Schlagwort: Ungleichheit

  • Kapital: Vor der Verwertung ist nichts sicher

    21.04.2018/EG aus dem Deutschlandfunk, Berlin

    Mathias Greffrath, Schriftsteller und Journalist, über die fortschreitende Akkumulation des Kapitals

    „Der Zwang zur Akkumulation und die Konkurrenz zwingen das Kapital zur Eroberung immer neuer Märkte, Rohstoffquellen und billiger Arbeitskräfte. Mal als Imperialismus, mal ohne militärische Gewalt als Globalisierung, in der schützende Zölle, Gewerbeordnungen und nationale Gesetzgebungen aufgelöst werden. Kleine Gewerbe unterliegen im Konzentrationsprozess, die industrielle Landwirtschaft zerstört die bäuerlichen Kulturen und ihre Werte, die Frauenerwerbstätigkeit macht aus häuslichen Verrichtungen immer neue Gewerbezweige, Freizeit wird zum profitablen Geschäft mit immer neuer Moden, Ablenkungen, Spielen. So werden Städte und Regionen zu Transit-Räumen, belebt oder entwohnt nach der Logik des Kapitals, Familien zum Ort, wo „Humankapital“ aufgezogen, Bedürfnisse erzeugt und Kaufkraft generiert wird.“ ↗deutschlandfunkkultur.de

  • Abbau staatlicher Substanz fördert Ungleichheit

    17.04.2018/EG

    Führende Wirtschaftswissenschaftler stellen ‘Bericht zur weltweiten Ungleichheit 2018‘ vor: Nichts tun kann zu politischen, wirtschaftlichen und sozialen Katastrophen führen / Öffentliches Kapital (Staatliche Substanz) nimmt ab – privates Kapital nimmt zu

    „Hauptursache der ökonomischen Ungleichheit ist die ungleiche Verteilung von Kapital, das sich entweder in privater oder in öffentlicher Hand befinden kann. Wir zeigen, dass seit 1980 in fast allen Ländern – reiche Industrieländer genauso wie Schwellenländer – riesige Mengen an öffentlichem Vermögen in private Hände transferiert wurden. Während das Volksvermögen also stark gestiegen ist, liegt das öffentliche Vermögen in den reichen Ländern heute nahe Null oder im negativen Bereich. Dadurch verringert sich der Spielraum der Regierungen, der Ungleichheit entgegenzuwirken; in jedem Fall hat es wichtige Implikationen im Hinblick auf die Vermögensungleichheit zwischen Individuen.“ wid.world

  • Steuer-Debatte: Den Habenden wird gegeben!

    13.04.2018/EG aus der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Berlin/Paris

    OECD-Berichte: Besteuerung bevorzugt wohlhabende Steuerzahler – auch in Deutschland / Höhere Besteuerung von Vermögen und Erbschaften sinnvoll

    OECD-Studie ‘Taxation of Household Savings‘: Die Analyse der Vermögensstrukturen über Einkommen und Vermögen hinweg zeigt, dass die unterschiedlich starke Besteuerung der verschiedenen Vermögensarten wohlhabendere Steuerzahler bevorzugt. So neigen ärmere Steuerzahler dazu, einen größeren Anteil ihres Vermögens auf relativ hoch besteuerten Bankkonten zu halten. Wohlhabendere Steuerzahler investieren hingegen tendenziell in Investmentfonds, Pensionsfonds und Aktien, die oft einer vergleichsweise niedrigen Besteuerung unterliegen. ↗oecd.org (Zusammenfassung OECD-Länder) oecd.org (Zusammenfassung Deutschland)

    Die OECD-Studie ‘The Role and Design of Net Wealth Taxes in the OECD‘ untersucht inwieweit Steuern auf Vermögen – sowohl gegenwärtig als auch historisch – im gesamten OECD-Raum genutzt werden und wurden. Der Bericht bewertet, inwiefern Vermögenssteuern helfen, staatliche Einnahmen zu erzielen und Ungleichheiten zu verringern und wägt dazu Pro- und Contra-Argumente ab. Demnach wären in Ländern mit hohen Aufkommen aus der Einkommenssteuer, einschließlich Kapitalgewinnsteuern und effektiv gestalteten Erbschafts- und Schenkungssteuern, kaum Vermögenssteuern erforderlich sind. Dagegen könnte in Ländern, in denen die Besteuerung von Kapitaleinkünften hingegen gering ist oder Erbschaftssteuern nicht erhoben werden, eine stärkere Besteuerung von Vermögen jedoch sinnvoll sein. oecd.org

  • Buchtipp: Reich und Arm

    13.04.2018/EG

    Joseph Stiglitz: Reich und Arm
    Die wachsende Ungleichheit in unserer Gesellschaft

    Sachbuch (Gesellschaft, Ungleichheit)

    Ungleichheit, so zeigt Nobelpreisträger Joseph Stiglitz eindrucksvoll, ist kein unausweichliches Schicksal, sondern Folge falscher politischer Entscheidungen. Es liegt somit an uns allen, gegen die Spaltung unserer Gesellschaft zu kämpfen. Mit „Reich und Arm” beweist Stiglitz erneut, dass er nicht nur ein brillanter Ökonom, sondern auch ein scharfsinniger politischer Denker ist, der unermüdlich für eine gerechtere Verteilung des Wohlstands kämpft.

    Dass die Ungleichheit in unserer Gesellschaft ständig wächst, ist das Ergebnis einer seit Jahren fehlgeleiteten Politik – das weist Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz in diesem Buch anhand vieler Beispiele nach. Er zeigt, wo falsche Entscheidungen getroffen wurden und welche Risiken die wachsende Ungleichheit birgt. Und er sagt, was wir, jene 99 Prozent der Bevölkerung, denen die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in Reich und Arm schadet, gegen diese Entwicklung tun können. Das vorliegende Buch versammelt die einflussreichsten Texte von Joseph Stiglitz aus den letzten Jahren. Wer über die wachsende Ungleichheit in unserer Gesellschaft mitdiskutieren will, wird an Reich und Arm nicht vorbeikommen. (mehr …)

  • Mietpreis-Debatte: Wenn nicht einmal das Durchschnittseinkommen reicht

    10.04.2018/EG aus der Hans Böckler Stiftung, Düsseldorf

    Studie vergleicht Einkommen und Mieten in 77 deutschen Großstädten und verdeutlicht den substanziellen Investitionsbedarf durch Bundes- und Landesregierungen

    „In den 77 deutschen Großstädten fehlen gut 1,9 Millionen bezahlbare Wohnungen, darunter etwa 1,4 Millionen günstige Apartments unter 45 Quadratmetern für Einpersonenhaushalte. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie. Gemessen an den finanziellen Möglichkeiten der lokalen Bevölkerung besteht ein besonders großer Mangel an bezahlbarem Wohnraum einerseits in einwohnerstarken Städten mit vielen Niedrigverdienern (etwa Berlin, Leipzig, Dresden), andererseits in Großstädten mit hohem Mietniveau (z.B. München, Stuttgart, Düsseldorf). Konkret fehlen in Berlin mit rund 310.000 bundesweit die meisten bezahlbaren Wohnungen. Es folgen Hamburg mit einer Lücke von 150.000, Köln mit 86.000 und München mit 78.000 Wohnungen. Doch selbst in Großstädten mit relativ kleinen „Versorgungslücken“ wie Moers, Wolfsburg, Koblenz oder Ulm überschreitet der Bedarf an günstigen Wohnungen das Angebot jeweils um mehrere tausend. Schaut man auf die Bundesländer, ist das Defizit im bevölkerungsstärksten Land Nordrhein-Westfalen mit knapp 550.000 Wohnungen am größten, gefolgt von Berlin, Bayern (rund 192.000), Baden-Württemberg (rund 156.000), Niedersachsen (110.000) und Sachsen (105.000).“ boeckler.de

    Zum Thema

    Stefan Sell, Sozialwissenschaftler, über den Mangel an bezahlbarem Wohnraum aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de

    Vorschriften zur Einheitsbewertung für die Bemessung der Grundsteuer verfassungswidrig bundesverfassungsgericht.de

    Über den Mythos „Die geplante Grundsteuerreform ist ungerecht, führt zu massiven Steuererhöhungen und trifft vor allem die Mieter“ steuermythen.de