Schlagwort: Ungleichheit

  • Was hat der Euro mit den Protesten in Frankreich zu tun?

    22.12.2018/EG
    Quelle: Zeit-Fragen, Zürich

    Guy Berger, Hélène Clément-Pitiot, Daniel Fedou, Jean-Pierre Gerard, Christian Gomez, Jean-Luc Greau, Laurent Herblay, Jean Hernandez, Roland Hureaux, Gérard Lafay, Jean-Louis Masson, Philippe Murr, Pascal Pecquet, Claude Rochet, Jean-Jacques Rosa, Jacques Sapir, Henri Temple, Jean-Claude Werrebrouk und Emmanuel Todd (Wissenschaftler und Persönlichkeiten der französischen Gesellschaft) über eine Ursache für die ‘Gelbwesten‘

    „Niemand verbindet die aktuelle Entwicklung der «Gelbwesten» mit dem Scheitern des Euro. Die Verarmung der grossen Mehrheit, dessen offensichtlichstes Zeichen, ist jedoch die direkte Folge der Politik, die ergriffen wurde, um die europäische Einheitswährung um jeden Preis zu retten. Es geht dabei nicht so sehr um die quantitative Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank, die im übrigen für die Produktionssteigerung wenig effektiv ist, sondern um die Haushaltspolitik der Steuer­erhöhungen und der Kürzung der öffentlichen Investitionen, die von der Brüsseler Kommission überall gefordert werden. Sie haben zwar dazu geführt, dass die Aussenhandelsbilanz einiger Defizitländer wiederhergestellt wurde. Dies war jedoch nur möglich auf Kosten einer «inneren Abwertung», das heisst einer drastischen Einkommenssenkung, verbunden mit einer massiven Reduktion der Inlandsnachfrage. Sie haben somit zu einem dramatischen Produktionseinbruch in den meisten südeuropäischen Ländern und einer sehr hohen Arbeitslosigkeit geführt, trotz eines massiven Exodus der dynamischen Kräfte dieser Länder.“ ↗zeit-fragen.ch

    Zum Thema

    Für zehn von 19 Euro-Länder war der Handel mit EU-Mitgliedsländer, im Zeitraum Januar bis Oktober 2018, defizitär. ec.europa.eu

    Zum Euroraum (ER19) gehören Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Griechenland, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien und Zypern.

    Für 17 von 28 EU-Länder war der Handel mit EU-Mitgliedsländer, im Zeitraum Januar bis Oktober 2018, defizitär. ec.europa.eu

    Zur Europäischen Union (EU28) gehören Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Griechenland, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich und Zypern.

  • EU: Jeder sechste Euro landet in Steueroasen

    22.12.2018/EG
    Quelle: EUROSTAT, das statistische Amt der Europäischen Union, Luxemburg

    Bestände der weltweiten Direktinvestition aus der EU: Ende 2017 wurden 1,26 Billionen Euro in Steueroasen ‘investiert‘

    Nach Angaben von EUROSTAT summierten sich Ende 2017 die Bestände an Direktinvestitionen von in der Europäischen Union ansässigen Investoren in der übrigen Welt auf 7,4 Billionen Euro (2016: 7,6 Billionen Euro. Davon wurden 1,26 Billionen Euro (2016: 1,28 Billionen Euro), 17 Prozent bzw. jeder sechste Euro, in sogenannte Offshore-Finanzzentren ’investiert‘. ec.europa.eu

  • Arbeitsmarkt oder der Verkauf des Arbeitsvermögens

    18.12.2018/EG
    Quelle: TELEPOLIS, Berlin

    Heinz-Josef Bontrup, Wirtschaftswissenschaftler, über die ‘Vollbeschäftigung‘

    „Nur Demagogen und Populisten reden von einer fast erreichten Vollbeschäftigung. Mit der Realität hat das leider nichts zu tun. Wir haben weiter Massenarbeitslosigkeit im Land und ich gehe noch weiter: Die Arbeitsmärkte waren in Deutschland, zählt man das gesamte Prekariat der Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten, die befristet Beschäftigten, die Praktikantenverträge und die Leiharbeiter dazu, noch nie in einem so schlechten Zustand. (…)
    Eine jüngst veröffentlichte Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) kommt zu dem Befund, dass insbesondere die Klagen der Unternehmerverbände widersprüchlich und deutlich überhöht sind. Die Klagen sind mehr Ausdruck eines Bestrebens, die Arbeitseinkommen niedrig zu halten. „Ursächlich ist also kein Mangel an Fachkräften, sondern an Zahlungsbereitschaft.“ Der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaft, Paul Krugman, hat US-amerikanischen Unternehmern bezüglich ihres Jammerns für fehlende Arbeitskräfte geantwortet: „Zahlen Sie anständig, dann werden Sie auch schnell ihre benötigten Arbeitskräfte finden.““ heise.de

    KenFM im Gespräch mit Heinz-Josef Bontrup ↗kenfm.de.

  • Exportüberschuss: Deutsches Netto-Auslandsvermögen ist auf rund zwei Billionen Euro angewachsen

    17.12.2018/EG
    Quelle: Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main

    Deutsche Bundesbank Monatsbericht Dezember 2018: Deutsches Netto-Auslandsvermögen bis 2017 auf 1,8 Billionen Euro gestiegen / 2018 werden weitere 200 Milliarden Euro auflaufen

    Das deutsche Nettovermögen im Ausland ist in den vergangenen Jahren nahezu kontinuierlich gestiegen und belief sich Ende 2017 auf 1,8 Billionen Euro. Dies entsprach 54 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.“ „Das wachsende Netto-Auslandsvermögen reflektiert die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands in den vergangenen zehn Jahren““, heißt es im Monatsbericht Dezember. Lediglich während der globalen Finanzkrise hätten Bewertungseffekte den Anstieg gebremst.
    Das hohe deutsche Auslandsvermögen wird bisweilen kritisiert, da es grundsätzlich den Gegenpart zu Auslandsverbindlichkeiten in anderen Teilen der Welt darstellt. Allerdings sei nur etwa die Hälfe der deutschen Forderungen gegenüber dem Ausland Ende 2017 mit unbedingten Zahlungsverpflichtungen der Gegenseite verbunden gewesen, so das Fazit im Monatsbericht Dezember. bundesbank.de

    Die Zahlungsbilanz Januar bis Oktober 2018 lesen Sie hierbundesbank.de.

    Zum Thema

    „Der Welthandel ist ein Nullsummenspiel, bei dem die Überschüsse des einen die Defizite des anderen sind.“makronom.de

    „Ungesunder Überschuss“↗boeckler.de

    „Das süße Gift der Exportüberschüsse“makronom.de

    IMK-Report zur Rolle der Nominallöhne für die Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse boeckler.de

  • 13,7 Millionen Menschen leben in Deutschland in Armut

    14.12.2018/EG
    Quelle: DER PARITÄTISCHE Gesamtverband, Berlin

    Paritätischer Wohlfahrtsverband legt Armutsbericht 2018 vor / ‘Bildung schützt vor Armut‘ ist ein Mythos

    Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes (Auszug):
    „Mit einer Armutsquote von 16,8 Prozent ist erneut eine neue traurige Rekordmarke seit der Vereinigung erreicht. Es geht um mindestens 13,7 Millionen Menschen, die aktuell zu den Armen gezählt werden müssen. Dabei sind in der Statistik lediglich Menschen erfasst, die über einen eigenen Haushalt verfügen. Völlig außen vor bleiben jedoch beispielsweise die 800.000 bis 1.000.000 wohnungslose Menschen unter uns, die über 800.000 Bewohner von Pflegeheimen, von denen rund die Hälfte auf Sozialhilfe angewiesen ist, oder aber die über 200.000 Menschen mit Behinderungen in Wohnheimen, die ebenfalls in aller Regel Sozialhilfe beziehen. Faktisch werden es daher in Deutschland durchaus noch mehr Menschen als die 13,7 Millionen sein, die unter die Armutsgrenze fallen. In der längerfristigen Betrachtung der Armutsentwicklung ist dabei seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre, als die Armutsquote noch 11 Prozent betrug, ein ganz klarer Aufwärtstrend erkennbar. Die neuesten Ergebnisse lassen es nicht mehr zu, von einer Stabilisierung der Armutsentwicklung zu sprechen, wie dies beispielsweise noch der letzte Armutsbericht der Bundesregierung tat. Es ist tatsächlich ein Aufwärtstrend, der uns angesichts der guten Wirtschaftsdaten der letzten Jahre alarmieren muss: Wirtschaftsentwicklung und Armutsentwicklung sind ganz offensichtlich gänzlich voneinander abgekoppelt. Mit anderen Worten: die Armut ist nicht wirtschaftlich bedingt, sie ist politisch hausgemacht.
    (…)
    Mit Blick auf die aktuellen Befunde sind weitere Maßnahmen zu einer wirksamen Bekämpfung der Armut in der Breite unerlässlich und unaufschiebbar:

    • die Anhebung des Rentenniveaus auf wieder 53 Prozent,
    • der Einbau eines armutsfesten Sockels in der Rente für langjährige Beitragszahler,
    • die Reform der Altersgrundsicherung mit auskömmlichen Regelsätzen und einer deutlichen Besserstellung von Rentnern,
    • die Erhöhung des Mindestlohns auf 12,63 Euro,
    • die konsequente Eindämmung von Leiharbeit,
    • die Abschaffung sachgrundlos befristeter Beschäftigungsverhältnisse sowie
    • der Umbau von Kindergeld und Kinderzuschlag zu einer echten existenzsichernden Kindergrundsicherung, wie sie mittlerweile von einer Vielzahl von Fachverbänden im Bündnis Kindergrundsicherung gefordert wird.“ ↗der-paritaetische.de