Geldvermögen privater Haushalte erreicht 6,3 Billionen Euro

17.01.2020/EG
Quelle: Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main

Geldvermögen der privaten Haushalte* in Deutschland lag zum Ende des dritten Quartals 2019 bei 6.302 Milliarden Euro (+ 4,5 % gegenüber III/2018)

Wie die Deutsche Bundesbank mitteilt, summierte sich das Geldvermögen (Bargeld, Einlagen, Schuldverschreibungen, Aktien, Anteilsrechte, Investmentfonds, Versicherung, Alterssicherung, Finanzderivate, Mitarbeiteraktienoptionen, Kredite und sonstige Forderungen) der privaten Haushalte in Deutschland, zum Ende des dritten Quartals 2019, auf 6.302 Milliarden Euro. Damit übertraf es den Vorjahreswert um 271,1 Milliarden Euro bzw. 4,5 Prozent.
„Wie in den vergangenen Quartalen erhöhten die privaten Haushalte insbesondere ihre Bestände an Bargeld und Einlagen sowie ihre Ansprüche gegenüber Versicherungen. Die Präferenz für liquide oder als risikoarm empfundene Anlageformen hielt damit weiter an. Auch Bewertungsgewinne trugen wieder zum Anstieg des Geldvermögens bei.“ bundesbank.de

*Private Haushalte sind Einzelpersonen oder mehrere Personen umfassende Lebensgemeinschaften, die als selbstständige Wirtschaftseinheiten in erster Linie als Anbieter von Arbeitskraft und als Konsumenten in Erscheinung treten. Zum Sektor der privaten Haushalte zählen auch die privaten Organisationen ohne Erwerbscharakter (Gewerkschaften, Kirchen, Parteien, Verbände, Vereine und Ähnliche).

Zum Thema

Das Sachvermögen (Immobilien, Ausrüstung, Nutztiere, Nutzpflanzungen, geistiges Eigentum) der privaten Haushalte und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck wird von der Deutschen Bundesbank, zum Jahresende 2018, mit 8.655 Milliarden Euro erfasst. bundesbank.de (Seite 11)

Ungleichheit stranguliert Potenzial

12.01.2020/EG
Quelle: Internationaler Währungsfonds (IWF/IMF), Washington

Kristalina Georgieva, geschäftsführenden Direktorin des IWF: „Ungleichheit reduzieren, um Chancen zu schaffen“

„In den letzten zehn Jahren ist die Ungleichheit zu einer der komplexesten und ärgerlichsten Herausforderungen in der Weltwirtschaft geworden.
Ungleichheit der Chancen. Ungleichheit über Generationen hinweg. Ungleichheit zwischen Frauen und Männern. Und natürlich auch die Ungleichheit von Einkommen und Vermögen. Sie alle sind in unseren Gesellschaften präsent und – unglücklicherweise – in vielen Ländern im Wachstum begriffen.
Die gute Nachricht ist, dass wir Instrumente haben, um diese Probleme anzugehen, vorausgesetzt, wir haben den Willen dazu. Trotz der politischen Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Reformen sind die Vorteile für Wachstum und Produktivität die Mühe wert.
Die Bekämpfung der Ungleichheit erfordert ein Umdenken.
Erstens, bei der Steuerpolitik und der progressiven Besteuerung:
Die progressive Besteuerung ist ein Schlüsselelement einer wirksamen Steuerpolitik. An der Spitze der Einkommensverteilung zeigen unsere Untersuchungen, dass die Grenzsteuersätze erhöht werden können, ohne das Wirtschaftswachstum zu beeinträchtigen. …“ imf.org

Regierungen vernachlässigen Daten zur Ungleichheit

08.01.2020/EG
Quelle: Project Syndicate, New York

Thomas Piketty, Lucas Chancel, Facundo Alvaredo, Emmanuel Saez, Gabriel Zucman und weitere Wissenschaftler rufen die Zivilgesellschaft, Medien, Regierungen und die akademische Gemeinschaft auf, sich den Bemühungen anzuschließen, die Verfügbarkeit von Daten zur Ungleichheit zu schaffen:

„Wir leben im dunklen Zeitalter der Ungleichheitsstatistik. Mehr als ein Jahrzehnt nach der „Großen Rezession“ sind die Regierungen immer noch nicht in der Lage, die Entwicklung von Einkommen und Vermögen genau zu verfolgen. Statistische Ämter erstellen Einkommenswachstumsstatistiken für die Gesamtbevölkerung (volkswirtschaftliche Gesamtrechnung), aber nicht für die „Mittelschicht“, die „Arbeiterklasse“ oder die reichsten 1% und 0,1%. In einer Zeit, in der Google, Facebook, Visa, Mastercard und andere multinationale Unternehmen intime Details über unser Privatleben kennen, erfassen die Regierungen immer noch nicht die grundlegendsten Statistiken über die Verteilung von Einkommen und Vermögen, geschweige denn veröffentlichen sie diese.
(…).
Viele fortgeschrittene Volkswirtschaften haben die Anzahl der jährlich durchgeführten Steuerprüfungen reduziert, was den Zugang zu dieser wichtigen Informationsquelle und deren Analyse erschwert. Ebenso sind mit dem Auslaufen der progressiven Steuern auf Kapitaleinkommen und der Aufhebung der Vermögens- und Erbschaftssteuern einige der grundlegendsten Datenquellen zur Vermögensungleichheit verschwunden.“ project-syndicate.org

Zum Thema

WID-Ungleichheits-Transparenzindex wid.world

UN-Bericht über die Ungleichheiten in der menschlichen Entwicklung im 21. Jahrhundert: Im Zeitraum 1980 bis 2017 lag in Deutschland das Einkommenswachstum der unteren 40 Prozent bei 21,2 Prozent, das der TOP-1-Prozent bei 97,9 Prozent. hdr.undp.org (siehe Tabelle Seite 122)

Buchtipp: Digitaler Kapitalismus

20.12.2019/EG

Philipp Staab: Digitaler Kapitalismus
Markt und Herrschaft in der Ökonomie der Unknappheit

Sachbuch (Gesellschaft, IT, Kapitalismus, KI, Markt, Ungleichheit)

Beherrschten vor 20 Jahren noch Industriekonglomerate, Energiekonzerne und Banken die Rangliste der wertvollsten Unternehmen, wurden diese längst von Internetgiganten wie Google, Apple, Amazon und Tencent abgelöst. Digitale Technik ist allgegenwärtig: Wir tragen Hochleistungsrechner in unseren Taschen herum, Waschmaschinen können sich mit dem Internet verbinden. Doch erschöpft sich darin das Neue am digitalen Kapitalismus? Weiterlesen

Ungleichheit

18.12.2019/EG
Quellen: Deutschlandfunk, Berlin / DIE ZEIT, Hamburg

Ungleichheit: Experten interpretieren Ungleichheit ungleich

Marcel Fratzscher, Präsident des DIW Berlin und Wirtschaftswissenschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin:
„Privates Vermögen ist in Deutschland sehr ungleich verteilt. Viele Menschen konnten trotz des Wirtschaftsbooms keines aufbauen.“ zeit.de

Michael Hüther, Direktor des IW Köln und Honorarprofessor an der privaten EBS Universität Oestrich-Winkel:
„Wer in die Erwerbstätigkeit einsteigt, wer in seine Beschäftigungsfähigkeit, in seine Bildung investiert, für den ist alles offen. Der hat in diesem Land die Chancen, auch ein Vermögen aufzubauen.“ deutschlandfunk.de

Zum Thema

Christoph Butterwegge, em. Politikwissenschaftler, erklärt Ursachen und Entwicklung der Ungleichheit in seinem neuen Buch „Die zerrissene Republik“, erschienen bei Beltz. christophbutterwegge.de