Medium für die zweite Meinung

  • Sozialhilfe: Kürzungen verfestigen permanenten Stress

    05.03.2019/EG
    Quelle: Blog Arbeit und Wirtschaft, Wien

    Konstantin Wacker, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Groningen, über die Tiefenwirkung von Kürzungen bei der Sozialhilfe

    „Von Armut betroffene oder gefährdete Haushalte sind in den allermeisten Fällen vielfach eingeschränkt: Sie müssen sich überlegen, wie sie den nächsten Einkauf bewältigen oder die Miete bezahlen. Um mit derartigen Situationen finanzieller Not und Unsicherheit umzugehen, braucht es intellektuelle Energie. Das wird in Labor- und Feldstudien bestätigt, die untersuchten, wie sich finanzielle Notsituationen und Unsicherheit in standardisierten Wahrnehmungstests auswirken. Wer einer realistischen finanziellen Not- oder Unsicherheitssituation ausgesetzt wird, schneidet bei diesen Tests etwa genauso schlecht ab wie jemand bei einer vollen Nacht Schlafentzug. Weitere Studien zeigen, dass finanzielle Notlagen tatsächlich jene Hirnregionen belasten, die auch durch Stress beansprucht werden.“ awblog.at

    Zum Thema

    Stefan Sell, Sozialwissenschaftler, zu Sanktionen im Hartz IV-System: Alte neue Zahlen und eine weiterhin offene Grundsatzfrage aktuelle-sozialpolitik.de

  • Renditeobjekt ‘Staatspleite‘

    04.03.2019/EG
    Quelle: Institut für Weltwirtschaft (IfW), Kiel

    Josefin Meyer (Forscherin am IfW), Carmen M. Reinhart (Wirtschaftswissenschaftlerin Harvard University Cambridge) und Christoph Trebesch (Wirtschaftswissenschaftler Universität Kiel), untersuchten die Kurse von Staatsanleihen im Zeitraum 1815 bis 2016: Je mehr Staatspleiten, desto höher die Rendite

    „Trotz globaler Krisen, immer wiederkehrenden Staatsbankrotten und Kriegen lag die Rendite von Staatsanleihen aus krisengeplagten Ländern in den letzten rund 200 Jahren inflationsbereinigt im Durchschnitt bei 7 Prozent pro Jahr. Dies übertrifft einen Großteil anderer Anlageklassen und liegt etwa auf dem Niveau von Aktieninvestments. (…). Laut Studie war die Rendite eines Schuldentitels im Schnitt umso höher, je mehr Staatspleiten ein Land bereits verzeichnen musste.“ ↗ifw-kiel.de

    06.03.2019/Ergänzung zum Thema

    Studie des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Kiel: Private Anleger erzielen immer häufiger juristische Erfolge gegen Schuldnerregierungen, insbesondere vor Gerichten der USA und Englands. ↗ifw-kiel.de

    Karte zur Fragilität von Staaten ↗die-gdi.de

  • Fast jeder dritte Deutsche ohne Ersparnisse?

    02.03.2019/EG
    Quelle: ING-DiBa AG, Frankfurt am Main

    Umfrage: Finanzielle Lage privater Haushalte verschärft sich / Niedrige Einkommen werden als Haupthindernis gesehen

    „Deutschland weist im internationalen Vergleich den zweithöchsten Anteil an Menschen ohne Ersparnisse auf. 31 Prozent der Befragten gaben hierzulande an, dass ihr Haushalt über keinerlei Sparreserven verfügt. Im Vergleich zur entsprechenden Umfrage 2017 verschlechterte sich die finanzielle Lage der Deutschen damit um vier Prozentpunkte.“ ing-diba.de

    Zum Thema

    Deutschland: Geldvermögen der privaten Haushalte übersteigen im dritten Quartal 2018 erstmals 6 Billionen Euro bzw. 72.000 Euro je Einwohner* durchschnittlich. bundesbank.de
    *Bevölkerungsstand am 30.09.2018: 82,98 Mio. Einwohner

  • Buchtipp: Gegenrevolution

    01.03.2019/EG

    Bernard E. Harcourt: Gegenrevolution
    Der Kampf der Regierungen gegen die eigenen Bürger

    Sachbuch (Demokratie, Gesellschaft, Politik, Ungleichheit)

    Die Polizei wird mit Drohnen und Panzern aufgerüstet, die Überwachung der eigenen Bürger ausgeweitet, während die Menschen sich von digitalen Angeboten ablenken lassen: Bernard E. Harcourt führt all diese Themen zusammen und zeigt im Anschluss an Foucault, wie eine neue Regierungsform entsteht: Gespeist aus der militärischen Strategie der Bekämpfung von Aufständen, benutzt sie das Argument vom »Kampf gegen Terrorismus«, um ein neues Herrschaftsregime zu errichten. Dessen Prinzipien beruhen auf umfassender Geheimdienstinformation, schonungslosem Targeting von Minderheiten sowie einer Propaganda, die beruhigen soll. Es gilt, so Harcourts brillante Analyse, diese Regierungsform als das zu entlarven, was sie ist: die Tyrannei unseres Zeitalters. (mehr …)

  • „Die Gelbwestenbewegung – Stand und Perspektiven“

    28.02.2019/EG
    Quelle: Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb), Berlin

    Dieter Rucht, Politikwissenschaftler an der Freien Universität Berlin und Forscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), untersuchte Ursachen, Auslöser und Verstärker der Protestbewegung in Frankreich

    „Die von den Gelbwesten oft ins Zentrum gestellte Kaufkraft stagniert seit vielen Jahren, während ein guter Teil der existenznotwendigen Ausgaben für Miete, Strom und – zumal in ländlichen Regionen – auch KFZ-Kraftstoffe gestiegen ist. Auf diese Situation reagieren die Gelbwesten mit Forderungen nach einem Stopp weiterer Verbrauchssteuern, einer Erhöhung des Mindestlohns und der Renten im unteren Bereich, der Finanzhilfen für Studierende etc. bei gleichzeitig höheren Steuern für die Reichen des Landes, der Abschaffung von Sonderkonditionen für ohnehin privilegierte Gruppen und Einrichtungen sowie der Eindämmung des auf 80 Mrd. geschätzten jährlichen Steuerbetrugs. Diese Forderungen, die sich auf den Nenner einer gerechteren Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums bringen lassen, bilden die am lautesten vorgetragenen und auch intern unumstrittenen Anliegen der Bewegung.

    Der oft aus deutscher Perspektive gegebene Hinweis, in Frankreich bestünde ein hervorragendes System sozialer Sicherung (z. B. ein höherer Mindestlohn und ein früheres Renteneintrittsalter), verkennt die in ihrer Summe eher prekäre soziale Absicherung von relevanten Teilen der französischen Bevölkerung. Er verkennt auch den Rückbau bzw. Verfall ländlicher Infrastrukturen in einem Land, das 1,8-fach größer und nicht einmal halb so dicht wie Deutschland besiedelt ist, wobei diese Diskrepanz durch den Ballungsraum Paris verschärft wird. Vor allem auf dem Land wird das Leben und Auskommen zunehmend schwierig. Darin liegt auch eine Erklärung, warum die Gelbwesten in der Fläche Frankreichs präsent sind.“ protestinstitut.eu

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