Medium für die zweite Meinung

  • Gesellschaftliche Spaltung wird immer deutlicher

    07.10.2019/EG
    Quelle: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf

    WSI-Verteilungsbericht 2019 zur wachsenden Einkommensungleichheit

    „Erst jüngst griff der IWF das Thema in seinem aktuellen Deutschlandbericht auf (IMF2019): Er kritisiert, dass die großen Leistungsbilanzüberschüsse, die Deutschland als führende Exportnation erwirtschaftet, lediglich den Reichen zufließen und so die Konzentration der Einkommen an der Spitze verschärft wird. Treibende Kraft für diese Entwicklung sind, so der IWF, mittelständische Familienunternehmen.
    (…).
    Den größten Veränderungen unterworfen sind insbesondere die Ränder der Verteilung, dabei sind das oberste und das unterste Dezil als Extrema zu nennen. Die Entwicklung, die sich nachteilig für das unterste Dezil und vorteilhaft für die oberen Dezile ausgewirkt hat, konzentriert sich auf den Zeitraum seit 2009 – ein deutlicher Hinweis darauf, dass in diesen Jahren die Einkommensungleichheit wieder steigt.“ boeckler.de

    Zum Thema

    Im Jahr 2018 bestritt in Deutschland knapp die Hälfte (47 %) der Bevölkerung ihren Lebensunterhalt hauptsächlich durch ihre eigene Erwerbstätigkeit. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand von Ergebnissen des Mikrozensus weiter mitteilt, waren für fast jede vierte Person (24 %) Einkünfte von Angehörigen (zum Beispiel von Partnerin oder Partner, Eltern) die Haupteinkommensquelle. Weitere 22 % lebten hauptsächlich von Renten- und Pensionszahlungen. Für 7 % der Bevölkerung waren öffentliche Leistungen die Haupteinkommensquelle (zum Beispiel Arbeitslosengeld I und II, Grundsicherung im Alter, BAföG, Elterngeld). Nur knapp 1 % der Bevölkerung finanzierte seinen Lebensunterhalt überwiegend durch das eigene Vermögen (einschließlich Ersparnisse, Zinsen sowie Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung). destatis.de

    Amin Schäfer, Politikwissenschaftler an der Universität Münster an der Uni Witten/Herdecke, im Vortrag „Demokratie in Gefahr: Politische Ungleichheit in Deutschland“: „Wer über den Erfolg des Rechtspopulismus spricht, darf über politische Ungleichheit nicht schweigen.armin-schaefer.de

    Michael Hartmann, Sozialwissenschaftler, über die Einkommens- und Vermögensverteilung ↗vimeo.com

    Werner Vontobel, Wirtschaftswissenschaftler und Journalist: Was uns die Ungleichheit wirklich kostet ↗werner-vontobel.ch

  • Buchtipp: Krieg im 21. Jahrhundert

    04.10.2019/EG

    Jochen Hippler: Krieg im 21. Jahrhundert
    Militärische Gewalt, Aufstandsbekämpfung und humanitäre Intervention

    Sachbuch (Gesellschaft, Krieg, Medien, Politik, Wirtschaft)

    Krieg hat seinen Charakter in den vergangenen Jahrhunderten dramatisch geändert. Der Friedensforscher Jochen Hippler zeichnet die Wandelbarkeit von Krieg und Gewalt historisch nach und zeigt, dass in der „neuen“ asymmetrischen Kriegsführung des 21. Jahrhunderts Politik und Medien wesentliche Faktoren sind, die über Sieg oder Niederlage entscheiden.

    Die neuen Kriegsformen finden immer weniger zwischen Ländern, sondern innerhalb von Gesellschaften statt. Gewalttätige Auseinandersetzungen im Kontext sogenannter „gescheiterter Staaten“ und Aufstandsbekämpfung übernehmen das Terrain. Sieg oder Niederlage entscheiden sich nicht mehr hauptsächlich auf dem Schlachtfeld, sondern im Kampf um Governance-Strukturen und gesellschaftliche Akzeptanz. Ein rein militärisch ausgefochtener Sieg kann meist nur mehr mittels ethnischer Säuberung oder Völkermord errungen werden.

    Im letzten Teil seines Buches untersucht Jochen Hippler die dunkle Seite der Politik in aktuellen innergesellschaftlichen Konflikten und Bürgerkriegen zwischen Afghanistan, dem Nahen Osten und Afrika. Dabei setzt er sich mit Gotteskriegern, „humanitären Interventen“, Aufständischen und Aufstandsbekämpfern, Terroristen und Befreiungskämpfern auseinander. (mehr …)

  • Vermögensungleichheit in Deutschland

    02.10.2019/EG
    Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin

    Deutschland 2017: Die reichsten 10 Prozent besitzen 56,1 Prozent am Nettogesamtvermögen, die vermögendsten ein Prozent besitzen etwa 18 Prozent!

    „Die Vermögenskonzentration kann auch durch den Anteil am deutschen Gesamtvermögen beschrieben werden. So hatte im Jahr 2017 die untere Hälfte der Bevölkerung ab 17 Jahren einen durchschnittlichen Anteil am Nettogesamtvermögen von 1,3 Prozent. Am oberen Ende der Verteilung halten die reichsten zehn Prozent einen Anteil von 56 Prozent des Gesamtvermögens. Zieht man nur das reichste Prozent heran, so beläuft sich deren Vermögensanteil auf schätzungsweise 18 Prozent. Dies ist ungefähr so viel, wie die ärmsten 75 Prozent der Bevölkerung zusammen an Vermögen halten.
    Bei der Interpretation dieser Ergebnisse muss beachtet werden, dass eine bevölkerungsrepräsentative Stichprobe wie das SOEP den Bereich sehr hoher Vermögen tendenziell untererfasst und somit das Ausmaß der tatsächlich in Deutschland vorhandenen Vermögensungleichheit unterschätzt. Vermutlich ist es in den vergangenen zehn Jahren zu einem Anstieg der Vermögensungleichheit gekommen, da die Zahl der Vermögensmillionäre seit 2008 um 69 Prozent oder gut 550.000 Personen zugenommen hat.“ diw.de

  • Sozialausgaben 2018

    02.10.2019/EG
    Quelle: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Duisburg

    Sozialleistungsbudget betrug 2018 nahezu eine Billion Euro / Rentenversicherung war mit 313 Milliarden Euro die größte Position

    Struktur der Sozialleistungen nach Leistungsarten 2018:
    Leistungsart: Summe in Euro / Anteil am gesamten Sozialbudget in Prozent

    • Rentenversicherung: 313,1 Mrd. Euro / 30,3 %
    • Krankenversicherung: 237,4 Mrd. Euro / 22,9 %
    • Jugend- und Sozialhilfe: 86,4 Mrd. Euro / 8,4 %
    • Pensionen und Beihilfen: 80,8 Mrd. Euro / 7,8 %

    Gerhard Bäcker, Sozialwissenschaftler am Institut für Soziologie der Universität Duisburg-Essen:
    „Um die Höhe der Sozialleistungen einzuschätzen, reicht es nicht, lediglich auf die absoluten Zahlen Bezug zu nehmen. Entscheidend ist, in welchem Verhältnis die Sozialleistungen zur wirtschaftlichen Leistungskraft des Landes stehen. Als zentraler Indikator dafür gilt das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Wenn die Sozialleistungen auf das BIP bezogen werden, errechnet sich eine Sozialleistungsquote von 29,4 %. Dieser Wert weist seit nunmehr vielen Jahren nur geringfügige Schwankungen auf. Die häufig geäußerte Aussage, der Sozialstaat werde immer „teurer“, lässt sich nicht bestätigen.“ ↗sozialpolitik-aktuell.de

  • Video-Tipp: Bildung im Schlussverkauf

    30.09.2019/EG
    Quelle: Gemeinschaftssender 3sat, Mainz

    Verkommt das Klassenzimmer zum Marktplatz? / Zahl der Privatschulen und Privatschülern steigt

    „Lehrermangel, Akademikerschwemme, schleppende Digitalisierung: Bildung hat in Deutschland viele Baustellen. Dazu kommt, dass die private Wirtschaft immer mehr Einfluss auf Inhalte nimmt. Unternehmen sponsern Sportfeste, statten Schulen mit IT aus und entwickeln Unterrichtsmaterialien mit Firmenlogos.“ ↗3sat.de

    Zum Thema

    Vortrag von Tim Engartner, Sozialwissenschaftler an der Universität Frankfurt am Main zum Thema „Staat im Ausverkauf – Privatisierung in Deutschlandtele-akademie.de.

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