Schlagwort: Arbeitswelt

  • Oliver Nachtwey: Die Abstiegsgesellschaft

    16.03.2018/EG

    Oliver Nachtwey: Die Abstiegsgesellschaft

    Sachbuch (Arbeitswelt, Gesellschaft, Politik, Ungleichheit)

    Die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs war eines der zentralen Versprechen der »alten« BRD – und tatsächlich wurde es meistens eingelöst: Aus dem Käfer wurde ein Audi, aus Facharbeiterkindern Akademiker. Mittlerweile ist der gesellschaftliche Fahrstuhl stecken geblieben: Uniabschlüsse bedeuten nicht mehr automatisch Status und Sicherheit, Arbeitnehmer bekommen immer weniger ab vom großen Kuchen. Oliver Nachtwey analysiert die Ursachen dieses Bruchs und befasst sich mit dem Konfliktpotenzial, das dadurch entsteht: Selbst wenn Deutschland bislang relativ glimpflich durch die Krise gekommen sein mag, könnten auch hierzulande bald soziale Auseinandersetzungen auf uns zukommen, die heute bereits die Gesellschaften Südeuropas erschüttern. (mehr …)

  • Deutsche Post: Höhere Dividende für Aktionäre – Lohndruck für Mitarbeiter

    13.03.2018/EG

    Deutsche Post AG 2017: Umsatz 60,4 Mrd. Euro (+ 5,4 %) – operatives Ergebnis 3,7 Mrd. Euro (+ 7,2 %) / Zusteller in Deutschland erwarten ‚Anpassung‘ der Arbeitsbedingungen

    Die rund 519.000 Mitarbeiter (Kopfzahl am Jahresende 2017, davon rund 180.000 Vollzeitbeschäftigte in Deutschland) des weltweit* führenden Post- und Logistikkonzerns Deutsche Post DHL Group steigerten im Geschäftsjahr 2017 den Umsatz um 5,4 Prozent auf 60,4 Milliarden Euro und das operative Ergebnis (EBIT) um 7,2 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro.

    Die Deutsche Post AG ist zu 20,7 Prozent im Besitz der KfW Bankengruppe (die ‘Kreditanstalt für Wiederaufbau‘ ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts) und zu 79,3 Prozent im Streubesitz (15,8 % Investoren aus USA, 13,8 % Investoren aus Großbritannien), so die Anteile der Aktien.

    Auszug aus dem Konzernlagebericht zu „Nichtfinanzielle Kennzahlen“, Mitarbeiter: „Wir fördern das Potential unserer Mitarbeiter und bieten ihnen ein wertschätzendes Arbeitsumfeld mit wettbewerbsfähiger Vergütung. (…)“ ↗dpdhl.com

    Nach einem Bericht in der „Welt“ (Springer-Konzern) plant die Konzernführung zum 01. Mai 2018 („Tag der Arbeit“) die Eingliederung der deutschen Brief- und Paketzusteller in ein neues Tochterunternehmen. Die Gewerkschaften DPVKOM und ‘ver.di‘ befürchten mit dem Umbau einen weiteren Lohndruck auf die Mitarbeiter. welt.de

    Die Deutsche Post – vom Staatsbetrieb zur Aktiengesellschaft ↗deutschlandfunk.de.

    *Präsenz in über 200 Ländern

  • Arbeitswelt 2017: Jede dritte offene Stelle ein Leiharbeitsplatz

    06.03.2018/EG aus dem Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM), Remagen

    Stellenerhebung 2017: 32 % der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten offenen Stellen waren von Leiharbeitsbranche

    „Im Jahr 2017 waren bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) jeden Monat durchschnittlich knapp 731.000 freie Stellen gemeldet. Etwa 234.000 von ihnen – 32 Prozent – entfielen dabei auf die Arbeitnehmerüberlassung. Damit war fast jeder dritte über die BA zu besetzende Arbeitsplatz ein Leiharbeitsverhältnis.“ o-ton-arbeitsmarkt.de

  • Arbeitswelt: Das Geschäft mit Leiharbeitskräften steigt ungebremst

    27.02.2018/EG aus der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg

    1993 lag die Zahl der Leiharbeitnehmer bei jahresdurchschnittlich 114.000 – 2017 bei 1,01 Mio.

    BA-Bericht zur aktuellen Entwicklung in der Zeitarbeit:

    „Im gleitenden Jahresdurchschnitt Juli 2016 bis Juni 2017 waren gut eine Million Leiharbeitnehmer in Deutschland sozialversicherungspflichtig oder ausschließlich geringfügig beschäftigt. Der Anteil der Leiharbeitnehmer an der Gesamtbeschäftigung liegt bei knapp drei Prozent.

    Leiharbeitnehmer arbeiten häufiger in Tätigkeiten, die mit einem niedrigen Anforderungsniveau verbunden sind. Mehr als jeder Zweite übt eine Helfertätigkeit aus (alle Beschäftigte: jeder Fünfte).

    Die Mehrzahl der Zeitarbeitnehmer ist männlich und jünger. Personen ohne Berufsabschluss sind anteilig deutlich häufiger vertreten als bei den Beschäftigten insgesamt. Auch der Ausländeranteil ist in der Zeitarbeit höher.

    Die hohe Dynamik der gesamten Zeitarbeitsbranche spiegelt sich auch in einem überdurchschnittlich hohen Risiko, aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung heraus arbeitslos zu werden.

    14 Prozent der Zugänge in Arbeitslosigkeit aus Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt und 19 Prozent der Beschäftigungsaufnahmen erfolgen aus bzw. in die Zeitarbeitsbranche.

    Die Nachhaltigkeit von Beschäftigungsaufnahmen in der Zeitarbeit ist niedriger als im Durchschnitt über alle Branchen. Nach sechs und zwölf Monaten sind 64 Prozent der Arbeitslosen, die aus Arbeitslosigkeit eine Beschäftigung in der Zeitarbeit aufgenommen haben, sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

    Die Bruttoarbeitsentgelte in der Zeitarbeit liegen deutlich unter den im Durchschnitt über alle Branchen erzielten Entgelten.

    Die Zeitarbeitsbranche zeichnet sich durch einen nach wie vor hohen Arbeitskräftebedarf aus.“

    Den kompletten Bericht lesen Sie hier ↗arbeitsagentur.de. Auf Seite 5 werden die Reformen* abgebildet. Im Kontext die Regierungsverantwortung seit der Wiedervereinigung (03.10.1990) im Rückblick:

    • 2013 bis 2017 CDU/CSU und SPD
    • 2009 bis 2013 CDU/CSU und FDP
    • 2005 bis 2009 CDU/CSU und SPD
    • 1998 bis 2005 SPD und Bündnis90/Die Grünen
    • 1982 bis 1998 CDU/CSU und FDP

    *Reform – Bedeutung gemäß DUDEN: planmäßige Neuordnung, Umgestaltung, Verbesserung des Bestehenden (ohne Bruch mit den wesentlichen geistigen und kulturellen Grundlagen).

  • Gesellschaft: Sorgen um den Lebensstandard wachsen

    23.02.2018/EG

    … und die Sorgen sind begründet

    Bettina Kohlrausch, Soziologin an der Universität Paderborn, erforschte das Wahlverhalten von Abstiegsängsten betroffenen Menschen:
    „Je nachdem, welche Dimension man zu Grunde legt, sind zwischen 20 und 50 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung von Abstiegsängsten betroffen. Im Dezember 2016 machten sich ca. 25 Prozent der Befragten große oder sehr große Sorgen um ihre Arbeitsplatzplatzsituation. Immerhin 39 Prozent der befragten Personen gaben an, sich große oder sehr große Sorgen um die eigene finanzielle Situation zu machen. 20 Prozent gingen davon aus, dass sich ihre finanzielle Situation innerhalb der nächsten 3 bis 5 Jahre etwas oder deutlich verschlechtern wird. 49 Prozent machten sich Sorgen oder große Sorgen um ihre finanzielle Situation im Alter. Knapp 47 Prozent sagten, dass die Aussage „Ich befürchte meinen Lebensstandard nicht dauerhaft halten zu können“ eher zutrifft.“ ↗boeckler.de

    Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, veröffentlicht Forschungsarbeit zu Insolvenzen in Deutschland: Von einer Insolvenz betroffene Arbeitnehmer verdienen auch fünf Jahre danach im Schnitt weniger als vor der Insolvenz

    „Die Insolvenz großer Unternehmen ist oft mit dem schlagartigen Verlust vieler Arbeitsplätze verbunden. Das führt meist zu öffentlichen Debatten über die Folgen für die Beschäftigten und über deren Verbleib. Weniger Beachtung finden jedoch die vieltausendfachen Insolvenzen kleinerer Betriebe, die den Großteil solcher Geschäftsaufgaben in Deutschland ausmachen.
    (…)
    Jenseits der unmittelbaren Verluste für die Beschäftigten (etwa nicht gezahlte Löhne), zeigen unsere Analysen, dass Arbeitnehmer auch mittelfristig deutlich von den Folgen eines Beschäftigungsverlusts aufgrund einer Insolvenz betroffen sind. Zunächst weisen diese Personen einen erheblichen Einkommensrückgang auf. Dieser Verlust geht zwar mit der Zeit wieder etwas zurück, er ist aber auch nach fünf Jahren noch nicht wieder wettgemacht. Außerdem sind die betroffenen Arbeitnehmer deutlich häufiger arbeitslos als nicht betroffene.“ iab.de