Buchtipp: Entwertung

07.09.2018/EG

Raj Patel, Jason W. Moore: Entwertung
Eine Geschichte der Welt in sieben billigen Dingen

Sachbuch (Arbeit, Gesellschaft, Konsum, Leben, Umwelt, Wirtschaft)

Wir sind in einem Zeitalter angekommen, in dem der Mensch verschwinden könnte – und mit ihm die Welt, die er so gnadenlos ausbeutet. Denn was ist heute für uns nicht billig und schnell zu haben – auf Kosten der vielen Menschen, die weniger privilegiert sind als wir? Wir ruinieren unsere Erde, wenn wir nicht schleunigst kooperative Wege des Zusammenlebens und Wirtschaftens finden und den westlichen Raubtierkapitalismus bändigen. Das ist die Botschaft des Ökonomen Raj Patel und des Historikers Jason W. Moore. In sieben Kapiteln widmen sie sich jeweils einem Aspekt dieser Entwertung der Welt: Natur wird ebenso entwertet wie Geld, Arbeit, Pflege, Nahrung, Energie und Leben. So eindrücklich wie umfassend schildern sie, dass die Krisen unserer Zeit in Wirklichkeit eine einzige Krise sind und dass diese einen langen Vorlauf in der Geschichte hat. Wenn heute billige Arbeitskräfte billige Chlorhühnchen zu billigen Chickenwings verarbeiten, dann ist das, wie sie exemplarisch schildern, ein zerstörerisches Wirtschaftsprinzip, das sich über Jahrhunderte herausgebildet hat.

Patel und Moore führen vor Augen, dass es an der Zeit ist, diese Entwicklung zu durchbrechen und unser Wirtschafts- und Sozialsystem anders zu denken, wenn wir unsere Welt verstehen und damit bewahren wollen. Weiterlesen

Buchtipp: Bittere Orangen

16.02.2018/EG

Gilles Reckinger: Bittere Orangen
Ein neues Gesicht der Sklaverei in Europa

Sachbuch (Flüchtlinge, Gesellschaft, Konsum, Wirtschaft)

Auf Lampedusa hat man sie an Land gehen sehen, erschöpft und traumatisiert von der Flucht. Viele der Menschen aus afrikanischen Ländern, die ihre Hoffnung auf ein freies Leben in Europa gesetzt hatten, sind nie aus Italien herausgekommen. Sie stecken fest in einer neuen Sackgasse: den süditalienischen Orangenplantagen. Während ihrer Asylverfahren stehen Geflüchtete in Italien ohne Papiere und ohne Rechte buchstäblich auf der Straße. Die nahen Plantagen sind oft ihre einzige Chance auf einen Job. Offen verachtet von der Bevölkerung, untergebracht in Slums und fern jeder medizinischer Versorgung pflücken sie 12 Stunden am Tag Orangen. Für 150 Euro im Monat – sofern sie das Glück haben, morgens auf dem „Arbeitsstrich“ aufgelesen zu werden. Weiterlesen

Wie geht es uns denn heute?

12.11.2017/EG aus der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Peris/Berlin

OECD-Report ‘Gesundheit im Überblick 2017‘ weist auffällige Daten für Deutschland auf: Hoher Alkoholkonsum, hoher Tabakkonsum, hohe Adipositasrate, hoher Verbrauch an Blutdrucksenkern und Mangel an Pflegekräften

Am Freitag (10.) veröffentlichte die OECD den Report ‘Gesundheit im Überblick 2017‘. In dem Report werden ausgewählte Risikofaktoren der OECD-Staaten dargestellt, auch die Risikofaktoren in Deutschland:

Legale Drogen

Obwohl in den letzten Jahren Fortschritte bei der Verringerung ungesunder Verhaltensweisen erzielt wurden, liegen die Rauchentwicklung (21%) und der Alkoholkonsum (11 Liter pro Jahr) immer noch über dem OECD-Durchschnitt.

Adipositas

Die Adipositasraten (ab BMI 30) sind gestiegen und liegen über dem OECD-Durchschnitt für Erwachsene (D: 23,6% / OECD: 19,4%) und 15-Jährige (D: 16% / OECD: 15,6%).

Pflege

Obwohl die Zahl der Pflegekräfte in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen hat, liegt sie derzeit noch unter der Quote der Pflegekräfte vieler anderer OECD-Länder. So liegt die Quote in Deutschland bei 5,1 Arbeitnehmern je 100 Personen ab 65 Jahren. In Schweden und Norwegen liegt die Quote bei 12 bzw. 13 Arbeitnehmern je 100 Personen ab 65 Jahren.

Blutdrucksenkende Arzneimittel

In keinem Land gab es zwischen 2010 und 2015 eine größere Steigerung bei der Verschreibung blutdrucksenkender Medikamente wie in Deutschland. oecd.org

Umfassende Daten zur Gesundheits-Statistik 2017 finden Sie hier oecd.org.

Billigflieger: Auf Kosten anderer

11.10.2017/EG aus dem Medium Blätter für deutsche und internationale Politik, Berlin

Anne Britt Arps, Redakteurin, über das billige Fliegen auf Kosten der Beschäftigten, der Umwelt und Sicherheit

„Um Arbeitskosten einzusparen, betreiben Billigairlines wie Ryanair ein regelrechtes Sozialdumping: Sie nutzen die unterschiedlichen Steuer-, Sozial- und Arbeitsgesetze der EU-Mitgliedstaaten gezielt zu ihren Gunsten aus. Durch komplizierte Vertragskonstruktionen umgeht Ryanair so nicht nur den Arbeitgeberanteil für die Sozialabgaben seiner Mitarbeiter, sondern auch das Arbeitsrecht der Länder, in denen die Crews eingesetzt sind. So beschäftigt das Unternehmen einen Großteil seiner 3500 Piloten nicht selbst, sondern über eine irische Leiharbeitsfirma. Doch auch diese stellt die Piloten nicht an, sondern…“ blaetter.de

Drogen bzw. Genussmittel – Kosten bzw. Steuereinnahmen

29.09.2017/EG

Rauchen: Einnahmen durch Tabaksteuer in Höhe von 14 Mrd. Euro stehen gesamtwirtschaftliche Schäden in Höhe von 79 Mrd. Euro gegenüber / Alkohol: 3 Mrd. Euro Steuereinnahmen stehen Schäden bis 40 Mrd. Euro gegenüber / Ökonomische Kosten durch Cannabiskonsum werden auf rund eine Mrd. Euro geschätzt

Der Konsum von Genussmitteln hat den Kassen von Bund und Ländern im Jahr 2016 Steuereinnahmen in Höhe von insgesamt 18,4 Milliarden Euro eingebracht. Im Jahr 2016 wurden über die Tabaksteuer 14,2 Milliarden Euro (77 % Anteil an den Steuereinnahmen) eingenommen. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, wurden weitere 4,2 Milliarden Euro mit anderen Genussmittelsteuern eingenommen: Branntweinsteuer 2,1 Milliarden Euro, Kaffeesteuer 1,0 Milliarden Euro, Biersteuer (Ländersteuer) 0,7 Milliarden Euro, Steuer auf Schaumwein beziehungsweise Zwischenerzeugnisse (wie zum Beispiel Sherry) 0,4 Milliarden Euro. destatis.de

Auszug aus dem Drogen- und Suchtbericht 2017 (Seite 30): „Nach aktuellen Schätzungen belaufen sich die direkten Kosten für die Versorgung von Krankheiten und Gesundheitsproblemen im Zusammenhang mit dem Rauchen auf 25,4 Milliarden Euro jährlich. Die direkten Kosten unter Einbeziehung von Erwerbsunfähigkeit, Frühberentung und Todesfällen wurden auf 53,7 Milliarden Euro jährlich geschätzt, sodass von einem gesamtwirtschaftlichen Schaden von insgesamt 79,1 Milliarden Euro auszugehen ist (Deutsches Krebsforschungszentrum, 2015; Effertz, 2015).“ drogenbeauftragte.de

Auszug aus dem Drogen- und Suchtbericht 2017 (Seite 41): „Die Summe aus direkten und indirekten Kosten des Alkoholkonsums in Deutschland wird je nach Berechnungsansatz auf 26 bis 40 Milliarden Euro jährlich geschätzt (Adams & Effertz, 2011; Effertz, 2015).“ drogenbeauftragte.de