Flüchtlingswelle gestoppt – Ein außenpolitischer Pyrrhussieg

11.09.2017/EG aus der NRO Ärzte ohne Grenzen, Berlin/Tripolis

Offener Brief von Joanne Liu, Internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen, an die Staats- und Regierungschefs der EU

„Ich habe in der vergangenen Woche mehrere dieser Internierungslager besucht – und wir wissen, dass diese offiziellen Zentren nur die Spitze des Eisberges darstellen. Menschen werden wie Waren behandelt, die man ausbeuten kann. Sie werden in dunkle, schmutzige und stickige Räume gepfercht, in denen sie oft so wenig Platz haben, dass sie aufeinanderliegen müssen. (…) Frauen werden vergewaltigt und dann gezwungen, ihre Familien zu Hause anzurufen und von ihnen Geld zu verlangen, damit sie freikommen. Alle, mit denen ich geredet habe, fragten mich mit Tränen in den Augen immer wieder, wann sie freigelassen würden. Ihre Verzweiflung war überwältigend.“ aerzte-ohne-grenzen.de

Zum Thema

Flüchtlingshilfswerk der UN (UNHCR) plant Aufnahmezentrum für maximal 1.000 Flüchtlinge in Libyen. dw.com

Flüchtlingsdebatte: Route Mittelmeer

29.07.2017/EG aus dem Mediendienst Integration, Berlin

113.026 Menschen haben seit Anfang des Jahres Europa über die zentrale Mittelmeer-Route erreicht, davon 94.642 Italien*

Sollte sich der aktuelle Trend fortsetzen, würden im Gesamtjahr 2017 rund 210.000 Menschen Italien über die zentrale Mittelmeer-Route erreichen. Obwohl die Zahl der Ankünfte in Italien im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 17 Prozent gestiegen ist, ging die Zahl der Todesfälle im zentralen Mittelmeer zurück. IOM beziffert den Rückgang auf 12,6 Prozent, UNHCR sogar auf 26 Prozent. Dass weniger Menschen sterben, sei zum Großteil auf die Arbeit der NGOs zurückzuführen, sagt das Forschungteam „Forensic Oceanography“: Je stärker die Präsenz der NGO-Schiffe im Mittelmeer, desto weniger Todesfälle wurden gemeldet. Bis April 2017 haben die NGO-Schiffe rund ein Drittel aller Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet. Bisher, im Zeitraum 01.01. bis 28.07.2017, haben 2.378 Menschen die Reise über das Mittelmeer nicht überlebt oder werden vermisst. mediendienst-integration.de

*unhcr.org

Flüchtlingsdebatte: Seenotrettung geht im Wahlkampf unter

19.07.2017/EG aus der NRO Ärzte ohne Grenzen, Berlin

Seenotrettung im Mittelmeer: Ärzte ohne Grenzen weist Vorwürfe als bittere Scheindebatte zurück

Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland, zu den Vorwürfen von Bundesinnenminister Thomas de Maizière und weiteren europäischen Politikern:

„Es handelt sich hier um eine Scheindebatte, die unglaublich bitter ist, denn sie geht am eigentlichen Problem völlig vorbei und lenkt vom Versagen der europäischen Staaten bei der Seenotrettung ab. Anstatt die Rettung von Menschen im Mittelmeer zu unterstützen, attackiert Innenminister Thomas de Maizière die zivilen Seenotretter ohne irgendeinen konkreten Beleg für seine Behauptungen. Weiterlesen

Politik behindert Rettungsmaßnahmen im Mittelmeer

05.07.2017/EG aus der NRO Ärzte ohne Grenzen, Berlin

Ärzte ohne Grenzen: „Wir beobachten, dass unsere lebensrettende Hilfe im Mittelmeer immer stärker durch unbelegte Vorwürfe von Staatsanwälten und politische Stellungnahmen diskreditiert wird“

Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland: „Innenminister de Maizière und seine Amtskollegen ignorieren komplett das humanitäre Desaster, das sich derzeit in Libyen und im Mittelmeer abspielt. Die Menschen, die wir im Mittelmeer aus Seenot retten, berichten von willkürlichen Inhaftierungen, Vergewaltigungen und absolut rechtlosen Zuständen. Selbst in den offiziellen Internierungslagern in Libyen, in denen unsere Teams medizinische Hilfe leisten, herrschen untragbare Zustände. (…) Wir erwarten von den EU-Innenministern und den Staats- und Regierungschefs, dass sie endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und für eine ausreichende staatliche Seenotrettung sorgen. (…) Wir beobachten, dass unsere lebensrettende Hilfe im Mittelmeer immer stärker durch unbelegte Vorwürfe von Staatsanwälten und politische Stellungnahmen diskreditiert wird.“ aerzte-ohne-grenzen.de

Alternativen zum EU-Türkei-Abkommen

23.03.2017/EG aus dem Mediendienst Integration, Berlin

Drei internationale Migrationsforscher skizzieren Alternativen

Petra Bendel, Professorin für Politikwissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg:
„Der EU-Türkei-Deal bietet keine nachhaltige Lösung zur Frage, wie Europa mit dem Zuzug von Flüchtlingen umgehen kann. Eine zukunftsfähige EU-Flüchtlingspolitik müsste vier Ebenen berücksichtigen: 1. Auf internationaler Ebene muss sich die EU noch stärker für einen „Globalen Pakt für Flüchtlinge“ einsetzen. Wir brauchen eine globale Verantwortungsteilung. 2. Kooperiert die EU mit Drittstaaten wie …“ mediendienst-integration.de