Die Konstruktion einer „bürgerlichen Mitte“

22.11.2018/EG
Quelle: Blog MEDIENREALITÄT, LMU München

Jonas Seufert, Masterarbeit Journalismus an der LMU München, über die von sieben Printmedien konstruierte Mitte der Gesellschaft am Beispiel der Debatte um die PEGIDA-Bewegung

„Im Bild der „bürgerlichen Mitte“ manifestiert sich zudem ein statisches und elitäres Demokratieverständnis, das auf Repräsentation beruht. Eliten bestimmen den Diskurs, „kleine Leute“ gelten als verführbare Wesen, deren Wille etwa von Politiker*innen, Wissenschaftler*innen oder auch Journalist*innen gedeutet werden muss. Die „bürgerliche Mitte“ ist demokratisch. Sie ist vernünftig, ausgleichend, dialogorientiert und achtet demokratische Institutionen. Sie ist aber auch weiß, exklusiv und elitär. Die Journalist*innen der untersuchten Medien können in ihrem Gesamtbild als „Prototypen“ dieser „bürgerlichen Mitte“ gesehen werden.“ f-origin.hypotheses.org

Medien sammeln immer mehr (persönliche) Daten

26.10.2018/EG aus der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) GmbH, Frankfurt am Main

German Enterntainment and Media Outlook 2018-2022: Medien- und Unterhaltungsbranche generierte 2017 rund 60 Mrd. Euro Umsatz / Verlierer: Tageszeitungen und Zeitschriften / Gewinner: digitale Medien / Erfolgskriterium: Umgang mit Daten

„Die künstliche Intelligenz (KI) verspricht immer dann gute Einsatzmöglichkeiten, wenn es darum geht, riesige Datenmengen zu durchforsten. Dieses sogenannte Crawling setzt die Medienbranche bereits heute auf vielfältige Art und Weise ein. So lassen Zeitungen mithilfe automatisierter Verfahren neue Informationen im Internet aufspüren. Die extrahierten Schlagwörter können den Journalisten dann als Arbeitsgrundlage dienen. Einige Programme sind sogar in der Lage, daraus eigenständig zusammenhängende Texte zu generieren. Sobald ein Texter sie geprüft hat, werden die Artikel auf den Onlineportalen der Zeitungen veröffentlicht. Doch geprüft wird nicht immer; zum Teil erscheinen Artikel ohne menschliches Zutun.
(…)
Die Medienhäuser setzen zudem häufig auf KI, um die Präferenzen ihrer Leser zu erkennen. Dabei zeichnen sie auf, welche Artikel die Kunden auswählen, wie lange sie auf einer Seite verweilen oder welche Links sie anklicken. So erhalten die Unternehmen Einblicke in die Interessen ihrer Nutzer. Medienunternehmen insbesondere Contentproduzenten können dann deren Vorlieben exakt nachzeichnen. Dieses Wissen bildet die Grundlage für die Personalisierung von Inhalten wie etwa Werbung“ pwc.de (Seite 9)

‘Kriege‘ im Sprachgebrauch

24.10.2018/EG aus dem VÖLKERRECHTSBLOG, Zürich

Sanija Ameti, Rechtswissenschaftlerin, über Ungenauigkeiten im allgemeinen Sprachgebrauch am Beispiel ‘Cyberkrieg‘

„Von einem Krieg kann aus rechtlicher Sicht frühestens die Rede sein, wenn das zwischenstaatliche Gewaltverbot gemäß Art. 2 Abs. 4 Charta der Vereinten Nationen (UN-Charta) verletzt wird. (…) Ein Spionageakt mit oder ohne Cyberoperationen reicht nicht einmal aus, um in die Nähe des Gewaltverbots zu kommen – genauso wenig Wahlmanipulation, Sabotage oder Datenklau. (…) Die Staatengemeinschaft betrachtete im Zeitpunkt der Gründung der Vereinten Nationen die Spionage als keine Verletzung des zwischenstaatlichen Interventionsverbots, weil sie sozusagen als zulässiges Mittel zur geheimdienstlichen Informationsbeschaffung dienen sollte. (…) Der Begriff des Cyberkriegs darf nicht als dramatisierender Stimmungsmacher missbraucht werden. Schließlich steht der ‘Cyberkrieg‘ im umgangssprachlichen Gebrauch nicht auf derselben Stufe wie der ‘Handelskrieg‘ oder ‘Scheidungskrieg‘.“ voelkerrechtsblog.org

TV-Tipp: „Jede Regierung lügt“

09.10.2018/EG aus dem Kultursender ARTE, Strasbourg

Heute Abend, ab 21:10 Uhr, sendet ARTE eine Dokumentation über Betrügereien und Lügen von Regierungen

„Die Stimmen von Regisseur Michael Moore, Noam Chomsky aber auch Carl Bernstein, der zusammen mit Bob Woodward die Hintergründe der Watergate-Affäre um Präsident Nixon aufdeckte, kritisieren die Sensationslust der Massenmedien. Fernsehsender wie ABC und NBC oder die ehrwürdige New York Times als eine Form der Regierungspropaganda? Eine überzeugende Dokumentation, die aufzeigt, wie wichtig es für jeden Einzelnen ist, sich unabhängig zu informieren und sich kritisch mit diesen Informationen auseinanderzusetzen.“ youtube.de

Buchtipp: Warum schweigen die Lämmer?

05.10.2018/EG

Rainer Mausfeld: Warum schweigen die Lämmer?
Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören

Sachbuch (Demokratie, Gesellschaft, Kapital, Medien, Politik)

In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Demokratie in einer beispiellosen Weise ausgehöhlt. Demokratie wurde durch die Illusion von Demokratie ersetzt, die freie öffentliche Debatte durch ein Meinungs- und Empörungsmanagement, das Leitideal des mündigen Bürgers durch das des politisch apathischen Konsumenten. Wahlen spielen mittlerweile für grundlegende politische Fragen praktisch keine Rolle mehr. Die wichtigen politischen Fragen werden von politisch-ökonomischen Gruppierungen entschieden, die weder demokratisch legitimiert noch demokratisch rechenschaftspflichtig sind. Die destruktiven ökologischen, sozialen und psychischen Folgen dieser Form der Elitenherrschaft bedrohen immer mehr unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen. Rainer Mausfeld deckt die Systematik dieser Indoktrination auf, zeigt dabei auch ihre historischen Konstanten und macht uns sensibel für die vielfältigen psychologischen Beeinflussungsmethoden. Weiterlesen