Soziale Herkunft prägt Lebenssituation von Kindern in Deutschland

14.11.2018/EG
Quelle: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Berlin

Anteil der armutsgefährdeten Kinder stagniert trotz eine der längsten Aufschwungphasen der Nachkriegszeit

Fachleute aus amtlicher Statistik und Sozialforschung haben im heute vorgestellten ‘Datenreport 2018 – ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland‘ Zahlen und Fakten zu wichtigen Lebensbereichen zusammengestellt, insbesondere zur Lebenssituation von Kindern:

  • Steigende Kinderarmut erschwert kulturelle, soziale und politische Teilhabe
  • Je gebildeter und wohlhabender die Eltern, desto gesünder die Kinder
  • Bildungschancen von Kindern in Deutschland hängen stark vom Bildungsstand ihrer Eltern ab
  • Hauptschüler in der Schule mehr belastet
  • Zahl der Kinder in Deutschland ist in den letzten 20 Jahren um 14 % gesunken

wzb.eu

Der Datenreport wird herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) in Kooperation mit dem Statistischen Bundesamt (Destatis), dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Staatliche Ausgaben: Investition in Bildung verspricht gute Rendite

13.11.2018/EG
Quelle: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Berlin

ZEW-Studie: Staatliche Investitionen in Ausbildung und Studium erhöhen Steuereinnahmen und reduzieren Transferleistungen / Bildungsrenditen durch abgeschlossenes Studium sind rückläufig

„Nach den Ergebnissen liegt die fiskalische Bildungsrendite pro Auszubildenden bei einer Ausbildungsdauer von vier Jahren und über das Erwerbsleben hinweg bei 20,6%, im Vergleich zu einer Person ohne Berufsausbildung. Im Falle von Personen mit einem Schul- und Hochschulabschluss, erworben im Alter zwischen 17 und 25 Jahren und betrachtet bis zum Alter von 66 Jahren, beträgt die fiskalische Rendite 10,2%, ebenfalls im Vergleich zu einer Person ohne Berufsausbildung. Während die individuellen Bildungsrenditen aus dem Bruttoeinkommen im Mittel bei über 10% liegen, schrumpfen sie nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben sowie aufgrund des Transferentzugs auf etwa 6%. Dies verdeutlicht empirisch das Ausmaß signifikanter Interdependenzen zwischen Bildungs-, Steuer- und Sozialpolitik.“

Die Studie „Fiskalische und individuelle Nettoerträge und Renditen von Bildungsinvestitionen im jungen Erwachsenenalter“ von Friedhelm Pfeiffer and Holger Stichnoth, beide Wirtschaftswissenschaftler des ZEW, lesen Sie hier Link.

„Hohe Wirtschaftskraft garantiert keine Bildungsgerechtigkeit“

30.10.2018/EG aus dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), Florenz/New York/Köln

UNICEF-Studie belegt ungleiche Bildungschancen von Kindern in Industrieländern / Deutschland rangiert im unteren Mittelfeld

Die Studie zeigt, dass sozial bedingte Leistungsunterschiede zwischen Kindern während der gesamten Bildungsphase unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. In den Niederlanden besteht die größte Chancengleichheit für Grundschulkinder (…). Am Ende der Pflichtschulzeit weisen Irland, Spanien und Lettland die geringsten Ungleichheiten auf. Der familiäre Hintergrund ist in allen Ländern ein entscheidender Faktor für den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen. Der Berufsstand der Eltern hat starken Einfluss auf die Entwicklung von Schlüsselkompetenzen der Kinder.

Die UNICEF-Studie nennt Grundprinzipien für mehr Bildungsgerechtigkeit, an denen sich die Politik orientieren sollte:

  • Frühkindliche Förderung für jedes Kind gewährleisten
  • Mindestmaß an Kernkompetenzen für jedes Kind sichern
  • Soziale und ökonomische Ungleichheiten reduzieren
  • Geschlechterunterschiede bei der Bildung verringern
  • Bessere (länderübergreifende und vergleichbare) Daten erheben
  • Fokus auf Chancengleichheit setzen

Die Studie „An Unfair Start“ lesen Sie hier unicef.de.

Leistungsdruck macht Kinder krank!

25.10.2018/EG

KKH-Stress-Auswertung: Zahl psychisch kranker Schüler steigt / Fast jeder dritte 10 bis 18-Jährige beklagt Konkurrenz- und Leistungsdruck

„Jeden fünften Sechs- bis Neunjährigen belastet Streit mit Freunden und Mobbing durch Mitschüler am meisten, bei den Zehn- bis 18-Jährigen steht klar Konkurrenz- und Leistungsdruck in der Schule an erster Stelle (31 Prozent). (…) Jedes vierte Kind getrennt lebender Eltern gerät wegen familiärer Probleme wie Scheidung oder Geldsorgen unter Stress.“ Link

Zum Thema

Gert Scobel im Gespräch mit Anne Sliwka, Bildungswissenschaftlerin, Eckhard Klieme, Bildungsforscher, und Richard Münch, Sozialwissenschaftler, über das reformbedürftige Schulsystem 3sat.de

Dokumentation über die Qualität der Lehrkräfte 3sat.de

Richard David Precht, Philosoph, und Gerald Hüther, Neurobiologe, sprechen über Lernen und Schule youtube.com

Buchtipp: Der bildungsindustrielle Komplex

12.10.2018/EG

Richard Münch: Der bildungsindustrielle Komplex
Schule und Unterricht im Wettbewerbsstaat

Sachbuch (Bildung, Gesellschaft, Politik, Schule, Ungleichheit)

„Durch bessere Bildung sollen die großen Probleme unserer Zeit gelöst werden. Die Schule soll alle aus wachsender Heterogenität folgenden Verwerfungen, Ungleichheiten und Konflikte der Gesellschaft auflösen. Das ist die zentrale Agenda der Ablösung des Wohlfahrtsstaates durch den Wettbewerbsstaat. Richard Münch unterzieht diese Reformagenda einer kritischen Analyse mit Fokus auf der Pionierrolle der USA. Im Mittelpunkt steht dabei die Ablösung des pädagogischen Establishments in den Schaltzentralen der Kultusbürokratie durch einen bildungsindustriellen Komplex, in dem internationale Organisationen, Think Tanks, Beratungsunternehmen, missionarische Milliardärsstiftungen, Bildungsreformer und Bildungsforscher mit der Bildungs- und Testindustrie zusammenwirken, um den schulischen Bildungsprozess einer minutiösen externen Kontrolle zu unterwerfen.“ Weiterlesen