Buchtipp: Bittere Orangen

16.02.2018/EG

Gilles Reckinger: Bittere Orangen
Ein neues Gesicht der Sklaverei in Europa

Sachbuch (Flüchtlinge, Gesellschaft, Konsum, Wirtschaft)

Auf Lampedusa hat man sie an Land gehen sehen, erschöpft und traumatisiert von der Flucht. Viele der Menschen aus afrikanischen Ländern, die ihre Hoffnung auf ein freies Leben in Europa gesetzt hatten, sind nie aus Italien herausgekommen. Sie stecken fest in einer neuen Sackgasse: den süditalienischen Orangenplantagen. Während ihrer Asylverfahren stehen Geflüchtete in Italien ohne Papiere und ohne Rechte buchstäblich auf der Straße. Die nahen Plantagen sind oft ihre einzige Chance auf einen Job. Offen verachtet von der Bevölkerung, untergebracht in Slums und fern jeder medizinischer Versorgung pflücken sie 12 Stunden am Tag Orangen. Für 150 Euro im Monat – sofern sie das Glück haben, morgens auf dem „Arbeitsstrich“ aufgelesen zu werden. Weiterlesen

Video-Tipp: Angst vor dem Fremden?

12.12.2017/EG aus dem ZWEITEN DEUTSCHEN FERNSEHEN (ZDF), Mainz

Richard David Precht, Philosoph, spricht mit Ilija Trojanow, Schriftsteller, über die Angst vor dem Fremden

„Menschen bewerten andere Menschen nicht gleich, sondern empfinden starke Unterschiede zwischen eigen und fremd, zugehörig und nicht zugehörig. Ist die Angst vor dem Fremden also ganz natürlich? Und was sagt Fremdenfeindlichkeit letztendlich über unser Verhältnis zum Eigenen aus?“ zdf.de

Migration in Zahlen

22.11.2017/EG

Ausländeranteil 2015: Offenbach am Main (Stadt) 33,6 Prozent, Berlin 15,5 Prozent, Landkreise Elbe-Elster (Brandenburg) und Hildburghausen (Thüringen) jeweils 1,9 Prozent

Die interaktive Karte zum Ausländeranteil in den Regionen sehen Sie hier destatis.de.

Umfassende Informationen zur Migration lesen Sie hier mediendienst-integration.de.

Flüchtlingsdebatte: Höchststand von Aufenthaltstiteln in der EU

16.11.2017/EG

2016 wurden in der EU etwa 3,4 Mio. Aufenthaltstitel an Nicht-EU-Bürger erteilt

Im Jahr 2016 registrierten Großbritannien (865.894/davon 183.867 US-Amerikaner, 122.075 Inder und 103.248 Chinesen), Polen (585.969/davon 512.552 Ukrainer) und Deutschland (504.849/davon 221.440 Syrer) die meisten sogenannten erstmals erteilten Aufenthaltstitel* innerhalb der 28 EU-Staaten.

Ein gänzlich anderes Verteilungsbild stellen die Aufenthaltstitel im Verhältnis zur jeweiligen Landesbevölkerung dar: Malta 20,6 erstmals erteilte Aufenthaltstitel je 1.000 Einwohner, gefolgt von Zypern 19,9 und Polen 15,4. In Deutschland wurden 6,1 erstmals erteilte Aufenthaltstitel je 1.000 Einwohner ausgestellt. ec.europa.eu.

*Ein Aufenthaltstitel ist jegliche Art der Genehmigung, welche mindestens drei Monate gültig ist und von den Behörden der Mitgliedstaaten für einen Nicht-EU-Bürger Drittstaatenangehöriger) für einen legalen Aufenthalt auf dem nationalen Staatsgebiet ausgestellt wurde.

Im Jahr 2016 stellten insgesamt 745.545 Menschen in Deutschland einen Asylantrag, davon waren 722.370 Erstanträge. Die Hauptherkunftsländer waren Syrien, Afghanistan und Irak. Zwischen Januar und Oktober 2017 wurden 187.226 Asylanträge gestellt, davon 167.573 Erstanträge. Ergänzende Daten lesen Sie hier mediendienst-integration.de.

Flüchtlingsdebatte: Grenzwertiges Rechtsverständnis nationaler Regierungen

09.10.2017/EG aus dem Medium VERFASSUNGSBLOG, Berlin

Nula Frei, Rechtswissenschaftlerin, und Constantin Hruschka, Rechtswissenschaftler, über die aktuelle Zusammenarbeit mit Drittstaaten zur Verhinderung ‚illegaler’ Migration

„Bei den aktuell für die Verhinderung der Migration auf der zentralen Mittelmeerroute im Fokus stehenden Staaten, in denen die Schutzsuchenden stattdessen festgehalten werden sollen, ist nicht davon auszugehen, dass sie diese Vorgaben für sichere Drittstaaten erfüllen:

  • Dem Tschad bescheinigt der letzte UN-Bericht aus dem Jahr 2014, dass «Folter allgemein von der Polizei und den Verteidigungs- und Sicherheitskräften eingesetzt wird, die dabei besonders brutale und grausame Methoden benutzen»;
  • In Niger erkennt der letzte UN-Bericht zur Situation von Frauen eine Kultur der Sklaverei („wahaya“) und beklagt gleichzeitig die geringen Strafverfolgungs- und Verurteilungsraten von Menschenhändlern;
  • Libyen wiederum weist derzeit kaum staatliche Strukturen auf. Faktisch kämpfen Milizen um die Vorherrschaft; Opfer der Auseinandersetzungen sind auch Migrantinnen und Migranten, die sich in das Land begeben. Zahlreiche Berichte, der jüngste davon vom UNO-Generalsekretär, belegen, dass Migrierende in Libyen schwerster Arbeits- und sexueller Ausbeutung sowie Misshandlung ausgesetzt sind.

(…)

Rechtlich kann also von einem Völkerrechtsverstoß durch die europäische Finanzierung ausgegangen werden. Auch die praktische Bilanz der bisherigen Politik ist verheerend:
Die Zahl der Schutzsuchenden, die auf dem Weg nach Europa gestorben sind, ist deutlich gestiegen, während die Zahl derjenigen, die in Europa Schutz gefunden haben, deutlich zurückgegangen ist. So wurden in absoluten Zahlen im Jahr 2016 fast zwei Drittel weniger ‚illegale’ Einreisen nach Europa registriert als im Jahr 2015; die Zahl der Asylgesuche in den EU+-Staaten (EU 28 plus Norwegen und Schweiz) ging zwischen dem ersten Halbjahr 2016 und dem ersten Halbjahr 2017 um mehr als die Hälfte zurück, während die Zahl der Flüchtlinge weltweit mit über 17 Millionen auf ein Rekordniveau gestiegen ist. Insgesamt ist also der Anteil der Europäischen Staaten am globalen Flüchtlingsschutz gesunken.“ verfassungsblog.de