Schlagwort: Kapitalismus

  • Buchtipp: Wir Untertanen

    26.04.2019/EG

    Nikolaus Piper: Wir Untertanen
    Wie wir unsere Freiheit aufgeben, ohne es zu merken

    Sachbuch (Gesellschaft, Globalisierung, Kapitalismus, Politik, Ungleichheit, Wirtschaft)

    Emanzipation oder neues Untertanentum? – so lautet die politische Kernfrage der Gegenwart. Wie soll es weitergehen mit der EU, dem Nationalstaat, der Globalisierung – mit uns? Sind Trump, Brexit und Unternehmen wie Apple Ausdruck einer neuen Art von Freiheit? Oder hat die Freiheit, als neo-liberales Politprojekt, alle Formen von Gemeinschaft so zugrunde gerichtet, dass wir in Wahrheit längst anders unfrei sind – Opfer unserer Daten und ökonomischen Abhängigkeit? (mehr …)

  • Gesundheit: Kapital sucht Rendite im organisch wachsenden Markt „Pflege und ambulante Versorgung“

    25.04.2019/EG
    Quelle: Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), Frankfurt am Main

    PwC: Finanzinvestoren suchen vor allem nach Investments im Bereich der Pflege und der ambulanten Versorgung

    „Der Markt für Fusionen und Übernahmen im Gesundheitssektor entwickelt sich dynamisch: Das Jahr 2018 war durch zahlreiche Transaktionen im deutschen Gesundheitswesen geprägt. Insbesondere ist die Zahl der Transaktionen mit Beteiligung von Private-Equity-Firmen deutlich gestiegen. Diese Käufergruppe sucht gezielt nach Investments im Bereich der Pflege und der ambulanten Versorgung.“

    Informationen zu Transaktionen im deutschen Gesundheitswesen lesen Sie hier pwc.de.

    Zum Thema

    Stefan Sell, Sozialwissenschaftler an der Hochschule Koblenz, zum politischen Willen, der das Renditestreben mit der Pflege alter Menschen ermöglicht (Kosten sozialisieren, Gewinne privatisieren):

    „Es geht um die Frage, ob man es zulässt, wie das derzeit der Fall ist, dass man mit der Pflege alter Menschen Renditen erwirtschaften kann, die nicht der Pflege wieder zugutekommen (das wäre dann auch für eine Zweckbindung der Überschüsse im gemeinnützigen Bereich relevant), sondern die an Investoren ausgeschüttet werden. Wenn man das zulässt, dann darf man sich nicht wundern, wenn sich die Investorenperspektive verselbständigt und alles unternommen werden muss, um die Kosten zu drücken und die Gewinne zu maximieren. Das ist nun mal das Bewegungsgesetz privater, gewinnorientierter Investoren. Und bei Kostenanteilen von 70 Prozent und mehr für den Personalbereich ist es zwangsläufig klar, wo die Kosten gedrückt werden – vor allem und so lange, wie die Politik nicht in der Lage ist, durch eindeutige und bei Missachtung streng zu sanktionierende Personalvorgaben eine „Produktivitätssteigerung“ durch Personalverkürzung zu verhindern.“ aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de

  • Wohnen: Ein politisch generiertes Recht für Gutsituierte?

    18.04.2019/EG

    Wohneigentum 2018*: 31 % der Privathaushalte besaßen ein Einfamilienhaus, 14 % eine Eigentumswohnung, 5 % ein Zweifamilienhaus, 4 % unbebaute Grundstücke, 4 % sonstige Gebäude und 2 % Wohngebäude mit drei und mehr Wohnungen

    Claus Michelsen, Forscher im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin:
    „Eine aktuelle Untersuchung auf Grundlage der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe zeigt, dass die Wohnkostenbelastung bei der unteren Hälfte der Einkommensbeziehenden seit Beginn der 1990er Jahre erheblich gestiegen ist. Bei den einkommensschwächsten 20 % betragen die Wohnkosten im Durchschnitt fast zwei Fünftel der Einkommen – Tendenz steigend. Und auch bei den unteren 40 % ist die Belastung erheblich, auf nun gut ein Viertel des verfügbaren Einkommens gestiegen. All dies drückt auf die Kaufkraft, die Konsummöglichkeiten und die Ersparnisbildung – unterm Strich verstärkt auch auf das Gerechtigkeitsempfinden. Denn die oberen 20 % profitieren erheblich vom niedrigen Zinsniveau bei der Finanzierung von Immobilieninvestitionen, was die Wohnkostenbelastung der oberen Bevölkerungsschicht reduziert hat.“ ↗oekonomenstimme.org

    Studie zur (Preis-)Entwicklung von Wohneigentum in Deutschland ↗sparda-wohnen2019.de

    Privatisierung der Sozialwohnungen: Ein aufklärender Beitrag von Christine Prayon, Max Uthoff und Claus von Wagner in der ZDF-Sendung ‘Die Anstalt‘ vom 23.10.2018. ↗zdf.de

    Kursentwicklung der Deutschen Wohnen SE in den vergangenen 10 Jahren: + 434 %
    Portfolio: rund 163.000 Wohneinheiten
    Anteilseigner: 56 % Streubesitz / 10,2 % BlackRock / 9,94 % Massachusetts Financial Services Company / 6,93 % Norges Bank onvista.de

    Kursentwicklung der Vonovia SE in den vergangenen 5 Jahren: + 134 %
    Portfolio: rund 480.000 Wohneinheiten
    Anteilseigner: 54 % Streubesitz / 8,22 % BlackRock / 7,63 % Norges Bank / 6,93 % Barclays Capital Securities Ltd onvista.de

    Kursentwicklung der LEG Immobilien AG in den vergangenen 5 Jahren: + 123 %
    Portfolio: rund 134.000 Wohneinheiten
    Anteilseigner: 54,6 % Streubesitz / 9,77 % BlackRock / 9,3 % MFS onvista.de

    Kursentwicklung der TAG Immobilien AG in den vergangenen 10 Jahren: + 1.076 %
    Portfolio: rund 83.000 Wohneinheiten
    Anteilseigner: 49,9 % Streubesitz / 13,8 % Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder / 11,4 % Massachusetts Financial Services Company (MFS) / 9,9 % The Capital Group Companies Inc. / 5,6 % BlackRock / 4,9 % Bayerninvest Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH / 2,98 % Flossbach von Storch SICAV onvista.de

    Studie zu Immobilienvermögen und Ungleichheit bundesbank.de

    *Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden destatis.de

  • Leistungsbilanzüberschüsse sind gepflegte Ungleichgewichte

    16.04.2019/EG
    Quelle: Blog Ökonomenstimme, Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich

    Rolf Klein, Ministerialrat a.D., über die von Regierungs- und Wirtschaftsvertretern protegierten Leistungsbilanzüberschüsse

    „Wenn Deutschland nicht nur Forderungen in seinen Büchern haben will, müssen sich die Leistungsbilanzen irgendwann umkehren. Gestützt auf seine Guthaben müsste Deutschland mehr importieren, als es exportiert. (…). Sieht man sich an, aus wieviel geringeren Anlässen im Laufe der Zeit ein Niedergang der deutschen Wirtschaft immer mal wieder an die Wand gemalt worden ist, würde Deutschlands Übergang in ein langfristiges Leistungsbilanzdefizit zu einem ökonomisch politischen Erdbeben führen. Politik und Wirtschaft werden dies verhindern wollen. Es steht deshalb zu befürchten: Eine stattliche Zahl von Menschen arbeitet nicht für künftige reale Gegenleistungen, sondern für Buch-Positionen, von denen sich nicht absehen lässt, ob und wann sie sich je in Gegenleistungen verwandeln werden. Die Arbeitskraft jener mit dem Überschuss beschäftigten Exportarbeiter fehlt uns vor Ort. Es wäre sicherlich angenehmer, den Euroraum mit vermehrten Importen und behutsam verteuerten Exporten zu stabilisieren als mit wachsenden Transferzahlungen.“ ↗oekonomenstimme.org

    Zum Thema

    Norbert Walter-Borjans, 2010 bis 2017 Finanzminister in Nordrhein-Westfalen: „Welcher Politiker lässt sich nicht gern Wirtschaftskompetenz bescheinigen? Dieses Zeugnis bekommt man am einfachsten dann ausgestellt, wenn man die Wünsche der Wirtschaftslobby erfüllt.“ heise.de (Telepolis)

    Handelsbilanz der EU28, Januar 2019 ec.europa.eu

  • Geldvermögen privater Haushalte bei über 6 Billionen Euro

    16.04.2019/EG
    Quelle: Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main

    Geldvermögen der privaten Haushalte* in Deutschland lag zum Ende des vierten Quartals 2018 bei 6.016 Milliarden Euro (+ 2,3 % gegenüber IV/2017)

    „Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland lag zum Ende des vierten Quartals 2018 bei 6 016 Mrd €, womit es gegenüber dem dritten Quartal um gut 28 Mrd € gesunken ist. Dies ist der erste Vermögensrückgang seit drei Jahren. Grund hierfür waren deutliche Bewertungsverluste im Umfang von rund 88 Mrd €, die den auf Transaktionen basierenden Geldvermögensaufbau in Höhe von knapp 60 Mrd € überstiegen. Die privaten Haushalte bauten vor allem Bargeld und Einlagen sowie Ansprüche gegenüber Versicherungen auf. Damit hielt die Präferenz der privaten Haushalte für liquide und/oder als risikoarm empfundene Anlagen an.“ bundesbank.de

    *Private Haushalte sind Einzelpersonen oder mehrere Personen umfassende Lebensgemeinschaften, die als selbstständige Wirtschaftseinheiten in erster Linie als Anbieter von Arbeitskraft und als Konsumenten in Erscheinung treten. Zum Sektor der privaten Haushalte zählen auch die privaten Organisationen ohne Erwerbscharakter (Gewerkschaften, Kirchen, Parteien, Verbände, Vereine und Ähnliche).