Medium für die zweite Meinung

  • Buchtipp: Die neuen Biedermenschen

    27.03.2020/EG

    Karl Kollmann: Die neuen Biedermenschen
    Von der 68er-Rebellion zum linksliberalen Establishment

    Sachbuch (Gesellschaft, Soziologie)

    „Der Soziologe Karl Kollmann zeichnet nach, wie es dazu kommen konnte, dass aus dem Wunsch nach Befreiung in nur zwei Generationen wiederum ein gesellschaftliches Korsett geschnürt wurde, das enge Lebensmuster vorgibt. Diese folgen nun nicht mehr rechtskonservativen, sondern linksliberalen Verhaltensregeln, die allerdings ebenso peinlich eingehalten werden (müssen) wie einst jene der Elterngeneration.
    Die kollektive Kampfkraft der 68er-Generation gegen Krieg und Militarisierung und für Gleichberechtigung ist weitgehend verpufft. An ihre Stelle ist eine Individualisierung getreten, die Gesellschaft oft als Dienstleistung für den Einzelnen/die Einzelne betrachtet. Als Treibmittel für diesen Übergang zum neuen Biedermenschen ortet der Autor Konsumismus und Kommerzialisierung so gut wie aller Lebensbereiche. Diese Kapitalkraft sei von den 68ern schlicht übersehen oder zumindest unterschätzt worden.
    Dem neuen linksliberalen Establishment ist es gelungen, kulturelle Hegemonie und mediale Meinungsführerschaft zu erlangen. Gepaart mit entsprechendem Arbeitsethos lässt es sich in den oft engen städtischen Zirkeln als Mittelschicht gut leben.
    Die soziale Frage spielt folgerichtig eine untergeordnete Rolle. Stattdessen wird das Hohelied auf Diversität und Multikulturalität gesungen, wobei man die eigenen Kinder doch lieber in den privaten Kindergarten und die bessere Schule fernab von den sozialen Brennpunkten der Ausländerviertel schickt, die so nicht genannt werden. Die verordnete sprachliche Korrektheit hilft dabei mit, die gesellschaftliche Realität zu verdecken.
    Karl Kollmann demaskiert eine sich selbst als postmateriell darstellende neue Mittelschicht, die ihr 68er-Erbe dazu verwendet, sich wohlig in städtischen Gesellschaftsblasen einzurichten.“ (mehr …)

  • Die Angstwirtschaft

    26.03.2020/EG
    Quelle: agora42, Stuttgart

    Lia Polotzek, Referentin für Wirtschaft, Finanzen und Handel beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), über den Markt für Ängste

    „Branchen, die sich die Angst der Menschen zunutze machen, wachsen in den letzten Jahren überproportional. Das trifft auf die Grenzschutztechnik ebenso zu wie auf die private Sicherheitsbranche. Auch das Geschäft mit der Angst vor Krankheit boomt. Egal ob Zuwanderer, Einbrecher oder Krankheiten: Das Wachstum der Angstwirtschaft ist Ausdruck einer gestiegenen Angst vor Eindringlingen – ins eigene Land, ins eigene Haus und in den eigenen Körper.“ agora42.de

  • Ein Blick in das südliche Afrika

    26.03.2020/EG
    Quelle: Afrika Süd, Bonn

    Vongai V. Chikwanda, Aktivistin bei Amnestiy International, über politische Veränderungen in den Ländern des südlichen Afrikas

    „Das südliche Afrika befindet sich in einer politischen Krise, in einer Krise der postkolonialen Ära, die der Zeit vor der Unabhängigkeit gleichkommt, als das Bestreben nach Befreiung unvermeidlich war. Staatliche Repression und sinkende Handlungsspielräume für die Zivilgesellschaft bedrohen in der Region die Grundrechte der Demokratie. (…). Ironischerweise ging die wachsende Dominanz einer politischen Partei mit dem Aufstieg der politischen Elite einher, die oft weniger mit dem Wahlkreis verbunden ist und durch eine primitive Akkumulation von Reichtum gedeiht. Wenn sie an den Rand gedrängt wird (indem ihr korruptes Verhalten oder ihre Straflosigkeit aufgedeckt werden), wendet sie sich dem Autoritarismus und Populismus zu.“ afrika-sued.org

  • Rassismus und Intoleranz: Deutschland hat Nachholbedarf

    24.03.2020/EG
    Quelle: Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI), Strasbourg

    ECRI-Bericht über Deutschland weist Handlungsempfehlungen auf

    „Die Behörden sollten das Melden von Hassrede auf sozialen Netzwerken standardisieren und sicherstellen, dass Beweise für solche Hassreden systematisch an die Polizei weitergeleitet werden. Die Polizei sollte zusammen mit der Zivilgesellschaft Indizien für das Vorliegen von Hassdelikten auswerten, Studien zur Ermittlung von Hassdelikten initiieren und Berichte zur Hasskriminalität veröffentlichen.“ ↗coe.int

  • Corona-Pandemie: Merkmale von verstorbenen Patienten in Italien

    23.03.2020/EG
    Quelle: Istituto Superiore di Sanità (ISS), Rom

    Bericht über die Merkmale von COVID-19 positiv verstorbenen Patienten in Italien (Stand: 20. März 2020)

    Am 20. März 2020 gab das Höhere Institut für Gesundheit (ISS) die häufigsten chronischen Vorerkrankungen von 481 verstorbenen Patienten bekannt. Daraus geht hervor, dass das mediane Alter der verstorbenen COVID-19-Patienten 78,5 Jahre beträgt, 73,8 Prozent waren an Bluthochdruck, 33,9 Prozent an Diabetes mellitus, 30,1 Prozent an einer ischämischen Herzkrankheit, 22,0 Prozent an Vorhofflimmern, 20,2 an Nierenversagen, 19,5 Prozent an einer Krebserkrankung und 13,7 Prozent an COPD (chronische Lungenerkrankung). Nahezu jeder zweite verstorbene Patient hatte drei und mehr Vorerkrankungen.
    Den Bericht lesen Sie hier iss.it.

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