Kategorie: Allgemein

  • Buchtipp: Vertraute Welt

    06.08.2021/EG

    Hwang Sok-Yong: Vertraute Welt

    Roman (Demokratie, Einkommen, Kapitalismus, Politik, Umwelt, Ungleichheit, Wirtschaft)

    „Am Rand der südkoreanischen Metropole Seoul liegt die »Blumeninsel«, eine gigantische Müllhalde, Lebensgrundlage und Wohnstätte einer Kolonie von Habenichtsen und Ausgestoßenen, die dort ihre Claims abgesteckt haben. Unentwegt durchkämmen sie den frischen Abfall der boomenden Stadt nach Verwertbarem. Hier landet der Held des Romans, der 13-jährige »Glupschaug«, zusammen mit seiner Mutter, nachdem sein Vater von der Regierung in ein »Umerziehungslager« gesteckt wurde. Es ist kein tiefer Fall, denn sie kommen aus den wuchernden Slums der Mega-City, wo seine Mutter Straßenhändlerin ist. Glupschaug hat die Schule abgebrochen und geht seiner Mutter zur Hand, für die sich ein in der Hackordnung weit oben stehender Müllhaldenbewohner interessiert. Dieser »Baron« ist dem Helden unsympathisch, eine verhasste Stiefvaterfigur. Mit »Glatzfleck«, dem Sohn des Barons, freundet sich Glupschaug jedoch an und lernt von ihm alles, was …“

    Vertraute Welt ist eine Kritik an der modernen Wegwerfgesellschaft, in der Menschen ebenso aussortiert werden wie der tägliche Abfall.

    Autor

    Hwang Sok-yong wurde 1943 im damaligen Mandschukuo (heute China) geboren. Die Auseinandersetzung mit der politischen Unterdrückung und ökonomischen Ausbeutung durch die militant antikommunistische Regierung Südkoreas sollte ab den frühen 1970er-Jahren kennzeichnend für sein Werk werden. Wegen Verstoßes gegen das „Sicherheitsgesetz“ wurde er 1993 in Seoul zu sieben Jahren Haft verurteilt, 1998 vom neugewählten Präsidenten Kim Dae-jung begnadigt. Eine Verarbeitung des Gefängnisaufenthalts ist der Dissidentenroman Der ferne Garten (1999). Seither hat Hwang in einer Reihe von Romanen seine bisherigen Interessen mit dem Thema der internationalen Migration verknüpft, während er gleichzeitig verstärkt auf Stoffe und Motive aus der vormodernen koreanischen Erzähltradition zurückgreift. Hwang wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet.

    Europaverlag, ISBN: 978-3-95890-303-6, Buch, 208 Seiten, 22 Euro

  • Wohnen muss man sich leisten können

    05.08.2021/EG
    Quelle: Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf

    Studie „Muster sozialer Ungleichheit der Wohnversorgung in deutschen Großstädten“: Haushalte mit geringen Einkommen besonders belastet

    Auszug: „Die Wohnverhältnisse verstärken die soziale Ungleichheit. Da sich Mietpreise an ei-
    ner ideellen Gesamtnachfrage orientieren, fällt die Differenz zwischen günstigen und
    teuren Wohnungen geringer aus als zwischen den Einkommen. In der Konsequenz
    zahlen vor allem Haushalte mit geringen Einkommen einen überdurchschnittlich ho-
    hen Anteil davon für die Miete. Die starke Spreizung der Einkommen verstärkt die
    Ungleichheitseffekte der Mietzahlungen (Seite 14).“
    Die Studie lesen Sie hier boeckler.de.

    Zum Thema

    Drei Studien aus dem Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin mit Vorschlägen, wie mehr Haushalte zu Immobilieneigentum kommen könnten diw.de.

  • Corona-Pandemie: Bundesregierung legt Erkenntnis-Bericht vor

    01.08.2021/EG
    Quelle: Deutscher Bundestag, Berlin

    Bericht zu den Erkenntnissen aus der durch das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 verursachten Epidemie / Bewertung von Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, Politikwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen und Direktor der NRW School of Governance:

    Auszug: „Die Wissensgesellschaft erscheint trotz unterschiedlicher Wahrheitsmärkte im Lichte einer Wissenschaftsgesellschaft. Wissenschaft liefert aber weder einfache noch ewig währende Wahrheiten. Sie liefert immer nur Fakten. Zugleich ist Wissenschaft paradox: Je mehr Wissen sie akkumuliert, desto mehr neue Fragen generiert sie. Demokratie kennt keine politische Entscheidungskraft und keine politische Autorität kraft Wissens. Die informierte, durch wissenschaftliches Wissen untermauerte politische Entscheidung ist nie alternativlos. Sie würde zu einer technokratischen Regierungsform führen, die demokratische Prozesse missachtet (Weick/Sutcliff 2017). Politik steht somit im Spannungsfeld zwischen einem Zuwachs an Information und Fragen, die rasche exekutive Handlung erfordern, und der prozessualen Einbindung der Parlamente und der Öffentlichkeit, um demokratische Legitimation ihrer Entscheidungen zu erlangen (Seite 39/40). […] Die Pandemie verschärft bestehende Ungleichheiten in der Gesellschaft. Die vielfach betonte Vulnerabilität hat insofern nicht nur eine medizinische, sondern auch eine soziologische Dimension. Politische, soziale, ökonomische und psychologische Verwundbarkeiten sind ungleich verteilt (Seite 40).“

    Den Bericht lesen Sie hier bundestag.de.

  • Buchtipp: Kapital und Ressentiment

    30.07.2021/EG

    Joseph Vogl: Kapital und Ressentiment
    Eine kurze Theorie der Gegenwart

    Sachbuch (Demokratie, Kapitalismus, Politik, Wirtschaft)

    „Es zieht sich eine Spur der Zerstörung von der Herrschaft der Finanzmärkte über die neuen Netzgiganten bis hin zur dynamisierten Meinungsindustrie. Auf der Strecke bleiben dabei Demokratie, Freiheit und soziale Verantwortung. Joseph Vogl rekonstruiert in seiner brillanten Analyse, wie im digitalen Zeitalter ganz neue unternehmerische Machtformen entstanden sind, die unser vertrautes politisches Universum mit einer eigenen Bewertungslogik überschreiben und über nationale Grenzen hinweg immer massiver in die Entscheidungsprozesse von Regierungen, Gesellschaften und Volkswirtschaften eingreifen…“

    Autor

    Joseph Vogl ist Kultur-, Literatur- und Medienwissenschaftler und lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie an der Princeton University in Princeton, NJ (USA).

    Beck Verlag, ISBN: 978-3-406-76954-2, E-Buch, 224 Seiten, 13 Euro

  • Klima/Umwelt: Umweltbundesamt fordert Gesetz zur Anpassung an den Klimawandel

    28.07.2021/EG
    Quelle: Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau

    Umweltbundesamt⁠ empfiehlt umgehend neue „Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung“ im Grundgesetz zu verankern und ein bundesweites Klimaanpassungsgesetz zu verabschieden

    „Die Risiken durch Folgen der Erderhitzung für Deutschland sind seit langem bekannt und wurden zuletzt in der aktuellen Klimawirkungs- und Risikoanalyse für Deutschland umfassend identifiziert. Ein Netzwerk von 25 Bundesbehörden und -institutionen aus neun Ressorts entwickelte wissenschaftlich fundierte Maßnahmenvorschläge, mit denen Länder, Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen Schäden reduzieren, für Extremwettereignisse vorsorgen und sich an unvermeidliche ⁠Klimafolgen⁠ anpassen können. Doch bisher fehlt es in Deutschland an geeigneten rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen, um diese Maßnahmen flächendeckend umzusetzen…“ umweltbundesamt.de

    Zum Thema

    Wissenschaftler warnen vor einem Klimanotstand

    „Im Jahr 2019 warnten Ripple und Kollegen (2020) vor unermesslichem Leid und riefen gemeinsam mit mehr als 11.000 Wissenschaftlern aus 153 Ländern den Klimanotstand aus. Sie präsentierten Diagramme der planetarischen Lebenszeichen, die auf sehr beunruhigende Trends und geringe Fortschritte der Menschheit bei der Bekämpfung des Klimawandels hinwiesen. Auf der Grundlage dieser Daten und der moralischen Verpflichtung der Wissenschaftler, „die Menschheit eindeutig vor einer katastrophalen Bedrohung zu warnen“, forderten sie einen grundlegenden Wandel. Seit der Veröffentlichung des Artikels haben mehr als 2.800 weitere Wissenschaftler die Erklärung zum Klimanotstand unterzeichnet (die aktuelle Liste der Unterzeichner finden Sie in Supplemental File S1); darüber hinaus haben inzwischen 1.990 Gerichtsbarkeiten in 34 Ländern den Klimanotstand formell erklärt oder anerkannt (Abbildung 1p). Gleichzeitig ist es seit 2019 zu einem beispiellosen Anstieg klimabedingter Katastrophen gekommen, darunter verheerende Überschwemmungen in Südamerika und Südostasien, rekordverdächtige Hitzewellen und Waldbrände in Australien und im Westen der USA, eine außergewöhnliche atlantische Hurrikansaison und verheerende Wirbelstürme in Afrika, Südasien und im Westpazifik (siehe Supplemental File S2 für Informationen zu den Ursachen). Es gibt auch immer mehr Beweise dafür, dass wir uns dem Kipppunkt nähern oder ihn bereits überschritten haben, der mit kritischen Teilen des Erdsystems verbunden ist, einschließlich des westantarktischen und grönländischen Eisschilds, der Warmwasserkorallenriffe und des Amazonas-Regenwalds (siehe Zusatzdatei S2). Angesichts dieser alarmierenden Entwicklungen brauchen wir kurze, häufige und leicht zugängliche Updates zum Klimanotstand…“ academic.oup.com