Wirtschaftswachstum wirkt tief

25.06.2019/EG
Quelle: Blätter für deutsche und internationale Politik, Berlin

Ulrich Roos, Akademischer Rat an der Universität Augsburg, plädiert für eine intervenierende Sozialwissenschaft

„Viele Ökonomen scheinen zudem aus dem Blick verloren zu haben, dass Märkte nicht voraussetzungslos unter Bedingungen von Pareto-Gleichgewichten operieren, sondern politischen Machtmechanismen, dem Streben nach Kartellbildung oder der Beeinflussung politischer Entscheidungen zugunsten von bestimmten Marktteilnehmern unterworfen sind. Daher ist es notwendig, Märkte immer wieder auf ihre gesellschaftlich intendierten und nicht-intendierten Handlungsfolgen zu überprüfen und gegebenenfalls politisch zu regulieren. (…).
Die Saat der Demokratiekrise besteht wohl nicht allein in der ökonomischen Ungleichheit, sondern in einer damit korrelierenden Krise der politischen Bildung. Wer die Vorgänge einer komplexen Welt nicht versteht und sich zugleich ökonomisch von den staatlichen Institutionen nicht vertreten fühlt, neigt kaum zur Verteidigung der repräsentativen Demokratie.“ blaetter.de

Zum Thema

Werner Vontobel, Autor und Wirtschaftsjournalist:
50 Jahre nach dem „Wirtschaftswunder“ und nachdem sich die Produktivität noch einmal verdreifacht hat, führt Deutschland unter dem Stichwort Hartz-IV eine Hungerlohndebatte. Da ist etwas gründlich schiefgelaufen. oekonomenstimme.org

Amin Schäfer, Politikwissenschaftler an der Universität Münster: Vortrag an der Uni Witten/Herdecke „Politische Gleichheit – das uneingelöste Versprechen der Demokratie
youtube.de

Arbeit: Vom Kostenfaktor zum Produkt

25.06.2019/EG
Quelle: Blog Ökonomenstimme der Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

Werner Vontobel, Autor und Wirtschaftsjournalist, über die prekäre Arbeitswelt in Deutschland

„In Deutschland sind die Produktivität und die realen Stundenlöhne von 1950 bis 1980 im Gleichschritt etwa um den Faktor 4.5 bzw. um jährlich 5% gestiegen. Gleichzeitig purzelten die Arbeitszeiten förmlich nach unten. Statt anfänglich zwei, gab’s 1980 schon 6 Wochen Ferien, Mitte der 1960er Jahre wurden in der Druck- und in der Metallindustrie schon die 40-Stundenwochen eingeführt.“ oekonomenstimme.org

Jeder Fünfte in atypischer Beschäftigung

24.06.2019/EG
Quelle: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf

WSI-Forscher Helge Baumann und Eric Seils untersuchten die Erosion normaler Arbeitsverhältnisse

„Die atypische Beschäftigung hat in den vergangenen Jahrzehnten stark an Bedeutung zugenommen. Seit einigen Jahren stagniert der Anteil der atypischen Beschäftigung an den Kernerwerbstätigen jedoch auf einem hohen Niveau. Was kann getan werden? Generell hat sich in den letzten Jahren ein Trend entwickelt, wonach Frauen seltener geringfügigen Beschäftigungen und Teilzeitbeschäftigungen mit 20 oder weniger Wochenstunden nachgehen. Teilzeitbeschäftigungen über 20 Stunden werden von den Frauen hingegen in zunehmenden Maße ausgeübt. Angesichts der in Zukunft zu erwartenden Verknappung des Arbeitsangebotes liegt es nahe, den Trend zu längeren Arbeitszeiten teilzeitbeschäftigter Frauen durch politische Maßnahmen zu flankieren. Ein weiterer Ausbau der Kinderbetreuung wäre dazu sicherlich geeignet.“ boeckler.de

Atypische Beschäftigte sind abhängig Beschäftigte, deren Haupttätigkeit mindestens eine der folgenden Eigenschaften aufweist:

  • Teilzeitbeschäftigung bzw. geringfügige Beschäftigung mit 20 oder weniger Stunden
  • befristete Beschäftigung
  • Beschäftigung in Leiharbeit

Ergänzung am 25.06.2019 zum Thema

Daten zu befristeten Beschäftigungsverhältnissen im Zeitraum 1998 bis 2018 bundestag.de

Einzelhandel profitiert von subventionierter Beschäftigung

13.06.2019/EG
Quelle: Deutscher Bundestag, Berlin

Einzelhandelsbranche beschäftigte 2018 rund 3 Millionen Menschen, darunter etwa 65.000 Aufstocker* / 2014 arbeiteten durchschnittlich 36,6 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel für einen Niedriglohn / 2018 waren nur noch 22 Prozent der Einzelhandelsbetriebe an Tarifverträgen gebunden

„Der Beschäftigungsstatistik der BA nach gab es im Juni 2018 rund 3,06 Millionen Beschäftigte (sozialversicherungspflichtig und ausschließlich geringfügig Beschäftigte) im Einzelhandel, davon waren 651 000 bzw. 21,3 Prozent ausschließlich geringfügig beschäftigt (siehe Tabelle 2 im Anhang). Erwerbstätige erwerbsfähige Leistungsberechtigte sind Regelleistungsberechtigte in der Grundsicherung für Arbeitsuchende, die Arbeitslosengeld II beziehen und zugleich über zu berücksichtigendes Einkommen aus abhängiger Erwerbstätigkeit und/oder über verfügbares Einkommen aus selbständiger Tätigkeit verfügen. Die Zahlen der erwerbsfähigen Leistungsberechtigen (ELB) und der erwerbstätigen ELB werden in der Grundsicherungsstatistik aus Konsistenzgründen anhand einer Auswertung der Personen mit Wohnort in Deutschland dargestellt (Wohnortprinzip), da nichterwerbstätige ELB keinen Arbeitsort haben. Zudem werden nur die 15- bis unter 65-Jährigen in die Auswertung einbezogen. Im Juni 2018 gab es 40 000 erwerbstätige ELB, die einer ausschließlich geringfügigen Beschäftigung im Einzelhandel nachgingen. Weitere 65 000 erwerbstätige ELB waren sozialversicherungspflichtig im Einzelhandel beschäftigt. Für eine Anteilsberechnung werden die erwerbstätigen ELB auf die Beschäftigten am Wohnort im Alter von 15 bis unter 65 Jahren bezogen. Demnach betrug – bezogen auf alle Beschäftigten im Einzelhandel im Alter von 15 bis 65 Jahren mit Wohnort in Deutschland (2,92 Millionen) – der Anteil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten ELB 2,2 Prozent, der ausschließlich geringfügig beschäftigten ELB 1,4 Prozent.“ bundestag.de

*Aufstocker erhalten zum Arbeitslohn zusätzlich Leistungen nach dem SGB II.

Zum Thema

Aktuelle Tarifrunde im Einzelhandel NRW

„Die Arbeitgeber im Einzelhandel hatten für die 487.000 sozialversicherungspflichtig und 205.000 geringfügig Beschäftigten in der ersten Verhandlungsrunde lediglich eine Entgelterhöhung von 1,5 Prozent zum 01. Mai 2019 und weitere 1,0 Prozent zum 01. Mai 2020 angeboten. Eine von ver.di geforderte Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge (AVE) für die gesamte Branche sowie eine Mindestanhebung, als soziale Komponente, lehnen sie bisher ebenso kategorisch ab, wie die überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro.“ verdi.de

Einkommen ist im Mund sichtbar

13.06.2019/EG
Quelle: Barmer Krankenkasse, Berlin

Barmer Zahnreport 2019: Regelversorgung wird immer seltener

„In Deutschland werden immer weniger Menschen mit neuem Zahnersatz versorgt. In den Jahren 2014 bis 2017 ging der Anteil der Versicherten ab 20 Jahren, die Prothesen, Brücken oder Zahnkronen bekamen, um acht Prozent zurück. Auch die Zahl der Fälle sank von 5,31 auf 4,96 Millionen. „

Den Barmer Zahnreport lesen Sie hier barmer.de.