Kategorie: Allgemein

  • ‘Wirtschaftsweise‘: Alternativlos sachverständig?

    05.11.2018/EG

    Der ‘Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung‘ übergibt am Mittwoch (07.) das Jahresgutachten 2018/2019 – Schwerpunkte des Jahresgutachtens sind Europa-, Finanz-, Sozial-, Gesundheits- sowie Wohnungspolitik

    Norbert Häring, Wirtschaftsjournalist: „Wirtschaftspolitik im Arbeitgeberinteresse wird von den Wirtschaftsweisen als alternativlos dargestellt. Die wissenschaftliche Redlichkeit bleibt dabei oft auf der Strecke. Umso erbitterter kämpft die Mehrheit im Sachverständigenrat darum, arbeitnehmernahe Störenfriede fernzuhalten oder wenigsten zu diskreditieren und auszugrenzen.“ ↗norberthaering.de (Beitrag enthält am Ende ein Dossier zu den „Tricks und Täuschungsmanövern“ der Sachverständigen)

    Hörfunk-Tipp zur ‘marktkonformen‘ Demokratie ↗br.de

    Gefangene im Glauben an ‘den Markt‘ – Wieso hat sich nach der Krise so wenig in der Wirtschaftswissenschaft verändert? ↗boeckler.de

    Thomas Vogel, Erziehungswissenschaftler, über Glück, Zufriedenheit und der ‘alternativlosen‘ Wirtschaftspolitik agora42.de

    Christian Bellak und Christian Reiner, Wirtschaftswissenschaftler, untersuchten die Verhandlungsmacht von Arbeit und Kapital awblog.at

  • Buchtipp: Tage in Burma

    02.11.2018/EG

    George Orwell: Tage in Burma

    Roman (Entwicklungshilfe, Geschichte, Imperialismus, Kapitalismus, Kolonialismus)

    „Orwell kennen die meisten Leser nur als düsteren ›Big Brother‹-Visionär – die wenigsten wissen, daß der Autor einige Jahre als Kolonialbeamter in Burma tätig war. Vor diesem Erfahrungshintergrund entfaltet er die Geschichte eines britischen Diplomaten in einem burmesischen Außenposten. Lesenswert vor allem wegen der Schilderungen der Landeskultur – und George Orwells bitterböser Abrechnung mit der britischen Kolonial-Mentalität.“ (Globo) (mehr …)

  • Einkommensungleichheit steigt

    31.10.2018/EG aus dem Deutschen Bundestag, Berlin

    Ungleichheit ist zwischen 2000 und 2015 gemäß Sozio-ökonomischen Panel (SOEP inkl. Immobilienbesitz) um 15,3 % und gemäß SOEP/OECD (exkl. Immobilienbesitz) um 11,0 % gestiegen

    Nach Angaben der Bundesregierung haben im Jahr 2014 rund 3,5 Millionen unbeschränkt Steuerpflichtige ein zu versteuerndes Einkommen von mehr als 65.000 Euro bezogen. bundestag.de

    Zum Thema

    Im Jahr 2017 waren 15,5 Mio. Menschen bzw. 19,0 % der Bevölkerung Deutschlands von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht ↗destatis.de

    Erhebliche materielle Entbehrung liegt nach der EU-Definition für EU-SILC dann vor, wenn aufgrund der Selbsteinschätzung des Haushalts mindestens vier der folgenden neun Kriterien erfüllt sind:

    • Finanzielles Problem, die Miete, Hypotheken oder Rechnungen für Versorgungsleistungen rechtzeitig zu be­zahlen.
    • Finanzielles Problem, die Wohnung angemessen heizen zu können.
    • Finanzielles Problem, unerwartete Ausgaben in einer bestimmten Höhe aus eigenen finanziellen Mitteln bestreiten zu können.
    • Finanzielles Problem, jeden zweiten Tag Fleisch, Fisch oder eine gleichwertige vegetarische Mahlzeit einnehmen zu können.
    • Finanzielles Problem, jährlich eine Woche Urlaub woanders als zu Hause zu verbringen.
    • Fehlen eines Pkw im Haushalt aus finanziellen Gründen.
    • Fehlen einer Waschmaschine im Haushalt aus finanziellen Gründen.
    • Fehlen eines Farbfernsehgeräts im Haushalt aus finanziellen Gründen.
    • Fehlen eines Telefons im Haushalt aus finanziellen Gründen.

    Parteien, die im vorgenannten Zeitraum die Regierungsgeschäfte verantworteten:

    • Seit März 2018: CDU/CSU/SPD
    • 2013 bis 2018: CDU/CSU/SPD
    • 2009 bis 2013: CDU/CSU/FDP
    • 2005 bis 2009: CDU/CSU/SPD
    • 2002 bis 2005: SPD/DIE GRÜNEN
    • 1998 bis 2002: SPD/DIE GRÜNEN
  • „Hohe Wirtschaftskraft garantiert keine Bildungsgerechtigkeit“

    30.10.2018/EG aus dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), Florenz/New York/Köln

    UNICEF-Studie belegt ungleiche Bildungschancen von Kindern in Industrieländern / Deutschland rangiert im unteren Mittelfeld

    Die Studie zeigt, dass sozial bedingte Leistungsunterschiede zwischen Kindern während der gesamten Bildungsphase unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. In den Niederlanden besteht die größte Chancengleichheit für Grundschulkinder (…). Am Ende der Pflichtschulzeit weisen Irland, Spanien und Lettland die geringsten Ungleichheiten auf. Der familiäre Hintergrund ist in allen Ländern ein entscheidender Faktor für den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen. Der Berufsstand der Eltern hat starken Einfluss auf die Entwicklung von Schlüsselkompetenzen der Kinder.

    Die UNICEF-Studie nennt Grundprinzipien für mehr Bildungsgerechtigkeit, an denen sich die Politik orientieren sollte:

    • Frühkindliche Förderung für jedes Kind gewährleisten
    • Mindestmaß an Kernkompetenzen für jedes Kind sichern
    • Soziale und ökonomische Ungleichheiten reduzieren
    • Geschlechterunterschiede bei der Bildung verringern
    • Bessere (länderübergreifende und vergleichbare) Daten erheben
    • Fokus auf Chancengleichheit setzen

    Die Studie „An Unfair Start“ lesen Sie hier ↗unicef.de.

  • Klinische Forschung: Zurückhaltung staatlicher Investitionen sichert Profite der Pharmaindustrie

    29.10.2018/EG aus der Techniker Krankenkasse (TK), Hamburg

    Gerd Glaeske, Gesundheitswissenschaftler, und Wolf-Dieter Ludwig, Medizinwissenschaftler und Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, veröffentlichen ‘Innovationsreport 2018‘ zur Wirksamkeit neuer Medikamente

    Wolf-Dieter Ludwig im Vorwort: „Onkologika sind in den letzten Jahren in Deutschland sowie weltweit die umsatzstärkste und in Hinsicht auf die Zahl jährlich neu zugelassener Arzneimittel eindeutig dominierende Wirkstoffgruppe (Ludwig & Schwabe, 2018). (…) Leider ist jedoch aufgrund der offensichtlichen Mängel in den Anforderungen an die Zulassung und den zu diesem Zweck durchgeführten klinischen Studien der für Patienten relevante Nutzen (z. B. Verlängerung der Überlebenszeit, Verbesserung von tumorbedingten Symptomen, gute Verträglichkeit der medikamentösen Therapie) zum Zeitpunkt der Zulassung weiterhin unklar. (…) Hierfür bedarf es aber in Deutschland verstärkter staatlicher Investitionen sowohl in die Infrastruktur der nicht von pharmazeutischen Unternehmern gesponserten klinischen Forschung als auch einer von der Industrie unabhängigen finanziellen Unterstützung neuer Strukturen der (inter-)nationalen Zusammenarbeit von Onkologen bzw. onkologischen Fachgesellschaften im Bereich der klinischen Forschung. (…)“

    Den ‘Innovationsreport 2018‘ lesen sie hier ↗tk.de.