Schlagwort: Politik

  • Ökonomische Prozesse liquidieren die Bildung

    05.01.2019/EG
    Quelle: agora42, Berlin

    Aga Trnka-Kwiecinski, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Donau-Universität Krems, über Deformierungstendenzen in der Bildungslandschaft

    „Das Paradox ist, dass Bildungseinrichtungen einem ökonomischen Denken unterworfen sind, das unsere gesamte Gesellschaft durchzogen hat. Nicht das Lernen als (überaus sinnliches – im Verständnis von „mit allen Sinnen“ zu erfahrendes) Erlebnis steht im Vordergrund, sondern das messbare Ergebnis, das zum Gradmesser des Erfolges wird. Absurderweise sowohl für die Lernenden als auch für die Lehrenden.“ agora42.de

    Zum Thema

    Jochen Krautz, Bildungswissenschaftler, über die Zersetzung von Bildung:

    „Faktisch wird hier jedoch Bildung von ihrem möglichen Renditevolumen abhängig gemacht: Denn was geschieht, wenn Bildung nicht mehr hinreichend Gewinn abwirft? Wird dann nicht mehr in sie investiert? (…) Merkwürdigerweise führen gerade die im Namen „der Wirtschaft“ durch OECD und EU konzipierten und national von großen Wirtschaftsverbänden und Stiftungen forcierten Bildungsreformen zu einem rapiden Verfall von realem Können und Wissen von Schülern und Studierenden. Dies wird mittlerweile gerade aus der Wirtschaft selbst beklagt. Die „kompetenzorientiert“ trainierten Absolventen können schlicht nicht mehr hinreichend lesen, schreiben und rechnen, geschweige denn organisieren und unter Belastung den Überblick behalten. Der Inflation von Abschlüssen entspricht ein Absinken des realen Bildungsniveaus.“ ↗www.kunst.uni-wuppertal.de

  • Sozial ist, was Gemeinschaft pflegt!

    02.01.2019/EG
    Quelle: Blog Norbert Häring

    Norbert Häring, Wirtschaftsjournalist, über ein „Gelbwestenprogramm für Deutschland 2019“

    „Abgeordnete des Deutschen Bundestags, sorgen Sie, im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung, dafür, …:

    • … dass große Unternehmen und Gutverdiener viel Steuern zahlen, kleine Unternehmen und Geringverdiener wenig!
    • …dass die Regierung ihre finanzielle Zwangsjacke ablegt und kein Geld ausgibt, um die Welt zu einem schlechteren Ort zu machen!
    • … dass Kinder unabhängig von der Herkunft faire Lebenschancen haben, niemand ökonomisch aussortiert wird und alle Menschen in Würde leben und alt werden können!
    • … dass auch Geringverdiener und Familien eine anständige Wohnung bekommen können!
    • … dass die Bundeswehr eine reine Verteidigungsarmee und Deutschland eine Friedensmacht wird.
    • … dass Deutschland solidarisch mit ärmeren Ländern in der EU und der Welt und mit Schutzbedürftigen umgeht!
    • … dass alle Bürger, nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land eine angemessene Gesundheitsversorgung bekommen!“

    Den kompletten Beitrag lesen Sie hier ↗norberthaering.de.

    Zum Thema

    Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin):

    „In Deutschland schauen wir mit Unverständnis auf Frankreich und können uns einen solchen Aufstand gegen die Bundesregierung gar nicht vorstellen. Ein ehrlicher Blick auf beide Länder zeigt jedoch, dass die Situation Frankreichs jener in Deutschland erstaunlich ähnlich ist. Die deutsche Politik spielt mit dem Feuer, wenn sie ihre Klientelpolitik fortsetzt und die Abschaffung des Solis und eine wirtschaftlich unsinnige Entlastung der Vermögenden weiterverfolgt.berlinoeconomicus.diw.de

  • Arm trotz Arbeit!

    30.12.2018/EG
    Quelle: Blätter für deutsche und internationale Politik, Berlin

    Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, über die Armut jenseits der Sanktionen

    „Über Jahre priesen CDU, SPD und FDP Hartz IV, das Herzstück der Agenda 2010, als herausragende Reform, die Deutschland als den „kranken Mann Europas“ kurierte und wieder zum echten Champion kürte – dank eines mutigen Kanzlers Gerhard Schröder und der Aufgeschlossenheit der Sozialdemokraten. (…) Die Grünen, die ja maßgeblich Mitverantwortung trugen für die Agenda 2010 und für Hartz IV, hielten sich über viele Jahre mit Lob und Tadel lieber bedeckt und erlitten daher auch – ganz anders als die SPD – nur wenig Reputationsverlust.
    (…)
    Das neoliberale Armen-Bashing lebt von altbekannten Klischees: Arme sind vor allem arbeitslos, ungebildet, wahlweise auch kinderreiche Migranten, die von Stütze leben wollen. Doch ebendieses Bild ist ziemlich ungenau, ja wenn nicht sogar schlichtweg falsch. (…) So finden sich unter Erwerbstätigen mit neun Prozent unterdurchschnittlich viele Arme, man kann es aber auch anders ausdrücken: Fast jeder zehnte Arbeitnehmer ist arm. Sieht man sich die Zahlen genauer an, wird klar: Wir haben kein Problem mit vermeintlich Faulen, sondern mit den Arbeitenden und Rentenbeziehern, die trotzdem arm sind.“ blaetter.de

    Zum Thema

    Den Armutsbericht 2018 des Paritätischen lesen Sie hier der-paritätische.de

    Mindestlohn
    Der ab Januar 2019 gültige Mindestlohn in Höhe von 9,19 Euro pro Stunde ermöglicht ein monatliches Bruttoeinkommen in Höhe von rund 1.500 Euro brutto bzw. 1.100 Euro netto (Bayern/ledig/Steuerklasse I).

    Die Parteien, die im vorgenannten Zeitraum die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik verantworteten:

    • seit März 2018: CDU/CSU/SPD
    • 2013 bis 2018: CDU/CSU/SPD
    • 2009 bis 2013: CDU/CSU/FDP
    • 2005 bis 2009: CDU/CSU/SPD
    • 2002 bis 2005: SPD/DIE GRÜNEN (Umsetzung ‘Agenda 2010‘)
    • 1998 bis 2002: SPD/DIE GRÜNEN
  • Buchtipp: Bereicherung – Eine Kritik der Ware

    28.12.2018/EG

    Luc Boltanski, Arnaud Esquerre: Bereicherung – Eine Kritik der Ware

    Sachbuch (Gesellschaft, Kapitalismus, Medien, Politik, Umwelt, Wirtschaft)

    Museen, Kunst, Luxusgüter, Immobilien, Tourismus – für die Soziologen Luc Boltanski und Arnaud Esquerre sind dies zentrale Felder einer neuen Ökonomie der Anreicherung, die zunehmend unsere Gesellschaften prägt und vor allem der Bereicherung der Reichen dient. In ihrem brillanten Buch, das seit seinem Erscheinen Furore macht, analysieren sie diesen neuen Kapitalismus.

    Sein Ziel ist nicht mehr die industrielle Warenproduktion, die in die Entwicklungs- und Schwellenländer ausgelagert wurde, sondern die Anreicherung von Dingen, die bereits da sind. Der Wert von Waren sinkt normalerweise mit der Zeit, in der Anreicherungsökonomie ist das jedoch umgekehrt: Er steigt. Die Ware – das Kunstwerk, die Uhr, der Urlaubsort oder die Immobilie – wird dabei mit einer bestimmten Geschichte oder Tradition versehen, die sie anreichert. Boltanski und Esquerre verfolgen den Aufstieg dieser neuen Ökonomie, die auf den Industriekapitalismus seit den 1970er Jahren folgt, und zeigen, wie sie von den Medien, den Hochglanzbeilagen und Kunstmagazinen, aber auch von der Politik befördert wird und neue soziale Rollen schafft: Rentiers und Bedienstete, Kreative und Zukurzgekommene. (mehr …)

  • Was hat der Euro mit den Protesten in Frankreich zu tun?

    22.12.2018/EG
    Quelle: Zeit-Fragen, Zürich

    Guy Berger, Hélène Clément-Pitiot, Daniel Fedou, Jean-Pierre Gerard, Christian Gomez, Jean-Luc Greau, Laurent Herblay, Jean Hernandez, Roland Hureaux, Gérard Lafay, Jean-Louis Masson, Philippe Murr, Pascal Pecquet, Claude Rochet, Jean-Jacques Rosa, Jacques Sapir, Henri Temple, Jean-Claude Werrebrouk und Emmanuel Todd (Wissenschaftler und Persönlichkeiten der französischen Gesellschaft) über eine Ursache für die ‘Gelbwesten‘

    „Niemand verbindet die aktuelle Entwicklung der «Gelbwesten» mit dem Scheitern des Euro. Die Verarmung der grossen Mehrheit, dessen offensichtlichstes Zeichen, ist jedoch die direkte Folge der Politik, die ergriffen wurde, um die europäische Einheitswährung um jeden Preis zu retten. Es geht dabei nicht so sehr um die quantitative Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank, die im übrigen für die Produktionssteigerung wenig effektiv ist, sondern um die Haushaltspolitik der Steuer­erhöhungen und der Kürzung der öffentlichen Investitionen, die von der Brüsseler Kommission überall gefordert werden. Sie haben zwar dazu geführt, dass die Aussenhandelsbilanz einiger Defizitländer wiederhergestellt wurde. Dies war jedoch nur möglich auf Kosten einer «inneren Abwertung», das heisst einer drastischen Einkommenssenkung, verbunden mit einer massiven Reduktion der Inlandsnachfrage. Sie haben somit zu einem dramatischen Produktionseinbruch in den meisten südeuropäischen Ländern und einer sehr hohen Arbeitslosigkeit geführt, trotz eines massiven Exodus der dynamischen Kräfte dieser Länder.“ ↗zeit-fragen.ch

    Zum Thema

    Für zehn von 19 Euro-Länder war der Handel mit EU-Mitgliedsländer, im Zeitraum Januar bis Oktober 2018, defizitär. ec.europa.eu

    Zum Euroraum (ER19) gehören Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Griechenland, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien und Zypern.

    Für 17 von 28 EU-Länder war der Handel mit EU-Mitgliedsländer, im Zeitraum Januar bis Oktober 2018, defizitär. ec.europa.eu

    Zur Europäischen Union (EU28) gehören Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Griechenland, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich und Zypern.