Kategorie: Allgemein

  • Buchtipp: Vermögen vererben

    11.03.2022/EG

    Ronny Grundig: Vermögen vererben
    Politiken und Praktiken in der Bundesrepublik und Großbritannien 1945-1990

    Sachbuch (Gesellschaft, Kapitalismus, Politik, Steuern)

    „Das Vererben von Vermögen stabilisiert die Gesellschaftsordnung. Erbregelungen können soziale Ungleichheitsverhältnisse in die Zukunft fortschreiben oder zu Enttäuschungen übergangener Familienmitglieder führen. Da das Vererben soziale Gerechtigkeits- und Familienvorstellungen berührt, ist seine Regulierung politisch höchst umstritten. Obwohl die jährlich vererbten Vermögen in den letzten Jahren immer neue Rekordhöhen erreichten, ist die Vorgeschichte dieser gegenwärtigen Entwicklung bisher kaum erforscht.
    Ronny Grundig untersucht den Wandel der Vermögensvererbung vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Ende der 1980er Jahre. Er blickt auf politische Regulierungen, die Praktiken des Vererbens und die Aneignung des Erbes durch die Hinterbliebenen. Der Autor analysiert die Steuervermeidung Vermögender sowie Konflikte zwischen Erben und Erbinnen. Ebenso zeigt er den Wandel von Paar- und Familienbeziehungen beim Vererben, die sich in den Testamenten niederschlagen und die Verteilung der hinterlassenen Vermögen beeinflussen.“

    Autor

    Ronny Grundig, geb. 1990, studierte Geschichtswissenschaft und Sozialwissenschaften sowie Militärgeschichte und -soziologie in Erfurt und Potsdam. Seine Promotion an der Universität Potsdam entstand am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) im Rahmen des Graduiertenkollegs »Soziale Folgen des Wandels der Arbeitswelt«. Derzeit arbeitet er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung »Regime des Sozialen« des ZZF an einem Projekt zur Gesellschaftsgeschichte des ostdeutschen Handwerks in der Transformationszeit (1980-2000).

    Wallstein Verlag, ISBN: 978-3-8353- 4846-2, E-Buch, 26 Euro

  • Buchtipp: Ich möchte lieber nicht

    04.03.2022/EG

    Juliane Marie Schreiber: Ich möchte lieber nicht
    Eine Rebellion gegen den Terror des Positiven

    Sachbuch (Gesellschaft, Kommunikation, Meinungsbildung)

    „Dieses Buch ist ein Aufruf zum Widerstand gegen die Ideologie unserer Zeit: den Zwang des Glücks. Ratgeber und Duschbäder fordern uns auf, positiv zu sein. Wir sollen Scheitern als Chance begreifen und ständig unser Selbst entfalten. Doch der Terror des Positiven nervt, belastet jeden von uns und schwächt den Zusammenhalt: Wir betrachten Glück als Prestige und verstehen politische Probleme als persönliches Versagen. Das zeigt nicht nur die psychologische Forschung, sondern auch die Geschichte.

    Dagegen hilft nur Rebellion: Schimpfen ist Ausdruck gelebter Freiheit, ohne Schmerz gibt es keine Kunst, und Wut ist der Motor des Fortschritts. Denn die Welt wurde nicht von den Glücklichen verändert, sondern von den Unzufriedenen.“

    Autorin

    Juliane Marie Schreiber, geboren 1990 in Ost-Berlin, ist Politologin und freie Journalistin. Ihr Buch Bilder als Waffen erhielt den sicherheitspolitischen Wissenschaftspreis „Aquila Ascendens“. Als freie Journalistin schreibt sie unter anderem für ZDFheute, den Freitag und das Philosophie Magazin. Für ihre Dissertation forscht sie zum „Krieg gegen den Terror“.

    Piper Verlag, ISBN: 978-3-492-60073-6, E-Buch, 16 Euro

  • Audio-Tipp: „Wie viel Mühe es macht, Rassismus zu begründen“

    01.03.2022/EG
    Quelle: Bayerischer Rundfunk (BR), München

    Wie tief ist rassistisches Denken in unser westlich-europäisches Selbstverständnis eingebettet?

    Die Reportage von Michael Reitz hören Sie hier br.de.

    Zum Thema

    „Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung“ uni-jena.de

  • Buchtipp: Echokammer

    25.02.2022/EG

    Miriam Keil, Claudia Stollenwerk: Echokammer
    Soziale Kommunikation unserer digitalen Gesellschaft

    Sachbuch (Digitalisierung, Gesellschaft, Kommunikation, Meinungsbildung)

    „Wir leben in einer Welt, in der die informationelle Vernetzung unser Leben bestimmt; einer digitalen Welt, die voller Möglichkeiten steckt und gleichzeitig Überforderung bedeutet. Haben wir noch den Blick für das Wesentliche, sind wir in der Lage, Wichtiges und Unwichtiges zu trennen? Die Digitalisierung prägt unseren Alltag wie nie zuvor. Dabei sind soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram, Twitter und Co. heutzutage nicht mehr wegzudenken und dennoch bleibt die soziale Kommunikation auf der Strecke. Eine Echokammer (digitale Filterblase) führt zu gesellschaftlicher Entfremdung sowie wachsender Ichbezogenheit – ein brisantes Sozialproblem der Gegenwart. Mit jedem Post, jedem Like, mit jedem Klick im Netz hinterlassen wir digitale Spuren, die nicht nur erfasst und gespeichert, sondern von Dritten analysiert, zurückverfolgt und weiterverwendet werden.
    Die Kommunikationsdesignerinnen Claudia Stollenwerk und Miriam Keil enthüllen, wie unsere Meinungsbildung manipuliert werden kann und wie Datensammler von unserem Onlineverhalten profitieren. Neben dem Istzustand der Kommunikation in der digitalen Transparenzgesellschaft, werden die Auswirkungen künstlicher Intelligenz (Social Bots), Fake News sowie die politische Macht sozialer Netzwerke veranschaulicht.
    Auf spielerische Weise greift das Layout Elemente unserer digitalen Welt auf und zieht die Leserschaft so in seinen Bann. Komplexe Sachverhalte und abstrakt erscheinende Begriffe werden durch anschauliche Infografiken leicht zugänglich gemacht.“

    Autorinnen

    Miriam Keil, geb. 1990 in Wesel, studierte Kommunikationsdesign im Bachelor an der FH Münster (Münster School of Design). Keil interessiert sich für die Veränderung der sozialen Kommunikation, die einerseits allgegenwärtig und andererseits längst nicht einfach in ihren Folgen und Auswirkungen zu begreifen ist.

    Claudia Stollenwerk, geb. 1989 in Aachen, studierte Kommunikationsdesign im Bachelor an der FH Münster (Münster School of Design). Stollenwerks Aufmerksamkeit gilt aktuellen Sozialphänomenen, die durch das digitale Zeitalter entstehen. Aktuell arbeitet sie als selbstständige Designerin in Köln in den Bereichen Kommunikations- und Ausstellungsdesign.

    Büchner Verlag, ISBN: 978-3-96317-289-2, Buch, 25 Euro

  • Demokratie: Ist die Personalrekrutierung in Parteien fortschrittsfeindlich?

    23.02.2022/EG
    Quelle: International Republican Institute (IRI), Washington

    Benjamin Höhne, Politikwissenschaftler und stellvertretender Leiter des Instituts für Parlamentarismusforschung (IParl) in Berlin, untersuchte die Kandidatenauswahl für den Bundestag

    Zusammenfassung und Ausblick, Auszug: „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kandidatenauswahl in Deutschland ausschließlich Aufgabe der politischen Parteien ist. Auch wenn sie durch ihre Entfremdung von der Gesellschaft viele Funktionsverluste, etwa bei der öffentlichen Meinungsbildung, hinnehmen mussten, ist ihre Rekrutierungsfunktion bislang nicht gefährdet. […]. Studien haben gezeigt, dass deutsche Parteien stark selbstreferenziell sind, was ihre Anpassungsfähigkeit an ein dynamisches Umfeld fraglich macht.
    Nimmt man eine Referenzpublikation zu den Listen der Bundestagskandidaten aus einem der letzten fünf Jahrzehnte und vergleicht die zentralen Forschungsergebnisse, so zeigt sich die erstaunliche Stabilität des Rekrutierungssystems und der ihm innewohnenden Mechanismen. Obwohl sich das Umfeld der Parteien tiefgreifend verändert hat, scheint die Kandidatenauswahl für das Parlament von außen unberührt zu sein.“

    Die Studie lesen Sie hier iri.org.