Schlagwort: Gesellschaft

  • Buchtipp: Ja! Anarchismus

    06.07.2018/EG

    Bernd Drücke (Hg.): Ja! Anarchismus
    Gelebte Utopie im 21. Jahrhundert. Interviews und Gespräche

    Sachbuch (Demokratie, Gesellschaft, Politik)

    Anarchismus ist nichts Vergangenes. Auch heute versuchen Anarchistinnen und Anarchisten vieler Länder ihre Utopie von einem Leben ohne Chefs und Staat zu verwirklichen. Was bedeutet für sie Anarchie? Wovon träumen sie? Welche Perspektiven sehen sie? Das sind Fragen, auf die sich in diesem Buch einige Antworten finden lassen.

    Portraitiert werden die Anarchafeministinnen Marianne Enckell, Marie-Christine Mikhailo, Ilse Schwipper und Monika Grosche, der Filmemacher Peter Lilienthal, der Ex-Cochise-Sänger Pit Budde, Klaus der Geiger, das Poetenduo Ralf Burnicki und Michael Halfbrodt, das Kabarettensemble Der Blarze Schwock, Hanna Mittelstädt und Lutz Schulenburg von der Edition Nautilus, Karin und Bernd Kramer vom Karin Kramer Verlag, Wolfgang Haug vom Schwarzen Faden, Helga Weber und Wolfgang Zucht vom Verlag Weber & Zucht, Wolfgang Hertle vom Archiv Aktiv, der türkische Kriegsdienstverweigerer Osman Murat Ülke, der Schriftsteller Horst Stowasser und der Kommunarde Uwe Kurzbein. Das, was sie umtreibt, kann Inspiration sein für alle, die sich für die Idee der Anarchie begeistern.

    Zudem hat die Neuauflage dieses ursprünglich 2006 erschienenen Buches eine besondere zeitgeschichtliche Qualität, da einige der Interviewpartner*innen mittlerweile verstorben sind.

    Herausgeber

    Dr. phil. Bernd Drücke, Soziologe, Autor, freier Journalist und seit 1998 Koordinationsredakteur der Monatszeitung Graswurzelrevolution. Anti-AKW-bewegt seit den frühen 80er Jahren; Mitherausgeber des Atomkraft-Nein!-Kalenders und Initiator des Web-Archivs ›Münsters Geschichte von unten‹.

    UNRAST Verlag, EAN: 978-3-89771-256-0, Broschur, etwa 280 Seiten, etwa 16 Euro (geplante Erscheinung August 2018)

  • Befristete Arbeitsverhältnisse erreichen neuen Höchststand

    05.07.2018/EG aus dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Nürnberg

    Arbeitswelt 2017: 3,15 Mio. Beschäftigte arbeiteten auf Basis befristeter Arbeitsverträge – Kündigungen durch Arbeitnehmer erreichen ebenfalls neuen Höchststand

    Befristungen haben im Jahr 2017 mit über 3,15 Millionen oder 8,3 Prozent der Beschäftigten einen neuen Höchststand erreicht. Davon waren fast 1,6 Millionen Verträge, also etwa die Hälfte, ohne sachlichen Grund befristet.
    Den IAB-Kurzbericht lesen Sie hier iab.de.

    Christian Hohendanner, wissenschaftlicher Mitarbeiter im IAB: „Betriebe, die besser bezahlen und seltener befristen, können ihre offenen Stellen anscheinend leichter besetzen.“ iab.de.

    Die IAB ist eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit.

    Zum Thema

    Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD): „Trotz der positiven Beschäftigungsentwicklung sind die Löhne in Deutschland in den letzten Jahren nur sehr moderat gewachsen. (…) Das derzeit schwache Lohnwachstum spiegelt einen längerfristigen Trend in Deutschland wider, demzufolge der kontinuierliche Rückgang der Arbeitslosigkeit in den letzten zehn Jahren nicht zu einem entsprechenden Anstieg der Löhne geführt hat. Ein dynamischer Niedriglohnsektor und niedrigere relative Einkommen für Teilzeitkräfte haben hierzu beigetragen. Die Einführung des Mindestlohns hingegen kam Beschäftigten mit niedrigen Löhnen zu Gute.“ ↗oecd.org

  • Armut belastet mehrfach

    04.07.2018/EG aus dem Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH), Köln

    NZFH-Datenreport 2017: Familien in Armut sind stärker von psychosozialer Mehrfachbelastung betroffen

    „Der Bericht enthält Daten, Analysen und Ausblicke zur Entwicklung der Frühen Hilfen in Deutschland und stellt Ergebnisse unterschiedlicher wissenschaftlicher Studien vor, unter anderem Daten der Studie „Kinder in Deutschland – KiD 0-3“ des NZFH. Demnach sind Eltern mit Sozialleistungsbezug deutlich belasteter als Eltern, die nicht auf Transferleistungen angewiesen sind. So geben 28,4 Prozent der Befragten mit Sozialleistungsbezug vier und mehr Belastungsmerkmale an wie „jemals Gewalt in einer Partnerschaft“ oder „Anzeichen einer Depression“. Bei Eltern ohne staatliche Förderung sagten dies nur 3,7 Prozent.

    Zugleich beleuchtet der Bericht die Faktoren, die es Kommunen erschweren, mehr Gesundheitsfachkräfte in den Frühen Hilfen einzusetzen: So nennt über die Hälfte der Kommunen Fachkräftemangel und zu knapp bemessene finanzielle Ressourcen als Begründung für eine Unterversorgung. Beispielsweise wird nur knapp jede fünfte Familie, die in Armut lebt und angesichts der Mehrfachbelastung in der Fürsorge für ihren Säugling beeinträchtigt ist, von einer Familienhebamme oder einer vergleichbaren Gesundheitsfachkraft betreut. Vor dem Hintergrund eines erneuten Geburtenanstiegs von sieben Prozent im Jahr 2016 muss mit einer wachsenden Versorgungslücke gerechnet werden.“

    Den NZFH-Datenreport 2017 lesen Sie hier ↗bzga.de

    Zum Thema

    Eric Seils, Sozialwissenschaftler, über reale Lebensbedingungen bei relativer Einkommensarmut boeckler.de.

  • Pflege als Industrie?

    03.07.2018/EG aus dem AWblog der Bundesarbeitskammer, Wien

    Claudia Fida, diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, über eine an menschlichen Bedürfnissen vorbeigetaktete Arbeitswelt in Österreich

    „Der Arbeitsprozess wird in möglichst kleine Teileinheiten und die Aufgaben werden nach funktionellen Gesichtspunkten zerlegt. Genau diese Arbeitsteiligkeit ist das zentrale Problem der Funktionspflege. Kommunikation mit den PatientInnen wird als Einzel-Arbeitselement betrachtet. Bei der arbeitsteiligen Pflege kann eine Beziehung zum Pflegebedürftigen kaum entstehen. Der ganzheitliche Charakter der Pflegearbeit wird bei der Funktionspflege zerstört. Beziehungsaufnahme und Zugewandtheit mit bzw. zu Pflegebedürftigen findet meist über körperbezogene Handlungen statt. Das hierarchisch-zentralistische Modell der traditionellen Funktionspflege wird zunehmend abgelöst durch moderne Bezugspflegesysteme. (…)

    Die Sinnfrage stellen

    Wenn wir dem, was wir tun, keinen inneren Sinn geben, dann wird es funktional. Und wenn es funktional wird, dann wird es mechanisch (Paul J. Kohtes). Das aber ist tödlich für eine Form der Arbeit, in der es um Kreativität und um Beziehungen geht.

    Die Theorie des Taylorismus „Führung durch Motivation mit Akkordlohn“ wurde abgelöst und man weiß heute, dass Arbeitszufriedenheit durch Selbstverwirklichung und Autonomie gesteigert wird. Ein Handlungsspielraum am Arbeitsplatz muss es den Pflegenden ermöglichen, Planung, Kreativität, Entscheidungsspielraum und Selbstkontrolle einzubringen und zu entwickeln und dabei den Ganzheitscharakter der Aufgabe zu wahren.“ awblog.at

    Die Bundesarbeitskammer ist die gesetzliche Interessenvertretung der Arbeitnehmer in Österreich.

  • Mindestlohn regt Wirtschaftswachstum an

    03.07.2018/EG aus dem Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf

    IMK-Studie: Positive Lohnentwicklung bewirkt stabiles Wachstum der Binnennachfrage

    „Das Wirtschaftswachstum wurde durch die Einführung des Mindestlohns tendenziell angeregt. Dies geschah im Wesentlichen über die höheren Löhne der Mindestlohnbegünstigten und einen ausgelösten Spillover-Effekt*. Insbesondere profitieren dabei Personen, die mit ihrer geringen Sparquote für eine besonders starke Steigerung des realen privaten Verbrauchs sorgten.“ boeckler.de

    *Veränderungen der Einkommen haben Auswirkungen auf andere Bereiche und Ebenen.

    Die Hans-Böckler-Stiftung ist eine arbeitnehmernahe Einrichtung.

    Zum Thema

    Arbeitsmarktregulierung bremst (volks-)wirtschaftliche Entwicklung? Nein!

    Servaas Storm (Lehrbeauftragter für VWL, Delft University) und Jeronim Capaldo (Forscher, Tufts University) untersuchten die Auswirkungen von Arbeitsmarktregulierungen auf spät-industrialisierte Volkswirtschaften. ↗makronom.de