Schlagwort: Vermögen

  • Ungleichheit verursacht Kosten

    12.01.2018/EG aus dem Blog ÖKONOMENSTIMME, Zürich

    Werner Vontobel, Wirtschaftskolumnist, über die wahren Kosten der Ungleichheit

    „Je ungleicher die Kaufkraft verteilt ist, desto mehr muss nämlich – und damit sind wir beim dritten Kostenblock – die Wirtschaft bestrebt sein, mit viel Werbeaufwand denen etwas zu verkaufen, die eh schon alles haben. (…)

    Ungleichheit ist in der Regel mit einer hierarchischen Organisation der Arbeit verbunden. Dabei wird viel Arbeit mit reiner Überwachung und Bürokratie verschwendet. (…)

    Alfred Kleinknecht hat die „angelsächsischen“ Länder mit ihren flexibilisierten Arbeitsmärkten mit den Ländern des „rheinländischen Kapitalismus“ mit relativ starkem Arbeitnehmerschutz, höheren Löhnen und grösserer Arbeitsautonomie verglichen und festgestellt, dass letztere deutlich produktiver sind. Der Vergleich mit 20 Ländern über 44 Jahre zeigt, dass jedes Prozent weniger Lohnerhöhung die Produktivität pro Arbeitsstunde um 0,3 bis 0,5% senkt. Der Hauptgrund dafür liegt gemäss Kleinknecht in der aufgeblähten Bürokratie und an dem durch den häufigen Stellenwechsel bedingten Verlust an betriebsinternem Knowhow.“ ↗oekonomenstimme.org

    Zum Thema eine Buchempfehlung:
    Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind. Autoren: Richard Wilkinson und Kate Pickett

  • Wirtschaftspolitik am Beispiel der Siemens AG

    10.01.2018/EG

    Stellenabbau und Werksschließungen mit der Bundesregierung als Partner

    Am 09. November 2017 kündigte die Siemens AG sogenannte Kapazitätsanpassungen an. Damit verbunden ist ein Stellenabbau von etwa 3.400 bis 5.000 Arbeitsplätzen, insbesondere im Segment POWER AND GAS¹, an den Standorten Leipzig, Görlitz, Erfurt, Offenbach, Erlangen, Mülheim an der Ruhr und Berlin. Weltweit werden etwa 7.000 bis 8.500 Arbeitsplätze abgebaut.

    Durch die Arbeit der weltweit rund 372.000 Beschäftigen (115.000 in Deutschland) erwirtschaftete die Aktiengesellschaft im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 83,0 Milliarden Euro und einen Gewinn von 6,2 Milliarden Euro nach Steuern. Die Ergebnismarge für die Sparte POWER AND GAS wird für das Geschäftsjahr 2017 mit 10,3 Prozent angegeben².

    Am 31. Januar 2018 wird die Hauptversammlung über die vorgeschlagene Ausschüttung in Höhe von drei Milliarden Euro (Dividende 3,70 Euro je Aktie/Ausschüttungsquote 49 Prozent) abstimmen³.

    Die Entlassungen sollen mit Beschäftigungsgesellschaften, Frühverrentungen sowie Altersteilzeit, begleitet und aus den Kassen der Sozialversicherungssysteme kofinanziert werden.

    Nach Angaben der Bundesregierung kassierte die Siemens AG im Zeitraum 2007 bis 2017 mindestens 305 Millionen Euro Fördermittel. bundestag.de

    Der Konzern betreibt Holding-Gesellschaften in Steueroasen wie Luxemburg, Niederlande und Delaware/USA⁴.

    Den Geschäftsbericht 2017 der Siemens AG lesen Sie hier ↗siemens.com.

    ¹ Produkte, Lösungen und Dienstleistungen zur Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern sowie zur Förderung und zum Transport von Öl und Gas
    ² Geschäftsbericht 2017, Seite 14
    ³ Geschäftsbericht 2017, Seite 12
    ⁴ Geschäftsbericht 2017, ab Seite 114

  • Buchtipp: Theorie der feinen Leute

    29.12.2017/EG

    Thorstein Veblen: Theorie der feinen Leute
    Eine ökonomische Untersuchung der Institutionen

    Sachbuch (Gesellschaft, Reichtum)

    Veblens „Theorie der feinen Leute“, erstmals 1899 veröffentlicht, ist einer der scharfsinnigsten und brillantesten Beiträge zur Soziologie des Prestiges, die wir kennen; ein klassisches Werk der Gesellschaftskritik, das intelligent und höchst lebhaft sich mit Institutionen, Sitten, Gebräuchen, kollektiven Denkgewohnheiten auseinandersetzt und dessen Nachwirkungen bei Riesman ebenso wie bei Bourdieu zu erkennen sind. (mehr …)

  • Globalisierung: Jeder fünfte Euro aus der EU wird in Steueroasen investiert!

    22.01.2017/EG aus der Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, Luxemburg

    Eurostat veröffentlicht Bestände der weltweiten Direktinvestition 2016: ‘Investitionen‘ in Steueroasen steigen auf 1,3 Billionen Euro – plus 20,8 % gegenüber 2015

    Eurostat listet in der aktuellen Meldung die Bestände von Direktinvestitionen aus der Europäischen Union im Jahr 2016 in sogenannten Offshore-Finanzzentren in Höhe von 1,28 Euro (2015: 1,06 Billionen Euro) auf. Der gesamte Direktinvestitionsbestand der EU in der übrigen Welt summierte sich Ende 2016 auf 7,6 Billionen Euro (2015: 6,89 Billionen Euro). Davon wurden 20,2 Prozent (1,28 Billionen Euro) in Steueroasen ‚investiert‘. ec.europa.eu

  • Steuerdebatte: Steueroasen und deren Nutzer werden durch Lücken in Rechtssystemen bereichert

    13.12.2017/EG aus dem Blog ÖKONOMENSTIMME, Zürich

    Dominika Langenmayr, Wirtschaftswissenschaftlerin, über ein mangelhaftes Rechtssystem zur Besteuerung von Gewinnen

    „Es ist schwierig, die Steuervermeidung von internationalen Konzernen im gegenwärtigen Steuersystem anzugehen. Jeder neuen Gegenmaßnahme, jeder Verschärfung bestehender Regeln steht eine ganze Industrie gegenüber, die nach Lücken in den Gesetzen sucht. Diese Lücken entstehen, da die Regeln zielgerichtet sein sollen. Eine pauschale Regel ist entweder zu ungenau oder belastet auch rein nationale Unternehmen, die keine Steueroasen nutzen. Steuerliche Regeln, die nur multinationale Unternehmen betreffen, sind darüber hinaus nicht mit europäischem Recht vereinbar.“ ↗oekonomenstimme.org

    Zum Thema

    Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland belief sich zum Ende des zweiten Quartals 2017 auf 5,7 Billionen Euro. Davon 15 Prozent sind 855 Milliarden Euro! ↗bundesbank.de

    „EU und die USA verlieren jährlich rund 60 Milliarden Euro durch die künstliche Verlagerung von Gewinnen.“ Die steuerlichen Verluste als Anteil am laufenden Körperschaftsteuerertrag berechnen die Wirtschaftswissenschaftler Thomas Tørsløv, Ludvig Wier und Gabriel Zucman, für Deutschland auf insgesamt 32 Prozent. gabriel-zucman.eu.

    Die Bundesminister der Finanzen seit 1982:

    • Gerhard Stoltenberg (CDU) 1982 bis 1989
    • Theo Waigel (CSU) 1989 bis 1998
    • Oskar Lafontaine (SPD) Oktober 1998 bis März 1999
    • Hans Eichel (SPD) 1999 bis 2005
    • Peer Steinbrück (SPD) 2005 bis 2009
    • Wolfgang Schäuble (CDU) 2009 bis 2017
    • Peter Altmaier (CDU) kommissarisch seit 24.10.2017