Schlagwort: Arbeitswelt

  • Arbeit: Vom Kostenfaktor zum Produkt

    25.06.2019/EG
    Quelle: Blog Ökonomenstimme der Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

    Werner Vontobel, Autor und Wirtschaftsjournalist, über die prekäre Arbeitswelt in Deutschland

    „In Deutschland sind die Produktivität und die realen Stundenlöhne von 1950 bis 1980 im Gleichschritt etwa um den Faktor 4.5 bzw. um jährlich 5% gestiegen. Gleichzeitig purzelten die Arbeitszeiten förmlich nach unten. Statt anfänglich zwei, gab’s 1980 schon 6 Wochen Ferien, Mitte der 1960er Jahre wurden in der Druck- und in der Metallindustrie schon die 40-Stundenwochen eingeführt.“ ↗oekonomenstimme.org

  • Jeder Fünfte in atypischer Beschäftigung

    24.06.2019/EG
    Quelle: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf

    WSI-Forscher Helge Baumann und Eric Seils untersuchten die Erosion normaler Arbeitsverhältnisse

    „Die atypische Beschäftigung hat in den vergangenen Jahrzehnten stark an Bedeutung zugenommen. Seit einigen Jahren stagniert der Anteil der atypischen Beschäftigung an den Kernerwerbstätigen jedoch auf einem hohen Niveau. Was kann getan werden? Generell hat sich in den letzten Jahren ein Trend entwickelt, wonach Frauen seltener geringfügigen Beschäftigungen und Teilzeitbeschäftigungen mit 20 oder weniger Wochenstunden nachgehen. Teilzeitbeschäftigungen über 20 Stunden werden von den Frauen hingegen in zunehmenden Maße ausgeübt. Angesichts der in Zukunft zu erwartenden Verknappung des Arbeitsangebotes liegt es nahe, den Trend zu längeren Arbeitszeiten teilzeitbeschäftigter Frauen durch politische Maßnahmen zu flankieren. Ein weiterer Ausbau der Kinderbetreuung wäre dazu sicherlich geeignet.“ boeckler.de

    Atypische Beschäftigte sind abhängig Beschäftigte, deren Haupttätigkeit mindestens eine der folgenden Eigenschaften aufweist:

    • Teilzeitbeschäftigung bzw. geringfügige Beschäftigung mit 20 oder weniger Stunden
    • befristete Beschäftigung
    • Beschäftigung in Leiharbeit

    Ergänzung am 25.06.2019 zum Thema

    Daten zu befristeten Beschäftigungsverhältnissen im Zeitraum 1998 bis 2018 bundestag.de

  • Einzelhandel profitiert von subventionierter Beschäftigung

    13.06.2019/EG
    Quelle: Deutscher Bundestag, Berlin

    Einzelhandelsbranche beschäftigte 2018 rund 3 Millionen Menschen, darunter etwa 65.000 Aufstocker* / 2014 arbeiteten durchschnittlich 36,6 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel für einen Niedriglohn / 2018 waren nur noch 22 Prozent der Einzelhandelsbetriebe an Tarifverträgen gebunden

    „Der Beschäftigungsstatistik der BA nach gab es im Juni 2018 rund 3,06 Millionen Beschäftigte (sozialversicherungspflichtig und ausschließlich geringfügig Beschäftigte) im Einzelhandel, davon waren 651 000 bzw. 21,3 Prozent ausschließlich geringfügig beschäftigt (siehe Tabelle 2 im Anhang). Erwerbstätige erwerbsfähige Leistungsberechtigte sind Regelleistungsberechtigte in der Grundsicherung für Arbeitsuchende, die Arbeitslosengeld II beziehen und zugleich über zu berücksichtigendes Einkommen aus abhängiger Erwerbstätigkeit und/oder über verfügbares Einkommen aus selbständiger Tätigkeit verfügen. Die Zahlen der erwerbsfähigen Leistungsberechtigen (ELB) und der erwerbstätigen ELB werden in der Grundsicherungsstatistik aus Konsistenzgründen anhand einer Auswertung der Personen mit Wohnort in Deutschland dargestellt (Wohnortprinzip), da nichterwerbstätige ELB keinen Arbeitsort haben. Zudem werden nur die 15- bis unter 65-Jährigen in die Auswertung einbezogen. Im Juni 2018 gab es 40 000 erwerbstätige ELB, die einer ausschließlich geringfügigen Beschäftigung im Einzelhandel nachgingen. Weitere 65 000 erwerbstätige ELB waren sozialversicherungspflichtig im Einzelhandel beschäftigt. Für eine Anteilsberechnung werden die erwerbstätigen ELB auf die Beschäftigten am Wohnort im Alter von 15 bis unter 65 Jahren bezogen. Demnach betrug – bezogen auf alle Beschäftigten im Einzelhandel im Alter von 15 bis 65 Jahren mit Wohnort in Deutschland (2,92 Millionen) – der Anteil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten ELB 2,2 Prozent, der ausschließlich geringfügig beschäftigten ELB 1,4 Prozent.“ bundestag.de

    *Aufstocker erhalten zum Arbeitslohn zusätzlich Leistungen nach dem SGB II.

    Zum Thema

    Aktuelle Tarifrunde im Einzelhandel NRW

    „Die Arbeitgeber im Einzelhandel hatten für die 487.000 sozialversicherungspflichtig und 205.000 geringfügig Beschäftigten in der ersten Verhandlungsrunde lediglich eine Entgelterhöhung von 1,5 Prozent zum 01. Mai 2019 und weitere 1,0 Prozent zum 01. Mai 2020 angeboten. Eine von ver.di geforderte Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge (AVE) für die gesamte Branche sowie eine Mindestanhebung, als soziale Komponente, lehnen sie bisher ebenso kategorisch ab, wie die überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro.“ verdi.de

  • „EU-Staaten drücken seit Jahren systematisch die Löhne“

    22.05.2019/EG
    Quelle: Werner Vontobel, Wirtschaftswissenschaftler und Publizist, Adliswil (Schweiz)

    Werner Vontobel: Wie soll die Schweiz damit umgehen, dass sie von Ländern umzingelt ist, die Lohndumping zum Geschäftsmodell gemacht haben?

    „Bundesrätin Karin Keller-Sutter hat es bei ihrer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Kollege Alain Berset zurückhaltend formuliert: „Die Schweiz zeichnet sich gegenüber den Nachbarn dadurch aus, dass wir keine gespaltene Gesellschaft sind.“ Diese Spaltung zeigt sich etwa darin, dass in Italien die Löhne der unter 30jährigen seit 20 Jahren um 33% gesunken sind. In Österreich verdienen die Arbeiter/innen heute real 13% weniger als 1998 obwohl das BIP pro Kopf um 25% gestiegen ist. Fast 20% aller Deutschen sind von Armut bedroht. In Frankreich trägt der abgehängte Mittelstand gelbe Westen.“ ↗werner-vontobel.ch

  • Prekäre Arbeitswelt: Digitale Wanderarbeiter trainieren Algorithmen

    16.05.2019/EG
    Quelle: Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf

    Florian Alexander Schmidt, Kommunikationswissenschaftler der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden, erforschte die Arbeitswelt digitaler Wanderarbeiter am Beispiel Online-Arbeit beim Trainieren autonomer Fahrzeuge

    „Seit 2017 gibt es einen starken Anstieg in der Nachfrage nach hochpräzisen Trainingsdaten für die KI-Modelle der Automobilindustrie. Ohne große Mengen dieser Daten ist das ehrgeizige Ziel des autonomen Fahrens nicht zu erreichen. Damit aus selbstlernenden Algorithmen selbstlenkende Fahrzeuge werden können, braucht es allerdings zunächst viel Handarbeit, die von Crowds auf der ganzen Welt geleistet wird. Sie bringen den lernenden Maschinen das Hören, das Sehen und das umsichtige Fahren bei.
    (…)
    Ein wesentlicher Faktor für die schlechte Bezahlung, die bei ein bis zwei Euro die Stunde für qualifizierte Vollzeitarbeitskräfte liegt, ist der Umstand, dass es sich um einen extrem volatilen globalen Arbeitsmarkt handelt, bei dem der Wert der Arbeit permanent aus zwei Richtungen bedroht ist: durch das ständige Wettrennen mit der Automatisierung und dadurch, dass die Arbeit dynamisch zu jenen Menschen auf der Welt fließt, welche die niedrigsten Löhne zu akzeptieren bereit sind – sei es, weil es sich um Hobbyisten handelt oder weil ihre wirtschaftliche Not besonders groß ist.
    Zum Zeitpunkt der Recherche kam Venezuela hier eine Schlüsselrolle zu – einem Land mit gut ausgebildeter und gut vernetzter, jedoch von Hyper-inflation völlig ausgezehrter Bevölkerung. Für viele Menschen aus Venezuela ist Crowdarbeit zur Devisen bringenden Lebensader geworden. Sie selbst sind heute Teil eines Heers von digitalen Wanderarbeiterinnen, die wie Erntehelfer zwischen den neuen Plattformen hin und her ziehen.“ ↗boeckler.de