die Toilette gehen könnten. Wie wir mit alten und pflegebedürftigen Menschen umgehen, ist ein lange bekannter und verdrängter Skandal!
Claus Fussek und Gottlob Schober schildern mit schonungsloser Offenheit, wie es in deutschen Pflege-Heimen zugeht. Sie fordern 20 Grundrechte für alte und pflegebedürftige Menschen ein und zählen auf, was sofort getan werden muss, um die gröbsten Missstände in den Pflege-Heimen zu beseitigen. „Buchtipp: Es ist genug!“ weiterlesen

Gesundheit: Kapital sucht Rendite im organisch wachsenden Markt „Pflege und ambulante Versorgung“

25.04.2019/EG
Quelle: Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), Frankfurt am Main

PwC: Finanzinvestoren suchen vor allem nach Investments im Bereich der Pflege und der ambulanten Versorgung

„Der Markt für Fusionen und Übernahmen im Gesundheitssektor entwickelt sich dynamisch: Das Jahr 2018 war durch zahlreiche Transaktionen im deutschen Gesundheitswesen geprägt. Insbesondere ist die Zahl der Transaktionen mit Beteiligung von Private-Equity-Firmen deutlich gestiegen. Diese Käufergruppe sucht gezielt nach Investments im Bereich der Pflege und der ambulanten Versorgung.“

Informationen zu Transaktionen im deutschen Gesundheitswesen lesen Sie hier pwc.de.

Zum Thema

Stefan Sell, Sozialwissenschaftler an der Hochschule Koblenz, zum politischen Willen, der das Renditestreben mit der Pflege alter Menschen ermöglicht (Kosten sozialisieren, Gewinne privatisieren):

„Es geht um die Frage, ob man es zulässt, wie das derzeit der Fall ist, dass man mit der Pflege alter Menschen Renditen erwirtschaften kann, die nicht der Pflege wieder zugutekommen (das wäre dann auch für eine Zweckbindung der Überschüsse im gemeinnützigen Bereich relevant), sondern die an Investoren ausgeschüttet werden. Wenn man das zulässt, dann darf man sich nicht wundern, wenn sich die Investorenperspektive verselbständigt und alles unternommen werden muss, um die Kosten zu drücken und die Gewinne zu maximieren. Das ist nun mal das Bewegungsgesetz privater, gewinnorientierter Investoren. Und bei Kostenanteilen von 70 Prozent und mehr für den Personalbereich ist es zwangsläufig klar, wo die Kosten gedrückt werden – vor allem und so lange, wie die Politik nicht in der Lage ist, durch eindeutige und bei Missachtung streng zu sanktionierende Personalvorgaben eine „Produktivitätssteigerung“ durch Personalverkürzung zu verhindern.“ aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de