Video-Tipp zur Sozialstaatsdebatte

18.02.2019/EG
Quelle: ARD alpha, München

Friedhelm Hengsbach, emeritierter Wirtschaftswissenschaftler, Sozialethiker und Jesuit, über die ‘Soziale Marktwirtschaft‘ und andere Mythen

„Es gibt heute eine Initiative von der Wirtschaft, aber auch von den Parteien, von der CDU jedenfalls, CSU, eine neue soziale Marktwirtschaft zu erzeugen und das bedeutet, dass die sehr stark ein marktradikales Erbe übernommen hat: Der Markt hat Vorrang vor der Sozialleistung, die Geldsphäre hat Vorrang vor der Realwirtschaft und die Privatwirtschaft hat Vorrang vor der Bereitstellung öffentlicher Güter. Das sind drei Optionen die wirklich – ich meine – marktradikal sind und die haben sich eingenistet in das was früher einmal ‘Soziale Marktwirtschaft‘ genannt werden konnte.“ br.de (Minute 4:56)

Zum Thema

Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)

Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH „ist eine branchen- und parteiübergreifende Plattform und offen für alle, die sich dem Gedanken der Sozialen Marktwirtschaft verbunden fühlen. Finanziert wird ihre Arbeit durch die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie.“ Vorsitzender des Kuratoriums ist Wolfgang Clement, 2002 bis 2005 Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit. insm.de

EU: Handel unter Ungleichen

17.02.2019/EG
Quelle: Eurostat, statistisches Amt der Europäischen Union, Luxemburg

Handelsbilanz der EU-Staaten 2018: Deutschlands Exportüberschuss sank gegenüber 2017 um 7,7 Prozent auf 232,8 Milliarden Euro / 64 % der EU-Mitgliedstaaten und 63 % der Euroländer meldeten Importüberschüsse (Handelsdefizite)

Europäische Union (28 Mitgliedstaaten)

Wie das statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat) mitteilt, stiegen Deutschlands Warenausfuhren im Jahr 2018, gegenüber 2017, um 3,0 Prozent auf 1.321,2 Milliarden Euro. Damit betrug Deutschlands Exportanteil an allen 28 EU-Mitgliedstaaten (5.469,2 Mrd. Euro) 24,2 Prozent. 18 von 28 EU-Mitgliedstaaten (64,3 %) meldeten Handelsdefizite.

Euroraum (19 Mitgliedstaaten)

Die Warenausfuhren des Euroraums summierten sich im Jahr 2018 auf 4.218,2 Milliarden Euro. Hier belief sich Deutschlands Exportanteil (1.321,2 Mrd. Euro) auf 31,3 Prozent. 12 von 19 Euroländer (63,1 %) meldeten Handelsdefizite. Von den 12 konnten fünf Staaten ihre Handelsdefizite reduzieren.

Die komplette Mitteilung lesen Sie hier↗europa.eu.

Zum Thema

„Der Welthandel ist ein Nullsummenspiel, bei dem die Überschüsse des einen die Defizite des anderen sind.“↗makronom.de

„Ungesunder Überschuss“↗boeckler.de

„Das süße Gift der Exportüberschüsse“↗makronom.de

IMK-Report zur Rolle der Nominallöhne für die Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse ↗boeckler.de

Buchtipp: Solidarismus

15.02.2019/EG

Rudolf Diesel: Solidarismus
Natürliche wirtschaftliche Erlösung des Menschen

Sachbuch (Arbeitswelt, Gesellschaft, Kapitalismus, Markt, Ungleichheit, Wirtschaft)

Dass Rudolf Diesel (1858-1913) ein begnadeter Ingenieur war, ist Allgemeinwissen. Dass er auch ein bedeutender Vordenker einer Sozialreform war, ist nahezu unbekannt. 1903 erschien sein Buch „Solidarismus“ in einer Auflage von 10.000 Exemplaren, von denen nur wenige hundert verkauft wurden. Heute sind davon gerade mal 5 Exemplare in Bibliotheken erhalten, in Antiquariaten fehlt das Buch komplett. Im Gegensatz zum wissenschaftlichen Sozialismus von Marx/Engels, der auf Abschaffung des Privateigentums, Enteignung und Vergesellschaftung abzielte, wollte Diesel durch neue Wege Kapital aufbauen und neue soziale Bedingungen schaffen. Ohne Gewalt und Zwang basiert sein Modell auf Freiwilligkeit und auf der Überzeugungskraft seiner ökonomischen Berechnungen. Diesel hoffte auf Unterstützung durch die Gewerkschaftsbewegung, wurde aber enttäuscht.
Um den Tod Diesels ranken sich heute noch die unterschiedlichsten Gerüchte. Freitod ist die offizielle Version, Ermordung durch die Ölmafia oder Marktkonkurrenten meinen andere. Auf jeden Fall werden sich für seine Ideen alle interessieren, die heute ein Bürgergeld fordern, bzw. eine gerechtere Gesellschaftsordnung jenseits des globalen Raubkapitalismus anstreben. Weiterlesen

Mindestlohn oder wie niedrig eine Arbeitsstunde entlohnt werden darf

14.02.2019/EG
Quelle: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf

WSI Mindestlohnbericht 2019: Regierungen in Luxemburg, Frankreich, Niederlande, Irland und Belgien verpflichten Arbeitgeber zu einer höhere Mindestentlohnung als die Bundesregierung

In Deutschland wurde der Mindestlohn zum 01.01.2019 um nominal 4,0 Prozent (real 2,1 Prozent) auf 9,19 Euro pro Stunde erhöht. Deutschland ist das einzige Land in der EU, in dem nur alle zwei Jahre eine Erhöhung vorgesehen ist.

„Der deutsche Mindestlohn ist auch gemessen am allgemeinen Lohnniveau im Land moderat. Das zeigt ein Blick auf den Medianlohn. Hierzulande entsprach der Mindestlohn 2017, dem letzten Jahr, für das internationale Vergleichsdaten vorliegen, knapp 48 Prozent des Medianlohns. 12 EU-Länder kamen auf höhere Werte, darunter Portugal, Polen, Großbritannien oder Luxemburg. Weit vorne im EU-Vergleich rangiert Frankreich, wo die Untergrenze bei 61,8 Prozent des Medians liegt.“ boeckler.de

Arbeitslosigkeit 2017: Fiskalische Kosten sinken auf neuen Tiefstand

13.02.2019/EG
Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg

Fiskalische Kosten sanken 2017 auf 53,1 Milliarden Euro (- 4,5 %)

„Die Arbeitslosigkeit verursacht nicht nur höhere staatliche Ausgaben, sie führt wegen des niedrigeren Steueraufkommens und der geringeren Sozialbeiträge auch zu Mindereinnahmen bei den Gebietskörperschaften (Bund, Länder und Gemeinden) sowie den Trägern der gesetzlichen Sozialversicherung (Rentenversicherung, Kranken- und Pflegekassen, Bundesagentur für Arbeit).
Die fiskalischen Kosten der Arbeitslosigkeit hatten mit 53,1 Milliarden Euro im Jahr 2017 zwar eine erhebliche Größenordnung; sie erreichten aber zugleich einen neuen Tiefstand.
Angesichts der besonders deutlich gesunkenen Kosten der Bundesagentur für Arbeit konnten vor allem die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung stark gesenkt werden: von 6,5 Prozent im Jahr 2006 auf 3,0 Prozent seit 2011 und zuletzt ab Januar dieses Jahres noch einmal um 0,5 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent.“ iab-forum.de