Ökonomik: Gefangene im Glauben an ‘den Markt‘

11.02.2018/EG

Staatliche Eingriffe verhinderten den kompletten wirtschaftlichen Zusammenbruch und doch huldigen Marktfundamentalisten noch immer dem ‚Gesetz‘ von Angebot und Nachfrage

„Wieso hat sich nach der Krise so wenig in der Wirtschaftswissenschaft verändert? Diese Frage beantworten Walter Otto Ötsch, Stephan Pühringer und Kathrin Hirte. Die Wissenschaftler von der Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues beziehungsweise der Universität Linz haben sich die Inhaber von Ökonomie-Lehrstühlen genauer angeschaut. Ihr Datensatz umfasst gut 780 Professoren – und wenige Professorinnen –, die zwischen 1954 und 1994 in der Bundesrepublik einen Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre innehatten. Die Suche nach Gemeinsamkeiten und Verbindungslinien förderte ein bis in die unmittelbare Nachkriegszeit zurückreichendes “Netzwerk von Marktfundamentalisten“ zutage. Dabei handelte es sich häufig um besonders einflussreiche Professoren.
(…)
Über Lobby-Einrichtungen und Thinktanks wie den Kronberger Kreis oder die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft sei das marktfundamentale “Denkkollektiv“ eng verbunden, schreiben die Autoren. Dass die Marktfundamentalisten sehr gut vernetzt seien, habe sich beispielhaft vor der Bundestagswahl 2005 gezeigt, als fast 250 Wirtschaftsprofessoren den sogenannten Hamburger Appell unterschrieben – ein Plädoyer für mehr Niedriglohnbeschäftigung, Deregulierung sowie die Kürzung öffentlicher Ausgaben und Sozialleistungen.“ boeckler.de

Umfrage: Jeder vierte Haushalt ohne Ersparnisse

09.02.2018/EG aus der ING-DiBa AG, Frankfurt am Main

ING-DiBa-Umfrage: Im ‘Land der Sparer‘ verfügen 27 % über keinerlei Rücklagen

„Wie schon im Vorjahr weist Deutschland auch jetzt hinter Rumänien den zweithöchsten Anteil an Befragten ohne jegliche Ersparnisse auf. Dabei liegen in den meisten Umfrageländern und auch im Durchschnitt die Werte etwas niedriger als noch 2016. Das gilt auch für Deutschland: War es Ende 2016 noch fast ein Drittel, so lag der Anteil ohne Ersparnisse ein Jahr später noch bei rund 27 Prozent.
(…)
Ersparnisse verhelfen nicht nur im Ruhestand zu einer komfortableren Situation, als dies mit Rentenansprüchen alleine der Fall wäre, sondern erfüllen auch eine Pufferfunktion für unvorhergesehene Ausgaben oder den Fall eines Arbeitsplatzverlustes. Dass die stärkste Volkswirtschaft Europas nach mehreren Jahren des Aufschwungs noch immer einen der höchsten Anteile von Verbrauchern ohne jegliche Rücklagen aufweist, sollte zu denken geben.“ ing-diba.de

Zum Thema

Geldvermögen der privaten Haushalte im dritten Quartal 2017 erreicht fast 5,8 Billionen Euro oder 70.300 Euro je Einwohner in Deutschland. bundesbank.de

Aus dem Koalitionsvertrag zwischen den Parteien CDU, CSU und SPD:

„Ein neuer Zusammenhalt für unser Land“
„Wir wollen, dass der Wohlstand bei allen Menschen ankommt.“ (Zeile 20)
„Wir werden die Probleme anpacken, welche die Menschen in ihrem Alltag bewegen, und setzen uns mutige Ziele für die nächsten vier Jahre.“ (Zeile 34)
„Den sozialen Zusammenhalt in unserem Land wollen wir stärken und die entstandenen Spaltungen überwinden.“ (Zeile 40)

Die Regierungsverantwortung seit der Wiedervereinigung (03.10.1990) im Rückblick:

  • 2013 bis 2017 CDU/CSU und SPD
  • 2009 bis 2013 CDU/CSU und FDP
  • 2005 bis 2009 CDU/CSU und SPD
  • 1998 bis 2005 SPD und Bündnis90/Die Grünen
  • 1982 bis 1998 CDU/CSU und FDP

Buchtipp: Was tun

09.02.2018/EG

Christiane Grefe / Gabriele von Arnim / Susanne Mayer / Elke Schmitter / Evelyn Roll: Was tun
Demokratie versteht sich nicht von selbst

Sachbuch (Demokratie, Gesellschaft)

Ein Buch für Unentschlossene und Entschlossene, die etwas tun wollen, aber nicht wissen, was und wie genau.

Ein Gefühl geht um in Europa: die Demokratie ist in Gefahr!

Nationalisten sind auf dem Vormarsch, und viele Bürger erleben zum ersten Mal, dass die liberale Demokratie keineswegs so selbstverständlich ist, wie man immer geglaubt hat, sondern ein fortwährender Prozess. Etwas, das man schützen, bewahren und mit Energie versorgen muss. Aber wie?

Fünf renommierte Journalistinnen geben in diesem kompakten Buch eine Antwort aus fünf unterschiedlichen Perspektiven. Ein Crash-Kurs in Staatsbürgerkunde, der mit Analysen, Informationen, Argumenten und Erfolgsgeschichten die Leser motiviert, sich für die Demokratie stark zu machen.
Gabriele von Arnim schreibt einen Liebesbrief an die Demokratie. Christiane Grefe erzählt davon, wie durch die Globalisierung Staat und Politik zugunsten der Wirtschaft so geschwächt wurden, dass viele Bürger das Vertrauen verloren haben. Aber das ist kein Naturgesetz: Wenn Bürger Druck machen, müssen Regierungen das Gemeinwohl wieder stärken. Elke Schmitter erinnert an demokratische Utopien, die schon vorhanden sind, man hat sie nur aus dem Auge verloren. Evelyn Roll zeigt, wie überlebenswichtig es für die Demokratie ist, eine Lüge wieder eine Lüge zu nennen, und wie man Realität und Erfindung auseinanderhalten kann. Und Susanne Mayer erzählt von positiven und gelungenen Beispielen demokratischen Engagements. Weiterlesen

Gesellschaft: Ärmer als propagiert

07.02.2018/EG aus der RUHR UNIVERSITÄT BOCHUM

Studie: Soziale Ungleichheit in Deutschland größer als gedacht – Bisherige Messmethoden habe die Schere zwischen Arm und Reich drastisch unterschätzt

„Die soziale Ungleichheit in Deutschland ist größer als bislang angenommen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Bochumer Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler um Prof. Dr. Notburga Ott und Prof. Dr. Martin Werding, die die Bertelsmann-Stiftung beauftragt hatte.
(…)
Ihre Analyse der vergangenen 25 Jahre ergab, dass in Deutschland lebende Paare mit einem Kind oder mehreren Kindern überwiegend einen niedrigeren Wohlstand hatten als Paare ohne Kind. 13 Prozent der Paare mit einem Kind sind nach der neuen Berechnung aktuell armutsgefährdet, bei Paaren mit zwei Kindern sind es 16 Prozent, mit drei Kindern 18 Prozent.
Gerade für Alleinerziehende ergibt die neue Methode drastisch andere Werte als die OECD-Skala: Liegt das Armutsrisiko für Alleinerziehende nach der OECD-Methode derzeit bei 46 Prozent, sind es nach der Bochumer Berechnung 68 Prozent.“ rub.de

Studie: IWF und Weltbank verzerren Ratings nach politischer Interessenlage

06.02.2018/EG aus dem Blog ÖKONOMENSTIMME, Zürich

Valentin F. Lang, Wirtschaftswissenschaftler, über die zweifelhafte Objektivität von IWF und Weltbank

„Unsere empirische Analyse zeigt, dass es sich hierbei überdurchschnittlich häufig um die außenpolitischen Freunde der USA handelt. Die Ratings von Ländern, die in außenpolitischen Fragen häufig einer Meinung mit den USA sind – was wir durch die Ähnlichkeit des Abstimmungsverhalten in der UN-Generalversammlung messen können – werden besonders oft durch manuelle Überstimmung verbessert.“ oekonomenstimme.org