Schlagwort: Arbeitswelt

  • Begründet ökonomische Dominanz das Recht auf alles?

    01.09.2019/EG
    Quelle: Völkerrechtsblog, Heidelberg

    Timeela Manandhar, Doktorandin an der Juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, und Pierre Thielbörger, Rechtswissenschaftler an der Juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, über den Vertrag zum Thema Unternehmen und Menschenrechte:

    „Hinter dem sachlichen Anwendungsbereich steht die Frage, wer in der komplexen Struktur transnationaler Unternehmen und weltweiter Lieferketten für Menschenrechtsverletzungen zur Verantwortung gezogen werden soll. (…).
    Eine Abgrenzung zwischen nationalen und transnationalen Unternehmen ist oft schlicht unmöglich – der Fokus unternehmerischer Tätigkeit kann sich schnell ändern, so dass sie heute noch national und morgen schon transnational wäre.
    Abschließend bleibt zu sagen, dass der erweiterte Anwendungsbereich keinen Raum für ein weiteres Versteckspiel der EU erlaubt. Wenn die Union ihren eigenen Werten treu bleibt, insbesondere der Selbstverpflichtung zum Schutz der Menschenrechte, muss sie jetzt ein formelles Mandat erteilen und die Vertragsverhandlungen angehen – wie es das Europäische Parlament übrigens seit langem fordert. Wenn die EU sich nun immer noch weigert, dies zu tun, verlieren die bisherigen Argumente an Glaubwürdigkeit.“ ↗voelkerrechtsblog.org

    Zum Thema

    Arbeitseinkommen und Verteilung: „Die globale Einkommensverteilung ist einseitig: Ein Arbeiter in den oberen 10% verdient 7.445 US-Dollar (KKP) pro Monat, ein Arbeiter in den unteren 10% verdient nur 22 US-Dollar.“ ilo.org

    „Weltweit kämpfen Gemeinschaften darum, ihr Land, ihre Luft, ihr Wasser, ihre Wälder und ihre Lebensgrundlagen vor schädlichen Projekten und Fördertätigkeiten mit schweren ökologischen und sozialen Auswirkungen zu schützen: Bergbau, Dämme, Baumplantagen, Fracking, Gasfackeln, Verbrennungsanlagen usw. Da die Ressourcen, die unsere Wirtschaft benötigt, von der Gewinnung, Verarbeitung und Entsorgung durch die Rohstoffkette wandern, werden die Umweltauswirkungen in jeder Phase auf die am stärksten marginalisierten Bevölkerungsgruppen ausgelagert. Häufig geschieht dies alles weit weg von den Augen der betroffenen Bürger oder Verbraucher der Endprodukte.“ ejatlas.org

  • 2018 benötigten 1,1 Mio. Erwerbstätige die Grundsicherung

    29.08.2019/EG
    Quelle: Deutscher Bundestag, Berlin

    Sinkende Zahl der „Aufstocker“ insgesamt seit 2010 / Steigende Zahl der ausländischen Erwerbstätigen mit Grundsicherungsbedarf von 234 Tsd. im Jahresdurchschnitt 2007 auf 382 Tsd. im Jahresdurchschnitt 2018

    „Im Jahresdurchschnitt 2018 gab es nach Angaben der Statistik der BA 1,1 Millionen erwerbstätige erwerbsfähige Leistungsberechtigte; das sind erwerbsfähige Regelleistungsberechtigte in der Grundsicherung für Arbeitsuchende, die Arbeitslosengeld II beziehen und zugleich über zu berücksichtigendes Einkommen aus abhängiger Erwerbstätigkeit (Bruttoeinkommen) und/oder über verfügbares Einkommen aus selbständiger Tätigkeit (Betriebsgewinn) verfügen.“ bundestag.de

  • Amazon Niederlassung sorgt für sinkendes Lohnniveau

    30.07.2019/EG
    Quelle: Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ), Bremen

    Amazon Logistikzentrum Frankenthal drückt das durchschnittliche Lohnniveau der kreisfreien Stadt Frankenthal (Pfalz) um 6,5 Prozent

    Das „mittlere sozialversicherungspflichtige Bruttomonatsentgelt der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigtender Kerngruppe“ lag Ende 2017 im pfälzischen Frankenthal bei 3.487 Euro. Nach dem „operativen Start“ des Amazon-Logistikzentrums, am 06. August 2018, sank das „mittlere sozialversicherungspflichtige Bruttomonatsentgelt der sozialversicherungspflichtig Vollzeit-beschäftigten der Kerngruppe“ um 225 Euro auf 3.262 Euro. biaj.de

  • Wenn sich die Arbeit zum Gesundheitsrisiko entwickelt

    26.07.2019/EG
    Quelle: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf

    Befunde der WSI-Betriebsrätebefragung 2018: WSI-Forscher Elke Ahlers und Serife Erol untersuchten die Auswirkungen gesteigerter Arbeitsvolumina und Arbeitsanforderungen

    In der Arbeitsverdichtung sieht die Autorin Elke Ahlers einen „häufigen und bedeutenden Belastungsfaktor“. Eine wichtige Ursache für Arbeitsverdichtung scheinen zu knapp kalkulierte Belegschaften zu sein: Bei deutlich mehr als der Hälfte der Betriebe gibt es Personalengpässe zumindest in einzelnen Bereichen, bei fast einem Drittel sogar in den meisten oder allen Bereichen. Nur 13 Prozent weisen keine Defizite auf. Dass unzureichendes Personal für die zunehmende Arbeitsverdichtung verantwortlich ist, trifft laut zwei Dritteln der Interviewten voll und ganz oder eher zu. boeckler.de

    Zum Thema

    Fast zwei Drittel der arbeitenden Bevölkerung fühlen sich im Job gestresst. Eine der Hauptursachen ist Zeitdruck. Dauerstress macht krank ↗dgb.de

    DAK-Psychoreport 2019: Seit 1997 hat sich die Anzahl der Fehltage, die von Depressionen oder Anpassungsstörungen verursacht werden, mehr als verdreifacht. dak.de

  • Buchtipp: Alles könnte anders sein

    26.07.2019/EG

    Harald Welzer: Alles könnte anders sein
    Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen

    Sachbuch (Arbeitswelt, Gesellschaft, Kapitalismus, Ungleichheit)

    Heute glaubt niemand mehr, dass es unseren Kindern mal besser gehen wird. Muss das so sein? Muss es nicht! Der Soziologe und erprobte Zukunftsarchitekt Harald Welzer entwirft uns eine gute, eine mögliche Zukunft. Anstatt nur zu kritisieren oder zu lamentieren, macht er sich Gedanken, wie eine gute Zukunft aussehen könnte: In realistischen Szenarien skizziert er konkrete Zukunftsbilder u.a. in den Bereichen Arbeit, Mobilität, Digitalisierung, Leben in der Stadt, Wirtschaften, Umgang mit Migration usw.
    Erfrischend und Mut machend zeigt Welzer: Die vielbeschworene »Alternativlosigkeit« ist in Wahrheit nur Phantasielosigkeit. Wir haben auch schon viel erreicht, auf das man aufbauen kann. Es ist nur vergessen worden beziehungsweise von andere Prioritäten verdrängt. Es kann tatsächlich alles anders sein. Man braucht nur eine Vorstellung davon, wie es sein sollte. Und man muss es machen. Die Belohnung: eine lebenswerte Zukunft, auf die wir uns freuen können. (mehr …)