Schlagwort: Ungleichheit

  • Buchtipp: Ausgrenzungsapparat Schule

    03.09.2021/EG

    Stefan Wellgraf: Ausgrenzungsapparat Schule
    Wie unser Bildungssystem soziale Spaltungen verschärft

    Sachbuch (Bildungspolitik, Bildungssystem)

    „Wieso werden Ungleichheitsverhältnisse auch von jenen reproduziert, die sie eigentlich überwinden wollen? Basierend auf Feldforschungen an Berliner Schulen schildert Stefan Wellgraf die subtilen Ausgrenzungsmechanismen, die hinter dem Rücken der Akteurinnen politisch wirksam werden. Muslimische Jugendliche sollen »integriert« werden, doch der institutionelle Umgang mit Differenz führt zu neuen Verwerfungen. Lehrerinnen müssen Bildungshierarchien durchsetzen, ohne emanzipative pädagogische Ideale zu verraten. Schulreformen scheitern und es entstehen projektartige Formen des sozialen Engagements an »Problemschulen«, die sich jedoch in grundlegenden Widersprüchen verfangen. Dies macht deutlich, dass es nicht die einzelnen Personen sind, sondern der Ausgrenzungsapparat Schule selbst, der soziale Spaltungen verschärft – obwohl er als vorgebliches Ziel gerade deren Überwindung propagiert.“

    Autor

    Stefan Wellgraf (PD Dr.), geb. 1979, arbeitet im Rahmen einer Heisenbergförderung am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin. Er studierte Sozial- und Kulturwissenschaften in Berlin und Frankfurt/Oder und war anschließend Kollegiat am Graduiertenkolleg »Berlin-New York« an der TU Berlin. Er war Visiting Scholar an der New York University und der Goldsmith University London. Weitere Stationen führten ihn als wissenschaftlichen Mitarbeiter an das Johann Jacobs Museum in Zürich und an die Universität Hamburg.

    transcript Verlag, ISBN: 978-3-8376-5307-6, Buch, 242 Seiten, 20 Euro

  • Ungleichheit/Steuer: Vermögende fordern Besteuerung

    20.08.2021/EG
    Quelle: TaxMeNow Bewegungsstiftung, Verden

    Initiative Vermögender setzt sich für eine höhere Besteuerung von Millionenvermögen ein:

    Auszug: „Wir sind Vermögende und setzen uns für eine höhere Besteuerung von Vermögen ein, um mehr Chancen, Teilhabe und Zukunftsinvestitionen für alle zu ermöglichen. Unabhängig davon, ob wir durch Arbeit, Erbschaft, Unternehmertum oder Kapitalanlage zu Vermögen gekommen sind, rufen wir zu Reformen in fünf Bereichen auf:

    Wiedereinführung der Vermögenssteuer für Millionen- und Milliardenvermögen

    Begrenzung von Ausnahmen für Betriebsvermögen und anderen Sonderregelungen bei der Erbschafts- und Schenkungssteuer

    Progressive Steuersätze statt Einheitssatz bei der Kapitalertragssteuer

    Eine Vermögensabgabe für Millionen- und Milliardenvermögen falls aufgrund der Schuldenbremse staatliche Aufgaben nicht finanziert werden können

    Striktere Regeln gegen Steuervermeidung und -hinterziehung und bessere Ausstattung der Steuerbehörden“

    Weitere Informationen lesen Sie hier ↗taxmenow.eu.

  • Buchtipp: Es gibt kein Grundrecht auf unbegrenztes Eigentum

    13.08.2021/EG

    Dieter Drabiniok: Es gibt kein Grundrecht auf unbegrenztes Eigentum
    Anregung zur Einführung eines Existenzmaximums

    Sachbuch (Demokratie, Einkommen, Kapitalismus, Politik, Umwelt, Ungleichheit, Wirtschaft)

    „Klimawandel, Corona-Verschuldung und wachsende soziale Ungleichheit bedrohen schon jetzt den sozialen Frieden, die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit – und darüber hinaus die Lebensgrundlagen künftiger Generationen. Eine wirksame politische Reaktion ist dringend nötig. Das Konzept einer Obergrenze für das Lebenseinkommen ist neu und ungewöhnlich, weil es ein demokratisch zu beschließendes Existenzmaximum mit der natürlich begrenzten Lebenszeit der Bürgerinnen und Bürger verknüpft.
    Damit unterscheidet es sich von anderen Vorschlägen wie gedeckelten Monats- oder Jahresgehältern von Topverdienern, begrenzten Managerboni oder höheren Erbschafts- oder Vermögenssteuern. Das Konzept setzt bei der Ursache des Wachstumszwanges an: dem überschüssigen Geld der Vermögenden, dem »freien Kapital«, das sich durch Kapitalanlagen und Investitionen stetig vermehren soll. Ziel des Konzeptes ist es, dieses »freie Kapital« zu reduzieren und dadurch die Wachstumsdynamik und deren negative Folgen zu bremsen. Das Konzept ist verfassungskonform, verstößt nicht gegen das Recht auf Eigentum und akzeptiert soziale Ungleichheit bis zu dieser Obergrenze.“

    Autor

    Dieter Drabiniok, geboren 1954 in Bottrop (NRW). Nach Hauptschulabschluss und Abschluss einer Maurerlehre engagierte er sich ab 1977 gegen Umweltzerstörung und Wachstumswirtschaft. Er ist Gründungsmitglied der Partei Die Grünen und zog für sie 1983 in den Deutschen Bundestag ein und war ihr verkehrspolitischer Sprecher. Ab 1986 bereitete er die Gründung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) e. V. vor, für den er nach der Bundestagszeit bis 1990 als Vorstandsreferent arbeitete. Parteipolitisch ist er nicht mehr aktiv. Er ist Mitglied der Gewerkschaften IG Metall und ver.di. Sein politisches Lebensmotto lautet: Resignation ist keine Alternative.

    Oekom Verlag, ISBN: 978-3-96238-319-0, Buch, 63 Seiten, 9 Euro

  • Immobilienmarkt Deutschland: Wohnkosten versus Renditeobjekt

    09.08.2021/EG
    Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin

    Immobiliennutzung in Deutschland: „Wohlhabende profitieren von zahlreichen Steuerprivilegien“

    Auszug, Seite 3: „Die oberen zehn Prozent der Bevölkerung nennen rund 55 Prozent des gesamten Nettovermögens ihr Eigen. Die unteren 50 Prozent kommen lediglich auf knapp 1,5 Prozent. Noch stärker fällt die Konzentration der Immobilienvermögen ins Gewicht: Für die Top-Zehn-Prozent beläuft sich das durchschnittliche Immobilienvermögen auf mehr als 450 000 Euro pro Person, in der unteren Hälfte sind dies kaum 10 000 Euro. Die Immobilienmarkthausse der vergangenen Jahre hat diese Konzentration weiter ansteigen lassen. Gleichzeitig ist die Belastung vieler Haushalte durch Mietzahlungen in den letzten Jahren deutlich gestiegen und vor allem der Wohnungsmarktzugang der untersten Einkommensschichten durch einen immer kleiner werdenden Sozialwohnungsbestand erschwert. Für diese Haushalte ist es doppelt schwer Ersparnisse, geschweige denn Immobilienvermögen, aufzubauen.“

    Den Bericht lesen Sie hier ↗diw.de.

    Zum Thema

    „Soziale Ungleichheiten spiegeln sich in den Wohnverhältnissen: Haushalte mit weniger Einkommen wohnen in kleineren Wohnungen, haben kaum Zugang zu modern ausgestatteten Neubauwohnungen und wohnen häufiger zur Miete. Besonders ausgeprägt sind prekäre Wohnbedingungen bei Alleinerziehenden, Haushalten mit Migrationshintergrund und Mieter*innen mit niedrigen Bildungsabschlüssen. Wohnen verstärkt die sozialen Ungleichheiten, weil Haushalte mit geringen Einkommen eine höhere Mietbelastung haben und die Resteinkommen nach der Mietzahlung eine noch größere Spreizung aufweisen als die ohnehin bestehenden Einkommensungleichheiten.“

    Die Studie lesen Sie hier ↗boeckler.de

  • Buchtipp: Vertraute Welt

    06.08.2021/EG

    Hwang Sok-Yong: Vertraute Welt

    Roman (Demokratie, Einkommen, Kapitalismus, Politik, Umwelt, Ungleichheit, Wirtschaft)

    „Am Rand der südkoreanischen Metropole Seoul liegt die »Blumeninsel«, eine gigantische Müllhalde, Lebensgrundlage und Wohnstätte einer Kolonie von Habenichtsen und Ausgestoßenen, die dort ihre Claims abgesteckt haben. Unentwegt durchkämmen sie den frischen Abfall der boomenden Stadt nach Verwertbarem. Hier landet der Held des Romans, der 13-jährige »Glupschaug«, zusammen mit seiner Mutter, nachdem sein Vater von der Regierung in ein »Umerziehungslager« gesteckt wurde. Es ist kein tiefer Fall, denn sie kommen aus den wuchernden Slums der Mega-City, wo seine Mutter Straßenhändlerin ist. Glupschaug hat die Schule abgebrochen und geht seiner Mutter zur Hand, für die sich ein in der Hackordnung weit oben stehender Müllhaldenbewohner interessiert. Dieser »Baron« ist dem Helden unsympathisch, eine verhasste Stiefvaterfigur. Mit »Glatzfleck«, dem Sohn des Barons, freundet sich Glupschaug jedoch an und lernt von ihm alles, was …“

    Vertraute Welt ist eine Kritik an der modernen Wegwerfgesellschaft, in der Menschen ebenso aussortiert werden wie der tägliche Abfall.

    Autor

    Hwang Sok-yong wurde 1943 im damaligen Mandschukuo (heute China) geboren. Die Auseinandersetzung mit der politischen Unterdrückung und ökonomischen Ausbeutung durch die militant antikommunistische Regierung Südkoreas sollte ab den frühen 1970er-Jahren kennzeichnend für sein Werk werden. Wegen Verstoßes gegen das „Sicherheitsgesetz“ wurde er 1993 in Seoul zu sieben Jahren Haft verurteilt, 1998 vom neugewählten Präsidenten Kim Dae-jung begnadigt. Eine Verarbeitung des Gefängnisaufenthalts ist der Dissidentenroman Der ferne Garten (1999). Seither hat Hwang in einer Reihe von Romanen seine bisherigen Interessen mit dem Thema der internationalen Migration verknüpft, während er gleichzeitig verstärkt auf Stoffe und Motive aus der vormodernen koreanischen Erzähltradition zurückgreift. Hwang wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet.

    Europaverlag, ISBN: 978-3-95890-303-6, Buch, 208 Seiten, 22 Euro