Schlagwort: Medien

  • Buchtipp: Der Osten: eine westdeutsche Erfindung

    22.10.2022/EG

    Dirk Oschmann: Der Osten: eine westdeutsche Erfindung

    Sachbuch (Gesellschaft, Medien, Politik)

    „Was bedeutet es, eine Ost-Identität auferlegt zu bekommen? Eine Identität, die für die rasant wachsende gesellschaftliche Spaltung verantwortlich gemacht wird? Der Attribute wie Populismus, ein mangelndes Demokratieverständnis, Rassismus, Verschwörungsmythen und Armut zugeschrieben werden? Der Leipziger Germanist Dirk Oschmann zeigt in seinem augenöffnenden Buch, dass der Westen sich über dreißig Jahre nach Mauerfall als Norm definiert und den Osten als Abweichung. Unsere Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft werden von westdeutschen Perspektiven dominiert. Pointiert durchleuchtet Dirk Oschmann, wie dieses Othering unserer Gesellschaft schadet und initiiert damit eine längst überfällige Debatte.“

    Autor

    Dirk Oschmann, geboren 1967 in Gotha, ist Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Leipzig.

    Ullstein Verlag, ISBN: 978-3-843-72916-1, E-Buch, 17 Euro

  • Buchtipp: Die vierte Gewalt

    30.09.2022/EG

    Richard David Precht, Harald Welzer: Die vierte Gewalt
    Wie Mehrheitsmeinung gemacht wird, auch wenn sie keine ist

    Sachbuch (Demokratie, Medien, Meinung)

    „Was Massenmedien berichten, weicht oft von den Ansichten und Eindrücken großer Teile der Bevölkerung ab – gerade, wenn es um brisante Geschehnisse geht. So entsteht häufig der Eindruck, die Massenmedien in Deutschland seien von der Regierung oder »dem Staat« manipuliert. Aber die heutige Selbstangleichung der Medien hat mit einer gelenkten Manipulation nichts zu tun. Die Massenmedien in Deutschland sind keine Vollzugsorgane staatlicher Meinungsmache. Sie sind die Vollzugsorgane ihrer eigenen Meinungsmache: mit immer stärkerem Hang zum Einseitigen, Simplifizierenden, Moralisierenden, Empörenden und Diffamierenden. Und sie bilden die ganz eigenen Echokammern einer Szene ab, die stets darauf blickt, was der jeweils andere gerade sagt oder schreibt, ängstlich darauf bedacht, bloß davon nicht abzuweichen…“

    Autoren

    Richard David Precht, geboren 1964, ist Philosoph, Publizist und Autor und einer der profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum. Er ist Honorarprofessor für Philosophie an der Leuphana Universität Lüneburg sowie Honorarprofessor für Philosophie und Ästhetik an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin.

    Harald Welzer ist einer der streitbarsten Intellektuellen in Deutschland. Mit Witz und scharfsinnigen Argumenten engagiert er sich für eine bessere und offene Gesellschaft, für Nachhaltigkeit und Demokratie. Er ist Direktor von FUTURZWEI. Stiftung Zukunftsfähigkeit und Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg. Daneben lehrt er an der Universität St. Gallen und an der ETH Zürich.

    S. Fischer Verlag, ISBN: 978-3-10-397507-9, Buch, 22 Euro

  • Sahel-Mandate: Mangelhafte Berichte in Leitmedien?

    10.05.2022/EG
    Quelle: Otto Brenner Stiftung (OBS), Frankfurt am Main

    Dr. Lutz Mükke, Journalist und Afrikanist, analysierte für die OBS die Berichterstattung deutscher Leitmedien zu den Bundeswehreinsätzen in der Sahelregion

    Zusammenfassung:

    • „Experten aus Mali, Niger und Deutschland kritisieren medial „übervereinfachte Realitätswahrnehmungen“ der Sahel-Konflikte; ein Ausblenden von Parlamentsdebatten stößt auf Unverständnis.
    • Zu den Militäreinsätzen wird nicht hintergründig im Sahel recherchiert. Es gibt keine Reportagen und keine investigativen Recherchen aus dem Sahel.
    • Korrespondenten berichten aus Kapstadt, Paris, Berlin und Rabat; also 2400 bis 6000 km entfernt von Bamako/Mali.
    • Hochrangige französische und deutsche Regierungsvertreter dominieren die Informationsquellen; wichtige Quellengruppen aus Afrika kommen so gut wie nie zu Wort.
    • Zum Komplex „Terrorismus“ wird nicht hintergründig aufgeklärt.
    • Von breiter Information und nachhaltiger Beförderung eines gesellschaftlichen Diskurses kann keine Rede sein.“

    Die Kurzfassung der Studie lesen Sie hier otto-brenner-stiftung.de.

    Zum Thema

    Die Bundesregierung wirbt am 11. Mai 2022, ab 16:30 Uhr, für eine weitere Beteiligung der Bundeswehr, mit bis zu 1.100 Soldaten, an der Multidimensionalen Integrierten Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali (MINUSMA).

  • Pandemie: Medien und andere Konfliktquellen

    05.04.2022/EG
    Quelle: Deutscher Ethikrat, Berlin

    Stellungnahme des Deutschen Ethikrates zur Verwundbarkeit und Anpassungsfähigkeit in einer Pandemie

    Seite 20, Absatz 65: „Massenmedien und insbesondere die öffentlich‐rechtlichen Rundfunk‐ und Fernsehanstalten haben gerade in Krisenzeiten die für eine republikanisch verfasste Demokratie unverzichtbare Aufgabe, das strittige Für und Wider von Maßnahmen in einer räsonierenden Öffentlichkeit hör‐ und sichtbar zu machen. Der kritische Teil dieser Aufgabe wurde zu Beginn der Corona‐Krise nicht immer im wünschenswerten Maß erfüllt. Zwar mag die Zurückhaltung, angesichts der Größe, der Neuartigkeit sowie der „Plötzlichkeit“ der pandemischen Problemlagen jedes Detail mit scharfer Kritik zu fokussieren, durchaus verständlich und berechtigt gewesen sein. Im weiteren Verlauf der Pandemie jedoch wurden selbst offenkundige Fehlentwicklungen von einem sich selbst als „konstruktiv“ oder „gemeinwohlsensibel“ verstehenden Journalismus kaum in der notwendigen Deutlichkeit aufgegriffen.“

    Seite 139/140: „Wie gut Staat und Bevölkerung kommunizieren, hängt entscheidend von der Vermittlung durch die Medien ab. Diese stehen deshalb nicht nur in der Verantwortung, gesellschaftliche Entwicklungen in der Breite zu begleiten und insbesondere staatliche Herrschaftsausübung kritisch zu hinterfragen. Diesseits konkreter medienrechtlicher Vorgaben (etwa Trennung von Bericht und Kommentar, Ausgewogenheit) besteht ferner die allgemeinere, demokratietheoretisch und ethisch fundierte Erwartung, Einseitigkeiten entgegenzusteuern und sie auszugleichen. In einer Demokratie müssen – in den Grenzen der Meinungsfreiheit – sämtliche relevanten Stimmen zu Wort kommen, sowohl von Betroffenen als auch von Expertinnen und Experten unterschiedlicher Disziplinen. Nur wo Pluralität hör‐ und sichtbar wird, ist differenzsensibles Handeln möglich.“

    Die Stellungnahme lesen Sie hier ethikrat.org.

  • Ukraine: Näher am Töten und Zerstören als (nach-)gedacht

    17.03.2022/EG
    Quelle: journalismus.online

    Hektor Haarkötter, Kommunikationswissenschaftler an der Hochschule Bonn Rhein-Sieg, über ‘Helden‘ in diesen Zeiten

    Auszug: „Mit dem Krieg in der Ukraine hat sich in der journalistischen Berichterstattung etwas Wesentliches geändert. Es gibt jetzt eine Kriegsberichterstattung. Ich habe das in dieser Form in den vergangenen militärischen Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen, die hierzulande die Seelen beschäftigt haben, noch nicht erlebt. Analysen militärischer Strategien, Offiziere, die im Radio lange Interviews zu taktischen Aspekten des Kriegsgeschehens geben, Diskussionen über einzelne Waffensysteme und deren Pro und Contra: Die „Militärexperten“ betreten die Bühne journalistischer Berichterstattung und dürfen in Gala-Uniform oder in Tarnfleck ihre Expertise dem noch gar nicht so kriegsmüden Publikum zum Besten geben. Wie so oft im Journalismus weiß man nicht so recht, was diese Experten eigentlich zu ebensolchen macht. Ist es die ordensdekorierte Brust, ist es die eigene Beteiligung an ungezählten Waffengängen der Vergangenheit oder reicht es, mal ein schlaues Buch von Clausewitz gelesen zu haben, um gewitzt über das Handwerk des Tötens sprechen zu dürfen? Mein Verdacht: Würde man alle diese Experten an die Front schicken, wäre dieser Krieg sehr schnell vorbei…“ journalismus.online.

    Zum Thema

    Wang Yi, chinesischer Staatskommissar und Außenminister, zur aktuellen Lage in der Ukraine:
    „Erstens ist China der festen Überzeugung, dass die Souveränität und die territoriale Integrität aller Länder geachtet und geschützt und die Ziele und Grundsätze der UN-Charta ernsthaft befolgt werden sollten. Diese Position Chinas ist konsistent und klar und gilt auch für die Ukraine-Frage.
    Zweitens tritt China für eine gemeinsame, umfassende, kooperative und nachhaltige Sicherheit ein. China ist der Ansicht, dass die Sicherheit eines Landes nicht auf Kosten der Sicherheit anderer Länder gehen sollte, und noch weniger sollte die regionale Sicherheit durch die Stärkung oder gar Ausweitung von Militärblöcken gewährleistet werden. Die legitimen Sicherheitsinteressen aller Länder sollten respektiert werden. Angesichts der fünf aufeinanderfolgenden Runden der NATO-Osterweiterung sollten die legitimen Sicherheitsbedürfnisse Russlands ernst genommen und angemessen berücksichtigt werden.
    Drittens hat China die Entwicklungen in der Ukraine-Frage genau verfolgt. Die derzeitige Situation ist nicht das, was man sich wünscht. Oberste Priorität hat jetzt, dass alle Parteien die notwendige Zurückhaltung üben, um zu verhindern, dass sich die derzeitige Lage in der Ukraine verschlimmert oder gar außer Kontrolle gerät…“ german.beijingreview.com.cn