Abbau staatlicher Substanz fördert Ungleichheit

17.04.2018/EG

Führende Wirtschaftswissenschaftler stellen ‘Bericht zur weltweiten Ungleichheit 2018‘ vor: Nichts tun kann zu politischen, wirtschaftlichen und sozialen Katastrophen führen / Öffentliches Kapital (Staatliche Substanz) nimmt ab – privates Kapital nimmt zu

„Hauptursache der ökonomischen Ungleichheit ist die ungleiche Verteilung von Kapital, das sich entweder in privater oder in öffentlicher Hand befinden kann. Wir zeigen, dass seit 1980 in fast allen Ländern – reiche Industrieländer genauso wie Schwellenländer – riesige Mengen an öffentlichem Vermögen in private Hände transferiert wurden. Während das Volksvermögen also stark gestiegen ist, liegt das öffentliche Vermögen in den reichen Ländern heute nahe Null oder im negativen Bereich. Dadurch verringert sich der Spielraum der Regierungen, der Ungleichheit entgegenzuwirken; in jedem Fall hat es wichtige Implikationen im Hinblick auf die Vermögensungleichheit zwischen Individuen.“ wid.world

Steuer-Debatte: Den Habenden wird gegeben!

13.04.2018/EG aus der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Berlin/Paris

OECD-Berichte: Besteuerung bevorzugt wohlhabende Steuerzahler – auch in Deutschland / Höhere Besteuerung von Vermögen und Erbschaften sinnvoll

OECD-Studie ‘Taxation of Household Savings‘: Die Analyse der Vermögensstrukturen über Einkommen und Vermögen hinweg zeigt, dass die unterschiedlich starke Besteuerung der verschiedenen Vermögensarten wohlhabendere Steuerzahler bevorzugt. So neigen ärmere Steuerzahler dazu, einen größeren Anteil ihres Vermögens auf relativ hoch besteuerten Bankkonten zu halten. Wohlhabendere Steuerzahler investieren hingegen tendenziell in Investmentfonds, Pensionsfonds und Aktien, die oft einer vergleichsweise niedrigen Besteuerung unterliegen. oecd.org (Zusammenfassung OECD-Länder) oecd.org (Zusammenfassung Deutschland)

Die OECD-Studie ‘The Role and Design of Net Wealth Taxes in the OECD‘ untersucht inwieweit Steuern auf Vermögen – sowohl gegenwärtig als auch historisch – im gesamten OECD-Raum genutzt werden und wurden. Der Bericht bewertet, inwiefern Vermögenssteuern helfen, staatliche Einnahmen zu erzielen und Ungleichheiten zu verringern und wägt dazu Pro- und Contra-Argumente ab. Demnach wären in Ländern mit hohen Aufkommen aus der Einkommenssteuer, einschließlich Kapitalgewinnsteuern und effektiv gestalteten Erbschafts- und Schenkungssteuern, kaum Vermögenssteuern erforderlich sind. Dagegen könnte in Ländern, in denen die Besteuerung von Kapitaleinkünften hingegen gering ist oder Erbschaftssteuern nicht erhoben werden, eine stärkere Besteuerung von Vermögen jedoch sinnvoll sein. oecd.org

Buchtipp: Reich und Arm

13.04.2018/EG

Joseph Stiglitz: Reich und Arm
Die wachsende Ungleichheit in unserer Gesellschaft

Sachbuch (Gesellschaft, Ungleichheit)

Ungleichheit, so zeigt Nobelpreisträger Joseph Stiglitz eindrucksvoll, ist kein unausweichliches Schicksal, sondern Folge falscher politischer Entscheidungen. Es liegt somit an uns allen, gegen die Spaltung unserer Gesellschaft zu kämpfen. Mit „Reich und Arm” beweist Stiglitz erneut, dass er nicht nur ein brillanter Ökonom, sondern auch ein scharfsinniger politischer Denker ist, der unermüdlich für eine gerechtere Verteilung des Wohlstands kämpft.

Dass die Ungleichheit in unserer Gesellschaft ständig wächst, ist das Ergebnis einer seit Jahren fehlgeleiteten Politik – das weist Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz in diesem Buch anhand vieler Beispiele nach. Er zeigt, wo falsche Entscheidungen getroffen wurden und welche Risiken die wachsende Ungleichheit birgt. Und er sagt, was wir, jene 99 Prozent der Bevölkerung, denen die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in Reich und Arm schadet, gegen diese Entwicklung tun können. Das vorliegende Buch versammelt die einflussreichsten Texte von Joseph Stiglitz aus den letzten Jahren. Wer über die wachsende Ungleichheit in unserer Gesellschaft mitdiskutieren will, wird an Reich und Arm nicht vorbeikommen. Weiterlesen

Mietpreis-Debatte: Wenn nicht einmal das Durchschnittseinkommen reicht

10.04.2018/EG aus der Hans Böckler Stiftung, Düsseldorf

Studie vergleicht Einkommen und Mieten in 77 deutschen Großstädten und verdeutlicht den substanziellen Investitionsbedarf durch Bundes- und Landesregierungen

„In den 77 deutschen Großstädten fehlen gut 1,9 Millionen bezahlbare Wohnungen, darunter etwa 1,4 Millionen günstige Apartments unter 45 Quadratmetern für Einpersonenhaushalte. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie. Gemessen an den finanziellen Möglichkeiten der lokalen Bevölkerung besteht ein besonders großer Mangel an bezahlbarem Wohnraum einerseits in einwohnerstarken Städten mit vielen Niedrigverdienern (etwa Berlin, Leipzig, Dresden), andererseits in Großstädten mit hohem Mietniveau (z.B. München, Stuttgart, Düsseldorf). Konkret fehlen in Berlin mit rund 310.000 bundesweit die meisten bezahlbaren Wohnungen. Es folgen Hamburg mit einer Lücke von 150.000, Köln mit 86.000 und München mit 78.000 Wohnungen. Doch selbst in Großstädten mit relativ kleinen „Versorgungslücken“ wie Moers, Wolfsburg, Koblenz oder Ulm überschreitet der Bedarf an günstigen Wohnungen das Angebot jeweils um mehrere tausend. Schaut man auf die Bundesländer, ist das Defizit im bevölkerungsstärksten Land Nordrhein-Westfalen mit knapp 550.000 Wohnungen am größten, gefolgt von Berlin, Bayern (rund 192.000), Baden-Württemberg (rund 156.000), Niedersachsen (110.000) und Sachsen (105.000).“ boeckler.de

Zum Thema

Stefan Sell, Sozialwissenschaftler, über den Mangel an bezahlbarem Wohnraum aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de

Vorschriften zur Einheitsbewertung für die Bemessung der Grundsteuer verfassungswidrig bundesverfassungsgericht.de

Über den Mythos „Die geplante Grundsteuerreform ist ungerecht, führt zu massiven Steuererhöhungen und trifft vor allem die Mieter“ steuermythen.de

Ungleichheit: Sozialer Status beeinflusst Gesundheit

04.04.2018/EG aus dem Robert Koch-Institut (RKI), Berlin

RKI-Studie zur gesundheitlichen Ungleichheit in Deutschland: Hohe Armutsrisiko- oder Arbeitslosenquote geht mit einer niedrigeren mittleren Lebenserwartung einher

„Eine Verringerung der gesundheitlichen Ungleichheit wird vor allem dann zu erreichen sein, wenn dem vorzeitigen Erkrankungs- und Sterberisiko in den sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen effektiv entgegengewirkt wird. Dazu bedarf es präventiver und gesundheitsfördernder Maßnahmen, die auch und insbesondere die sozial Benachteiligten erreichen und so früh wie möglich ansetzen, also bereits rund um die Geburt sowie im frühen Kindes- und Jugendalter. Bewährt haben sich in dieser Hinsicht vor allem Interventionen, die auf eindeutig definierte Bevölkerungsgruppen ausgerichtet sind (Zielgruppenorientierung), die Lebensbedingungen und Problemlagen der angesprochenen Gruppen berücksichtigen (Settingbezug) sowie die Zielgruppen und beteiligten Einrichtungen und Akteure in die Planung, Durchführung und auch Bewertung der Maßnahmen einbeziehen (Partizipation).

Trotz positiver Entwicklungen, wie zum Beispiel der Verabschiedung des 2015 in Kraft getretenen Gesetzes zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (Präventionsgesetz – PrävG) und der Kontinuität von Kooperationsverbünden wie ‘Gesundheitliche Chancengleichheit‘ oder ‘gesundheitsziele.de‘ ist festzustellen, dass in Deutschland die Entwicklung einer umfassenden politischen Handlungsstrategie zur Verringerung der gesundheitlichen Ungleichheit noch aussteht. Einige andere Länder sind hier weiter, wie zum Beispiel Großbritannien oder Schweden.“ rki.de

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.

Zum Thema

15,7 Prozent der Einwohner in Deutschland sind laut Sozio-ökonomischen Panel (SOEP, Datenstand 2015) in der sogenannten Armutsrisikogruppe. armuts-und-reichtumsbericht.de.

Was bedeutet relative Einkommensarmut? boeckler.de

Studie der Northwestern University Feinberg School of Medicine: Ein plötzlicher Vermögensverlust im mittleren oder höheren Alter ist mit einem deutlich höheren Sterberisiko verbunden. jamanetwork.com