Buchtipp: Pillen vor die Säue

26.03.2021/EG

Rupert Ebner, Eva Rosenkranz: Pillen vor die Säue
Warum Antibiotika in der Massentierhaltung unser Gesundheitssystem gefährden

Sachbuch (Gesundheit, Landwirtschaft, Tierwohl, Politik, Umweltschutz)

„Es ist, als liefen wir sehenden Auges in die Katastrophe: Um unseren Fleischhunger zu stillen, müssen möglichst viele Tiere auf möglichst wenig Raum möglichst rasch »Schlachtgewicht« erreichen – und das geht nur mit hohem Antibiotikaeinsatz. Dies ist nicht nur den Tieren, den Landwirten und der Umwelt gegenüber unverantwortlich; es beschleunigt auch die Entwicklung resistenter Keime und gefährdet damit die gesamte Humanmedizin: Ohne die bisherige Wunderwaffe in Tropf und Tablette werden Operationen riskant und selbst kleine Infektionen potenziell gefährlich.
Wie verwundbar wir und unser Gesundheitssystem sind, hat uns die Corona-Pandemie eindrücklich vor Augen geführt. Damit bakterielle Infektionen nicht zur nächsten globalen Gesundheitskrise werden, müssen wir umsteuern. Rupert Ebner und Eva Rosenkranz zeigen, was jetzt geschehen muss – für mehr Tierwohl, gesunde Menschen und eine intakte Umwelt.“

Autoren

Rupert Ebner praktiziert seit Jahrzehnten in einer Gemeinschaftspraxis für Tiere in der Landwirtschaft und ist dadurch Zeuge besorgniserregender Entwicklungen im Umgang mit Nutztieren. Der studierte Tiermediziner war lange Zeit Vizepräsident der Bayerischen Landestierärztekammer. Er war Umwelt- und Gesundheitsreferent von Ingolstadt und ist bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft aktiv. Zudem ist er Mitorganisator der alljährlichen Berliner Demo »Wir haben es satt« und Schatzmeister von Slow Food Deutschland.

Eva Rosenkranz ist Literaturwissenschaftlerin. Seit Langem beschäftigt sich die preisgekrönte Autorin und Lektorin mit Naturschutz, Biodiversität und Landwirtschaft. In ihrer Heimatgemeinde engagiert sie sich daher für Insektenschutz und den Erhalt natürlicher Lebensräume. Ihre Erfahrungen hat sie in den Büchern »Das große Insektensterben« (gemeinsam mit Andreas Segerer; ausgezeichnet mit dem Salus-Medienpreis 2019) und »Überall ist Garten« (Deutscher Gartenbuchpreis 2020) zu Papier gebracht.

Oekom Verlag, EAN: 978-3-96238-206-3, E-Buch, 256 Seiten, 16 Euro

Umweltschutz: Nahrungsmittelkonsum belastet

27.01.2021/EG
Quelle: Umweltbundesamt, Dessau

„Von der Welt auf den Teller“ / Studie zur globalen Umweltinanspruchnahme unseres Lebensmittelkonsums

Die aktuelle Kurzstudie des Umweltbundesamtes „Von der Welt auf den Teller“ befasst sich mit den weltweit umweltbelastenden Faktoren unseres Lebensmittelkonsums und verdeutlicht diese Einflüsse am Beispiel eines 50-Euro-Einkaufs im Verbrauchermarkt:

  • „44 Quadratmeter landwirtschaftliche Fläche für den Anbau von Lebensmitteln und von Futtermitteln, die für Schweine, Rinder und Geflügelbenötigt werden.
  • 23.000 Liter Wasser – das entspricht einem Tanklastzug, der zu zwei Dritteln befüllt ist. Ein Teil des Wassers wird in trockenen Regionen verbraucht, wo Wassermangel herrscht.
  • 32,5 Kilogramm klimaschädliche Treibhausgas-emissionen. Die Emissionen entsprechen etwa einer PKW-Fahrt von Stuttgart nach München.
  • 140 Gramm Ammoniakemissionen, die vor allem bei der Düngung und Tierhaltung auftreten. Ammoniakemissionen schädigen Land- und Wasserökosysteme (z.B. durch Versauerung oder Nährstoffanreicherung). Ammoniak ist bei der Entstehung anderer Luftschadstoffe beteiligt.
  • Hinzu kommen weitere Schadstoffemissionen für den 50-EUR-Lebensmitteleinkauf: 40 Gramm Stickoxide, die u.a. durch Düngemittel entstehen. Außerdem 12 Gramm an Feinstaub (PM2,5). Beide Luftschadstoffe können zu Atemwegserkrankungen beim Menschen führen.“

Anregungen, um den belastenden ‘Fußabdruck‘ zu verringern:

  • „Möglichst regional und saisonal einkaufen. Wenn möglich, sollte heimisches Obst und Gemüse Vorrang haben.
  • Beim Kauf auf Nachhaltigkeitssiegel achten. Billig ist nicht immer gut.
  • Weniger Fleisch- und Milchkonsum. Vorschlag: leckere vegetarische Gerichte probieren und sich bewusst fleischfreie Tage vornehmen.
  • Nur so viel kaufen, wie wir verzehren, und das verzehren, was wir gekauft haben. Weggeworfene Lebensmittel sind auch aus Umweltsicht teuer erkauft.
  • Ordnung im Kühlschrank und in der Küche. Kostet nichts, bringt aber viel.“

Die Kurzstudie lesen Sie hier umweltbundesamt.de.

Buchtipp: Fleisch

15.01.2021/EG

Christian Kassung: Fleisch
Die Geschichte einer Industrialisierung

Sachbuch (Ernährung, Konsum, Tiere, Wirtschaft)

„Roh, gekocht, kalt, heiß, fettig oder mager – Fleisch ist heute überall und jederzeit verfügbar. Die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Fleisch als Konsumware unterscheidet unsere Moderne von allen vorherigen Epochen. Wer verstehen will, warum und wie wir Fleisch essen, muss ins Berlin des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Hier erlangte Fleisch jene Selbstverständlichkeit, die im Zentrum der aktuellen Ernährungsdebatten steht.
Christian Kassung beschreibt in diesem Buch die Kulturtechniken der industriellen Schweinefleischproduktion von der Zucht, der Haltung, der Schlachtung bis hin zur Distribution und Zubereitung. Er schildert, wie erst durch die Verschränkung einer Vielzahl industrieller Prozesse und Technologien die energiereiche Ernährung der arbeitenden Bevölkerung sichergestellt werden konnte. Der Fleischkonsum wurde damit im großstädtischen Alltag so stark wirksam, dass unser kulinarisches System dadurch bis heute geprägt ist. All dies fügt sich zu einer Geschichte des Überflusses zusammen – und regt zum Nachdenken über die historischen Bedingungen unserer eigenen Ernährungskultur an.“ „Buchtipp: Fleisch“ weiterlesen

Gesundheit: Zahl der Diabeteserkrankten steigt

26.11.2020/EG
Quellen: Barmer, Berlin / Wissenschaftliches Institut der AOK, Berlin / AOK, Düsseldorf

2019 waren 7,66 Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes Typ 1 und 2 erkrankt / „Materiell und sozial benachteilige Menschen erkranken häufiger an Typ-2-Diabetes als Menschen mit einem hohen sozialen Status“

Wie aus dem Diabetes-Atlas der Barmer hervorgeht, leiden in Deutschland 9,21 Prozent bzw. 7,66 Millionen Menschen (Stand 2019) unter Diabetes Typ 1 und 2. Im Jahr 2014 lag die Zahl der Diabeteserkrankten bei 6,89 Millionen Menschen bzw. 8,48 Prozent der Bevölkerung. barmer.de

Zum Thema

Aus dem AOK-Gesundheitsreport der AOK Rheinland/Hamburg:
„9,3 Prozent der Hartz-IV-Empfänger oder deren Familienangehörige bekamen eine Diabetes-Diagnose, aber nur 5,6 Prozent der Berufstätigen oder deren Familienangehörige. Soziale Ungleichheit beeinflusst also nachweislich die Gesundheit. Dies zeigt sich auch bei anderen chronischen Erkrankungen wie Asthma oder Adipositas.“ aok.de

Gesundheitsatlas Deutschland: Diabetes mellitus Typ 2
Aus der Zusammenfassung: Nahezu jeder zwölfte Einwohner in Deutschland betroffen / Ältere Menschen häufig von Typ-2-Diabetes betroffen / Östliche Bundesländer stärker betroffen / Landbevölkerung stärker betroffen als Stadtbewohner / Regionen mit mehr materieller und sozialer Benachteiligung stärker betroffen / Regionen mit hoher Adipositashäufigkeit stärker betroffen
Materiell und sozial benachteilige Menschen erkranken häufiger an Typ-2-Diabetes als Menschen mit einem hohen sozialen Status.“
Den Gesundheitsatlas Deutschland des Wissenschaftlichen Institutes der AOK lesen Sie hier wido.de.