Eine Wohnung ist ein lebensnotwendiger Raum

25.08.2020/EG
Quelle: Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau), Berlin

Wohnungsmangel in Ballungszentren befeuert Immobilienpreise / IG BAU fordert grundlegenden Kurswechsel und konkretisiert Maßnahmen gegen den Mangel an bezahlbaren Wohnungen

„Mindestens 400.000 Wohnungen müssten jährlich gebaut werden, um die Wohnungsnot zu beseitigen. Das hat auch die Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD erkannt und im Koalitionsvertrag erklärt, bis 2021 insgesamt 1,5 Millionen neue Wohnungen zu schaffen.
Die Realität ist anders: 2017 wurden bundesweit nur 285.000 neue Wohnungen fertiggestellt, auch im vergangenen Jahr gab es keinen nennenswerten Anstieg der Bautätigkeit im Bereich Neubauwohnungen. Die Lücke wächst bedrohlich weiter.“

Die IG BAU fordert einen wohnungspolitischen Kurswechsel mit folgenden Maßnahmen:

  • „Es müssen in den nächsten Jahren 400.000 neue Wohnungen pro Jahr gebaut werden, mit einem Fokus auf Sozialwohnungen und bezahlbaren Wohnraum.
  • Ein Bestand von mindestens zwei Millionen Sozialmietwohnungen muss bis zum Jahr 2030 aufgebaut werden. Insgesamt sollen 155.000 zusätzliche Sozialwohnungen durch Kombination von Neubau (80.000 neue Sozialmietwohnungen pro Jahr), Modernisierung sowie Ankauf von Beständen und Belegrechten (75.000 Wohnungen pro Jahr) entstehen.
  • Für den Neubau von 80.000 Sozialwohnungen und für 75.000 Sozialbindungen je Jahr durch Modernisierungsförderungen und Ankauf von Belegrechten sind pro Jahr mindestens 6,3 Milliarden Euro an Fördermitteln durch Bund und Länder anteilig bereitzustellen.
  • Gezielte Förderungen des Neubaus von jährlich 60.000 bezahlbaren Mietwohnungen (für Haushalte, die die Einkommensgrenzen des sozialen Wohnungsbaus knapp überschreiten) in Ballungsgebieten und Wachstumsregionen.
  • Für die Schaffung von 60.000 Wohnungen im Segment des „bezahlbaren Wohnens“ sind pro Jahr insgesamt drei Milliarden Euro durch Bund und Länder bereitzustellen. Die Förderung soll durch steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten in Verbindung mit möglichst dauerhaften Mietpreisbegrenzungen erfolgen.
  • Öffentliche und gemeinwohlorientierte Wohnungsbaugesellschaften sowie Genossenschaften sollen geschaffen und durch die Wiedereinführung der steuerrechtlichen Wohnungsgemeinnützigkeit unterstützt werden.
  • Dazu gehört auch, öffentliche Liegenschaften im Konzeptverfahren zum Preis bis maximal 300 Euro pro m2 Bauland zu vergeben und vorzugweise kommunalen oder anderen gemeinwohlorientierten bzw. gemeinnützigen Unternehmen zur Bebauung überlassen.
  • Die Baulandbereitstellung sollte durch die Aufstellung von entsprechenden Bebauungsplänen durch die Kommunen flankiert werden. In Gebieten ohne Bebauungsplan (§ 34 Baugesetzbuch), müssten Bauvorhaben zur Wohnungsversorgung einkommensschwächerer Haushalte ermöglicht werden.“igbau.de

Zum Thema

Die Pestel-Studie „Bedarf an Sozialwohnungen in Deutschland“ lesen Sie hier igbau.de

Die Wohnsituation in 77 deutschen Städten lesen Sie hier boeckler.de.

Buchtipp: Die Welt in 20 Jahren

07.08.2020/EG

Manuel Prieler, Friedrich Schneider, Horst Steinmüller (Hg.): Die Welt in 20 Jahren
Lebensqualität, Wohlstand und Umwelt

Sachbuch (Arbeitswelt, Leben, Umwelt, Zukunft)

„Noch nie stand die Welt vor solch existenziellen Herausforderungen wie heute und noch nie wandelte sich die Lebens- und Arbeitsweise so rasch und grundlegend. Wie hilfreich könnte da ein Blick in die Zukunft sein, der Orientierung bietet und auch Hoffnung. Wir haben daher elf namhafte Personen aus Wirtschaft und Wissenschaft gebeten, sich mit der Frage zu beschäftigen, in welcher Welt wir in 20 Jahren leben werden und welche Veränderungen es insbesondere im Hinblick auf Lebensqualität, Wohlstand und Umwelt geben wird.
Die Themen und Blickwinkel der Autorinnen und Autoren sind natürlich sehr unterschiedlich, aber neben sehr konträren Erwartungen an die Zukunft finden sich auch viele Gemeinsamkeiten. So entsteht eine interessante und lehrreiche Diskussion zu den Themenfeldern einer künftigen Welt und es ergibt sich eine Art geistige Landkarte für das Jahr 2040 – und für den Weg dorthin.“ Weiterlesen

Elternzeit steigert Lebenszufriedenheit der Kinder

29.10.2019/EG
Quelle: Ökonomenstimme, ein Blog der Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich

Katharina Heisig und Larissa Zierow, beide Forscherinnen am ifo Institut München, untersuchten den Einfluss von Elternzeitreformen auf die kindliche Entwicklung

„In unserem Paper (Heisig und Zierow, 2019) untersuchen wir mithilfe der Daten des sozioökonomischen Panels (SOEP) die Auswirkungen der von sechs auf zwölf Monate verlängerten Elternzeit auf die langfristige Lebenszufriedenheit von Kindern. Wir verwenden dafür die in der DDR geborenen Geburtskohorten 1980-1989. (…). Unsere Ergebnisse zeigen auf Grundlage von über 1100 Individuen, dass die von sechs auf zwölf Monate verlängerte Elternzeit zu einer höheren Lebenszufriedenheit der Kinder im Erwachsenenalter führt. Der Effekt ist robust und liegt bei einem Anstieg von ca. 8 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt vor der Elternzeitreform.“ oekonomenstimme.org