Kategorie: Allgemein

  • Fachkräften mangelt es an der Bezahlung und nicht an der Zahl?

    29.08.2018/EG aus dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf

    Eric Seils, Sozialwissenschaftler, kritisiert Studien des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zum Fachkräftemangel:

    „Sowohl eine quantitative Analyse der Daten des DIHK als auch qualitative Fallstudien zu den vom DIHK herausgestellten Niedriglohnbranchen zeigen, dass die Klagen der Unternehmer über den Fachkräftemangel ein Ausdruck ihres Bestrebens sind, die Arbeitskosten niedrig zu halten. Ursächlich ist also kein Mangel an Fachkräften, sondern an Zahlungsbereitschaft. Eine Einwanderungspolitik, die den deutschen Niedriglohnsektor mit niedrig entlohntem Personal versorgen soll, ist ökonomisch schädlich und gefährdet die gesellschaftliche Akzeptanz einer tatsächlich wünschenswerten Einwanderung von Fachkräften.“ ↗boeckler.de

    Anmerkung der Redaktion: Die Hans-Böckler-Stiftung ist eine arbeitnehmernahe Einrichtung.

  • Subventionspolitik: Mit Geld die Trockenheit ‘verwässern‘

    25.08.2018/EG aus dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim

    Friedrich Heinemann, Wirtschaftswissenschaftler: „Das falsche Signal der Dürrehilfen ist, dass Gewinne in guten Jahren von den Betrieben internalisiert, Verluste in schlechten Jahren aber sozialisiert werden.“

    „Die zusätzlichen Subventionen für Landwirte in Deutschland sind falsch. Jahr für Jahr erhält die deutsche Landwirtschaft bereits aus dem EU-Haushalt gut fünf Milliarden Euro als Pauschalzahlung, die nicht mit nennenswerten Gegenleistungen verbunden ist. Dies sollte mehr als ausreichend sein, um Ernteschwankungen abzufedern. Die hohe Subventionierung des Sektors über Jahrzehnte hat jedoch eine Anspruchshaltung hervorgebracht, die einzigartig ist.“ ↗zew.de

    Zum Thema

    Die Förderprogramme in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft lesen Sie hier ↗stmelf.bayern.de.

    Den Erntebericht 2018 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) lesen Sie hier ↗bmel.de

    Das aktuelle Hilfsprogramm für die von der Dürre betroffenen Landwirte lesen Sie hier ↗bundesregierung.de.
    „Um Hilfen zu erhalten, müssen Betriebe die beiden Kriterien „Betroffenheit“ und „Bedürftigkeit“ erfüllen, betonte die Bundeslandwirtschaftsministerin in einer Pressekonferenz nach der Sitzung des Kabinetts. Betroffenheit liegt dann vor, wenn der Ertragsrückgang bei mindestens 30 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren liegt. Bedürftigkeit liegt vor, wenn sich die Betriebe in einer existenzbedrohenden Lage befinden. Diese muss durch eine Bedürftigkeitsprüfung nachgewiesen werden.“

  • Die Suche nach den sozialen Elementen in der Wohnungspolitik

    24.08.2018/EG aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), Berlin

    Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erstellte ein Gutachten zum Thema „Soziale Wohnungspolitik“ / Eine Erkenntnis ist, dass es Familien an Kaufkraft mangelt

    „In der öffentlichen Diskussion wird verbreitet die Meinung geäußert, es fehle an „bezahlbarem Wohnraum“. Der Beirat hält dieses Bild für irreführend, da es die Funktion von Preisen als Knappheitsindikatoren außer Acht lässt. Zusätzlich werden zwei unterschiedliche Probleme vermengt und damit deren Lösung erschwert: Zum einen mangelt es in vielen Regionen an Wohnraum, weil die Anreize zur Erstellung und zur Vermietung von Wohnungen zu gering sind. Zum anderen fehlt es vielen Familien an Kaufkraft, um sich eine Wohnung in einem Ballungsgebiet leisten zu können. Dieses zweite Problem ließe sich durch angemessene finanzielle Förderung, die an den individuellen Ausgaben fürs Wohnen ansetzt, deutlich entschärfen.“

    Das Gutachten lesen Sie hier ↗bmwi.de.

  • Buchtipp: Kongo

    24.08.2018/EG

    Éric Vuillard: Kongo

    Erzählung (1884, Europa, Kapitalismus, Afrika, Rohstoffe)

    König Leopold II. initiiert 1884 in Berlin die Kongokonferenz. Jahrzehnte, nachdem das europäische Ringen um Rohstoffe und Land entschieden scheint, fordert der König des Kleinstaats seinen Teil des Kuchens. Er rafft gigantische Teile zentralafrikanischen Regenwalds im heutigen Kongo in seinen Privatbesitz, eine Fläche achtmal so groß wie Belgien. Improvisierend und spärlich besetzt beginnt eine Kolonialherrschaft von ungekannter Brutalität, die das Land bis in die Gegenwart hinein zeichnet. Éric Vuillard macht die Monstrosität der Geschichte Belgisch-Kongos in seinem virtuosen Text spürbar. Er zeigt kleine Brüsseler Beamte, aufgeschwungen zu Dschungelherrschern, die zu Vollstreckern der europäischen Rohstoffgier werden, und er verleiht ihren zahl- und namenlosen Opfern eine Stimme. Mitreißende Erzählung eines der bizarrsten Kapitel der Kolonialgeschichte und rhapsodischer Essay über die Allgegenwart der Gier, ist »Kongo« ein erschreckend lebendiges Zeugnis banaler Grausamkeit und des beginnenden Weltkapitalismus. (mehr …)

  • Wie glaubwürdig wird die Öffentlichkeit informiert?

    18.08.2018/EG aus dem Blog RUBIKON, Mainz

    Ulrich Teusch, Publizist, über Tendenzen in der Arbeit der Medien

    „Im Prinzip ist jedes Medium ein Lückenmedium. Jedes Medium ist angesichts des gigantischen Nachrichtenangebots gezwungen, eine kleine, oft winzig kleine Auswahl zu treffen. Die Frage ist, wie und nach welchen Kriterien diese Auswahl vorgenommen wird.

    (…)

    Manchmal wächst sich das zu Kampagnen aus oder auch zu regelrechter Propaganda. Mein entscheidender Punkt ist nun: Die beschriebenen Phänomene kommen nicht zufällig zustande, sondern sie sind strukturell verankert und interessengeleitet. Das ist auch der Grund für die wachsende Homogenisierung des Mainstreams. Die Nachrichtenauswahl und Kommentierung wird immer ähnlicher und ist bei bestimmten wichtigen Themen kaum noch unterscheidbar.“ ↗rubikon.news