EU: Soziale Sicherung ist für alle Staatshaushalte die teuerste Pflichtaufgabe

18.03.2019/EG
Quelle: Eurostat, statistisches Amt der Europäischen Union, Luxemburg

Größte Ausgabenposition in allen EU-Staaten ist die ‘Soziale Sicherung‘

Für das Jahr 2017 meldete Finnland, mit einem Anteil in Höhe von 45,9 Prozent der staatlichen Gesamtausgaben, den höchsten Beitrag für die soziale Sicherung ihrer Einwohner. Dahinter folgten Deutschland mit 44,1 Prozent und Dänemark mit 43,7 Prozent. Die niedrigsten Anteile meldeten Tschechien (30,7 Prozent), Lettland (30,8 Prozent) und Ungarn (29,9 Prozent). ec.europa.eu

Zum Thema

Gerhard Schröder, ehemaliger Bundeskanzler, am 28. Januar 2005 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos: „We have established one of the best low paying sectors in Europe.“ (Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren in Europa etabliert.) gerhard-schroeder.de

Ergänzung am 19.03.2019

Der Anteil der Ausgaben für die soziale Sicherung des Bundes hat sich seit der Wiedervereinigung (1990) von 27,2 Prozent auf 49,4 Prozent im Jahr 2018 erhöht. Für das Jahr 2019 wird mit einem Anteil von 50,4 Prozent gerechnet. bundestag.de

Ungleichheit formt Kastengesellschaft

14.03.2019/EG
Quelle: agora42, Stuttgart

Hans-Günter Wallraff, Journalist und Schriftsteller, über die Spaltung unserer Gesellschaft

„Man sprach in Deutschland bisher von der Klassengesellschaft, aber diese wandelt sich gleichzeitig immer mehr in eine Kastengesellschaft. Schließlich ist es bereits heute schon so, dass die Mitglieder der Oberschicht nur noch untereinander verkehren, untereinander heiraten, ihre eigenen Clubs und Rituale pflegen und sich letztlich als etwas Besseres dünken und auf die anderen herabblicken. Der Gegenpol dieser Kaste ist eine abgehängte Schicht, in der Armut vererbt wird. Hier werden Kinder in Armut hineingeboren und haben dann kaum mehr Chancen ihr zu entkommen.“ agora42.de

Buchtipp: Wessen Stimme zählt?

08.03.2019/EG

Lea Elsässer: Wessen Stimme zählt?
Soziale und politische Ungleichheit in Deutschland

Sachbuch (Demokratie, Gesellschaft, Kapital, Politik, Ungleichheit)

Wie steht es um die politische Gleichheit in Gesellschaften, in denen Einkommen immer weiter auseinanderdriften und die Armen sich kaum noch politisch beteiligen? Wessen Stimme findet Gehör? Mit einer umfassenden empirischen Untersuchung politischer Repräsentation in Deutschland zeigt die Autorin, dass die Entscheidungen des Deutschen Bundestages seit den 1980er-Jahren systematisch zugunsten oberer Berufs- und Einkommensgruppen verzerrt sind. In der Folge wird nicht nur das Gleichheitsversprechen der Demokratie verletzt, sondern es werden auch vermehrt Entscheidungen getroffen, die ökonomische Ungleichheit tendenziell verschärfen. Weiterlesen

Sozialhilfe: Kürzungen verfestigen permanenten Stress

05.03.2019/EG
Quelle: Blog Arbeit und Wirtschaft, Wien

Konstantin Wacker, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Groningen, über die Tiefenwirkung von Kürzungen bei der Sozialhilfe

„Von Armut betroffene oder gefährdete Haushalte sind in den allermeisten Fällen vielfach eingeschränkt: Sie müssen sich überlegen, wie sie den nächsten Einkauf bewältigen oder die Miete bezahlen. Um mit derartigen Situationen finanzieller Not und Unsicherheit umzugehen, braucht es intellektuelle Energie. Das wird in Labor- und Feldstudien bestätigt, die untersuchten, wie sich finanzielle Notsituationen und Unsicherheit in standardisierten Wahrnehmungstests auswirken. Wer einer realistischen finanziellen Not- oder Unsicherheitssituation ausgesetzt wird, schneidet bei diesen Tests etwa genauso schlecht ab wie jemand bei einer vollen Nacht Schlafentzug. Weitere Studien zeigen, dass finanzielle Notlagen tatsächlich jene Hirnregionen belasten, die auch durch Stress beansprucht werden.“ awblog.at

Zum Thema

Stefan Sell, Sozialwissenschaftler, zu Sanktionen im Hartz IV-System: Alte neue Zahlen und eine weiterhin offene Grundsatzfrage aktuelle-sozialpolitik.de

Renditeobjekt ‘Staatspleite‘

04.03.2019/EG
Quelle: Institut für Weltwirtschaft (IfW), Kiel

Josefin Meyer (Forscherin am IfW), Carmen M. Reinhart (Wirtschaftswissenschaftlerin Harvard University Cambridge) und Christoph Trebesch (Wirtschaftswissenschaftler Universität Kiel), untersuchten die Kurse von Staatsanleihen im Zeitraum 1815 bis 2016: Je mehr Staatspleiten, desto höher die Rendite

„Trotz globaler Krisen, immer wiederkehrenden Staatsbankrotten und Kriegen lag die Rendite von Staatsanleihen aus krisengeplagten Ländern in den letzten rund 200 Jahren inflationsbereinigt im Durchschnitt bei 7 Prozent pro Jahr. Dies übertrifft einen Großteil anderer Anlageklassen und liegt etwa auf dem Niveau von Aktieninvestments. (…). Laut Studie war die Rendite eines Schuldentitels im Schnitt umso höher, je mehr Staatspleiten ein Land bereits verzeichnen musste.“ ifw-kiel.de

06.03.2019/Ergänzung zum Thema

Studie des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Kiel: Private Anleger erzielen immer häufiger juristische Erfolge gegen Schuldnerregierungen, insbesondere vor Gerichten der USA und Englands. ifw-kiel.de

Karte zur Fragilität von Staaten die-gdi.de