24.11.2016/EG aus der Europäischen Kommission, Brüssel

Fusionskontrolle: Kommission genehmigt Zusammenschluss der Containerlinienreedereien Hapag Lloyd und UASC unter Bedingungen / Hapag Lloyd wird zur weltweit fünftgrößten Containerlinienreederei / Bundesregierung sorgt weiterhin für niedrige Lohnnebenkosten in der Seeschifffahrt

Durch die Übernahme schließen sich zwei Wettbewerber in der Containerlinienschifffahrt zur fünftgrößten Containerlinienreederei der Welt zusammen. Wie mehrere andere Reedereien auch bieten United Arab Shipping Company (UASC) und Hapag‑Lloyd ihre Leistungen auf Handelsrouten hauptsächlich über Kooperationsvereinbarungen mit gleichartigen Unternehmen (sogenannte Konsortien oder Allianzen) an. Die Mitglieder eines Konsortiums oder einer Allianz legen gemeinsam wichtige Wettbewerbsparameter wie Kapazitäten, Fahrpläne und angelaufene Häfen fest. Die Kommission hat die Auswirkungen des Zusammenschlusses auf den Wettbewerb auf den Märkten für Containerliniendienste auf dreizehn Handelsrouten zwischen Europa und Amerika, dem Nahen Osten, dem indischen Subkontinent, dem Fernen Osten, Australien, Neuseeland und Westafrika sowie zwischen Nordeuropa und dem Mittelmeerraum geprüft.

Die Kommission hat festgestellt, dass durch die Übernahme in der ursprünglich angemeldeten Form auf den Handelsrouten zwischen Nordeuropa und Nordamerika Verbindungen zwischen den Konsortien und Allianzen, denen Hapag‑Lloyd angehört, und dem NEU1-Konsortium (früher Pendulum-Konsortium), dem UASC angehört, entstehen würden. Infolgedessen könnte das zusammengeschlossene Unternehmen über die Konsortien und Allianzen, denen es angehören würde, zum Nachteil der Kunden und letztlich auch der Verbraucher Einfluss auf die Kapazitäten und Preise auf einem sehr großen Teil dieser Märkte nehmen. Die Kommission hatte Bedenken, dass das zusammengeschlossene Unternehmen auf diesen Routen nur einem unzureichenden Wettbewerbsdruck durch konkurrierende Unternehmen ausgesetzt wäre.

Durch den Zusammenschluss würden in begrenztem Umfang auch vertikale Verbindungen zwischen den Tätigkeiten der Unternehmen in der Containerlinienschifffahrt und in folgenden Dienstleistungsbereichen entstehen, in denen Hapag‑Lloyd oder seine Mehrheitsaktionäre tätig sind: i) Containerterminals, ii) Inlandstransport, iii) Spedition und iv) Hafenschleppdienste. In diesen Bereichen hat die Kommission jedoch keine wettbewerbsrechtlichen Probleme festgestellt, insbesondere weil auf diesen Märkten mehrere andere Anbieter tätig sind.

Die angebotenen Verpflichtungen

Um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission auszuräumen, hat Hapag-Lloyd angeboten, die Beteiligung von UASC am NEU1-Konsortium zu beenden. Dadurch wird die zusätzliche Verbindung zwischen den Konsortien von Hapag‑Lloyd und UASC, die durch die Übernahme auf den Handelsrouten zwischen Nordeuropa und Nordamerika entstanden wäre, vollständig beseitigt. Die Position des zusammengeschlossenen Unternehmens auf diesen Routen wird daher der heutigen Position von Hapag‑Lloyd vergleichbar sein.

UASC wird zwar während der Kündigungsfrist weiter als Teil des NEU1-Konsortiums agieren, um einen geordneten Austritt zu gewährleisten, ein Überwachungstreuhänder wird jedoch sicherstellen, dass in diesem Zeitraum keine wettbewerbswidrigen Informationen zwischen dem NEU1-Konsortium und dem zusammengeschlossenen Unternehmen ausgetauscht werden.

Die Kommission ist daher zu dem Ergebnis gelangt, dass der geplante Zusammenschluss in der durch die vorgeschlagenen Abhilfemaßnahmen geänderten Form keinen Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken gibt. Die Genehmigung des Zusammenschlusses erfolgt unter der Bedingung, dass die Verpflichtungszusagen in vollem Umfang eingehalten werden.

Der Zusammenschluss wurde am 3. Oktober 2016 bei der Kommission angemeldet. Der Kaufpreis wird nach einem Bericht der ’Maritime Executive‘ bei etwa 7,5 Milliarden Euro vermutet.

Unternehmen

UASC ist eine im Nahen Osten ansässige weltweit tätige Reederei. Mit einer Flotte von rund 60 Containerschiffen bietet UASC weltweit Containerfrachtdienste an.

Hapag-Lloyd bietet mit einer Flotte von derzeit 166 Containerschiffen und 9.318 Mitarbeiter (davon 84 Prozent an Land und 16 Prozent auf See) an mehr als 360 Standorten weltweit Containerfrachtdienste unter der Marke Hapag‑Lloyd an. Die Eigentümer von Hapag-Lloyd sind CSAV (31,4%), die Stadt Hamburg (20,6%), Kühne Maritime (20,2%), TUI (12,3%). Der Streubesitz liegt bei 15,5% (Prozentangaben gerundet, der Streubesitz schließt institutionelle Anleger mit einem Anteil von weniger als 5% ein).

Aktuelles zum Thema

Die EU-Kommission hat der neuen Förderrichtlinie zur Senkung der Lohnnebenkosten in der Seeschifffahrt für die Jahre 2017 bis 2020 zugestimmt. ↗foerderdatenbank.de

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