Buchtipp: Fremd in ihrem Land

14.02.2020/EG

Arlie Russell Hochschild: Fremd in ihrem Land
Eine Reise ins Herz der amerikanischen Rechten

Sachbuch (Demokratie, Gesellschaft, Politik, Ungleichheit, Vermögen)

In vielen westlichen Ländern sind rechte, nationalistische Bewegungen auf dem Vormarsch. Wie ist es dazu gekommen? Arlie Russell Hochschild reiste ins Herz der amerikanischen Rechten, nach Louisiana, und suchte fünf Jahre lang das Gespräch mit ihren Landsleuten. Sie traf auf frustrierte Menschen, deren „Amerikanischer Traum“ geplatzt ist; Menschen, die sich abgehängt fühlen, den Staat hassen und sich der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung angeschlossen haben. Hochschild zeigt eine beunruhigende Entwicklung auf, die auch in Europa längst begonnen hat. Hochschilds Reportage ist nicht nur eine erhellende Deutung einer gespaltenen Gesellschaft, sondern auch ein bewegendes Stück Literatur. Weiterlesen

Buchtipp: Überreichtum

06.02.2020/EG

Martin Schürz: Überreichtum

Sachbuch (Demokratie, Gesellschaft, Politik, Ungleichheit, Vermögen)

Der antike Philosoph Platon verstand unter »Überreichtum« exzessiven Reichtum, der nicht glücklich mache, weil er nicht tugendhaft sei. Das Thema dieses Buches ist also alt, doch es wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Denn die weltweite Vermögenskonzentration ist enorm und soziale Ungleichheit ein beständiges Problem.
Wie Vermögen verteilt wird, ist keine private Frage. Sie geht alle etwas an. Martin Schürz führt uns die Zahlen vor Augen, erklärt, was problematisch am Überreichtum ist. Gerade Gefühlszuschreibungen sind für die Akzeptanz der Privilegien der Überreichen bedeutsam: Neid und Hass werden vorwiegend den Armen als Laster zugeschrieben, Großzügigkeit und Mitleid den Überreichen als Tugenden. Wer eine gerechte Gesellschaft will, muss zuerst verstehen, wie Vermögenskonzentration wahrgenommen wird. Denn Überreichtum gefährdet die Demokratie und die politische Gleichheit. Weiterlesen

Geldvermögen privater Haushalte erreicht 6,3 Billionen Euro

17.01.2020/EG
Quelle: Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main

Geldvermögen der privaten Haushalte* in Deutschland lag zum Ende des dritten Quartals 2019 bei 6.302 Milliarden Euro (+ 4,5 % gegenüber III/2018)

Wie die Deutsche Bundesbank mitteilt, summierte sich das Geldvermögen (Bargeld, Einlagen, Schuldverschreibungen, Aktien, Anteilsrechte, Investmentfonds, Versicherung, Alterssicherung, Finanzderivate, Mitarbeiteraktienoptionen, Kredite und sonstige Forderungen) der privaten Haushalte in Deutschland, zum Ende des dritten Quartals 2019, auf 6.302 Milliarden Euro. Damit übertraf es den Vorjahreswert um 271,1 Milliarden Euro bzw. 4,5 Prozent.
„Wie in den vergangenen Quartalen erhöhten die privaten Haushalte insbesondere ihre Bestände an Bargeld und Einlagen sowie ihre Ansprüche gegenüber Versicherungen. Die Präferenz für liquide oder als risikoarm empfundene Anlageformen hielt damit weiter an. Auch Bewertungsgewinne trugen wieder zum Anstieg des Geldvermögens bei.“ bundesbank.de

*Private Haushalte sind Einzelpersonen oder mehrere Personen umfassende Lebensgemeinschaften, die als selbstständige Wirtschaftseinheiten in erster Linie als Anbieter von Arbeitskraft und als Konsumenten in Erscheinung treten. Zum Sektor der privaten Haushalte zählen auch die privaten Organisationen ohne Erwerbscharakter (Gewerkschaften, Kirchen, Parteien, Verbände, Vereine und Ähnliche).

Zum Thema

Das Sachvermögen (Immobilien, Ausrüstung, Nutztiere, Nutzpflanzungen, geistiges Eigentum) der privaten Haushalte und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck wird von der Deutschen Bundesbank, zum Jahresende 2018, mit 8.655 Milliarden Euro erfasst. bundesbank.de (Seite 11)

Regierungen vernachlässigen Daten zur Ungleichheit

08.01.2020/EG
Quelle: Project Syndicate, New York

Thomas Piketty, Lucas Chancel, Facundo Alvaredo, Emmanuel Saez, Gabriel Zucman und weitere Wissenschaftler rufen die Zivilgesellschaft, Medien, Regierungen und die akademische Gemeinschaft auf, sich den Bemühungen anzuschließen, die Verfügbarkeit von Daten zur Ungleichheit zu schaffen:

„Wir leben im dunklen Zeitalter der Ungleichheitsstatistik. Mehr als ein Jahrzehnt nach der „Großen Rezession“ sind die Regierungen immer noch nicht in der Lage, die Entwicklung von Einkommen und Vermögen genau zu verfolgen. Statistische Ämter erstellen Einkommenswachstumsstatistiken für die Gesamtbevölkerung (volkswirtschaftliche Gesamtrechnung), aber nicht für die „Mittelschicht“, die „Arbeiterklasse“ oder die reichsten 1% und 0,1%. In einer Zeit, in der Google, Facebook, Visa, Mastercard und andere multinationale Unternehmen intime Details über unser Privatleben kennen, erfassen die Regierungen immer noch nicht die grundlegendsten Statistiken über die Verteilung von Einkommen und Vermögen, geschweige denn veröffentlichen sie diese.
(…).
Viele fortgeschrittene Volkswirtschaften haben die Anzahl der jährlich durchgeführten Steuerprüfungen reduziert, was den Zugang zu dieser wichtigen Informationsquelle und deren Analyse erschwert. Ebenso sind mit dem Auslaufen der progressiven Steuern auf Kapitaleinkommen und der Aufhebung der Vermögens- und Erbschaftssteuern einige der grundlegendsten Datenquellen zur Vermögensungleichheit verschwunden.“ project-syndicate.org

Zum Thema

WID-Ungleichheits-Transparenzindex wid.world

UN-Bericht über die Ungleichheiten in der menschlichen Entwicklung im 21. Jahrhundert: Im Zeitraum 1980 bis 2017 lag in Deutschland das Einkommenswachstum der unteren 40 Prozent bei 21,2 Prozent, das der TOP-1-Prozent bei 97,9 Prozent. hdr.undp.org (siehe Tabelle Seite 122)

Ungleichheit

18.12.2019/EG
Quellen: Deutschlandfunk, Berlin / DIE ZEIT, Hamburg

Ungleichheit: Experten interpretieren Ungleichheit ungleich

Marcel Fratzscher, Präsident des DIW Berlin und Wirtschaftswissenschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin:
„Privates Vermögen ist in Deutschland sehr ungleich verteilt. Viele Menschen konnten trotz des Wirtschaftsbooms keines aufbauen.“ zeit.de

Michael Hüther, Direktor des IW Köln und Honorarprofessor an der privaten EBS Universität Oestrich-Winkel:
„Wer in die Erwerbstätigkeit einsteigt, wer in seine Beschäftigungsfähigkeit, in seine Bildung investiert, für den ist alles offen. Der hat in diesem Land die Chancen, auch ein Vermögen aufzubauen.“ deutschlandfunk.de

Zum Thema

Christoph Butterwegge, em. Politikwissenschaftler, erklärt Ursachen und Entwicklung der Ungleichheit in seinem neuen Buch „Die zerrissene Republik“, erschienen bei Beltz. christophbutterwegge.de