Privatschulen fördern die Spaltung der Gesellschaft

22.05.2018/EG

Ungleichland: ARD-Magazin MONITOR mit einem Beitrag über das unfaire Schulsystem in Deutschland

„Private Schulen boomen – vor allem im Grundschulsektor. Dabei sollten doch gerade hier Kinder aller Schichten zusammenkommen. Das Grundgesetz verbietet das Sortieren von Kindern nach dem Geldbeutel der Eltern sogar. Doch in der Praxis passiert genau das längst: Wer es sich leisten kann, meidet immer öfter die staatlichen Schulen – aus Angst vor schlecht ausgestatteten Klassenräumen, sozialen Problemen und schlechterer Bildung für den Nachwuchs.“ ardmediathek.de

Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) belegt rechtswidrige Schulgeldpraxis in Berlin und Hessen wzb.eu

Studie der SPD nahen Friedrich-Ebert-Stiftung ‘Privatschulen in Deutschland – Trends und Leistungsvergleiche‘ fes.de.

Grundgesetz, Artikel 7, Absatz 4: „Das Recht zur Errichtung von privaten Schulen wird gewährleistet. (…) Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn … eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird.“

Flüchtlingsdebatte: Verbitterte Menschen sorgen sich mehr um Zuwanderung?

08.05.2018/EG aus dem ifo Institut, München

ifo-Studie zeigt, dass bei verbitterten Menschen eine starke negative Einstellung zur Einwanderung gegeben ist

„Diejenigen, die das Gefühl haben, nicht das bekommen zu haben, was sie im Leben verdienen, machen sich eher Sorgen um die Einwanderung. (…). Zunehmende Verbitterung ist mit wachsenden Sorgen um die Einwanderung verbunden. Eine Erklärung ist, dass diejenigen, die verbittert sind, boshafte oder neidische Vorlieben haben (Falk et al. 2005). Sie sind zutiefst enttäuscht vom Leben und wollen Möglichkeiten verleugnen, das eigene Leben auch für andere, auch für Immigranten, zu verbessern. Eine alternative Interpretation des Zusammenhangs zwischen Verbitterung und Einstellung zur Einwanderung ist, dass Chancen und potenzieller Erfolg anderer das eigene Scheitern noch mehr verletzen könnten.
Was die Politik anbelangt, so hebt unser Papier hervor, dass Verbitterung unter den Bürgern wahrscheinlich zu wachsender Besorgnis und Widerstand gegen die Einwanderung führen wird. Wirtschaftliche Turbulenzen wie die aktuelle Wirtschaftskrise dürften nicht nur direkte negative Auswirkungen auf die Integration von Zuwanderern haben, sondern auch indirekte negative Auswirkungen durch eine wachsende Verbitterung. Es ist zu erwarten, dass Verbitterung auch andere negative Auswirkungen auf die Gesellschaft hat, was die Notwendigkeit von politischen Maßnahmen unterstreicht, um es zu verhindern. Zukünftige Forschung sollte daher die Treiber der individuellen Verbitterung und weitere Auswirkungen der Verbitterung auf das wirtschaftliche Verhalten zu analysieren.“ cesifo-group.de (Schlussfolgerungen siehe Abschnitt 6 der Studie)

Zum Thema

„Verbitterungsreaktionen treten nach Erlebnissen der Herabwürdigung, des Vertrauensbruchs oder der Ungerechtigkeit auf. Sie werden im Kontext beruflicher wie privater Konflikte beobachtet, aber auch als Reaktion auf andere schwerwiegende negative Lebensereignisse wie beispielsweise Krankheit. Verbitterung ist jedem Menschen bekannt, vergleichbar zu Angst.“ charite.de

Ökonomik: Gefangene im Glauben an ‘den Markt‘

11.02.2018/EG

Staatliche Eingriffe verhinderten den kompletten wirtschaftlichen Zusammenbruch und doch huldigen Marktfundamentalisten noch immer dem ‚Gesetz‘ von Angebot und Nachfrage

„Wieso hat sich nach der Krise so wenig in der Wirtschaftswissenschaft verändert? Diese Frage beantworten Walter Otto Ötsch, Stephan Pühringer und Kathrin Hirte. Die Wissenschaftler von der Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues beziehungsweise der Universität Linz haben sich die Inhaber von Ökonomie-Lehrstühlen genauer angeschaut. Ihr Datensatz umfasst gut 780 Professoren – und wenige Professorinnen –, die zwischen 1954 und 1994 in der Bundesrepublik einen Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre innehatten. Die Suche nach Gemeinsamkeiten und Verbindungslinien förderte ein bis in die unmittelbare Nachkriegszeit zurückreichendes “Netzwerk von Marktfundamentalisten“ zutage. Dabei handelte es sich häufig um besonders einflussreiche Professoren.
(…)
Über Lobby-Einrichtungen und Thinktanks wie den Kronberger Kreis oder die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft sei das marktfundamentale “Denkkollektiv“ eng verbunden, schreiben die Autoren. Dass die Marktfundamentalisten sehr gut vernetzt seien, habe sich beispielhaft vor der Bundestagswahl 2005 gezeigt, als fast 250 Wirtschaftsprofessoren den sogenannten Hamburger Appell unterschrieben – ein Plädoyer für mehr Niedriglohnbeschäftigung, Deregulierung sowie die Kürzung öffentlicher Ausgaben und Sozialleistungen.“ boeckler.de

PISA: Die Wissens-Show der OECD?

23.11.2017/EG aus der Gesellschaft für Bildung und Wissen, Frankfurt am Main

Rainer Bölling, Bildungsforscher, zur Fragwürdigkeit der internationalen Schulleistungsstudie der OECD, kurz PISA

„Das offizielle PISA-Ranking des Jahres 2015 (Anhang 1²) erinnert an Medaillenspiegel internationaler Sportereignisse, ist aber noch fragwürdiger als diese.
(…)
Wie sich gezeigt hat, beruhte dieser Rat auf dubiosen Testergebnissen, von denen die OECD heute nichts mehr wissen will. Umso mehr sind verantwortliche Regierungen gut beraten, den Ratschlägen dieses Statistikers, der sich als Bildungsfachmann geriert, mit größter Skepsis zu begegnen.“ bildung-wissen.eu

Kosten der Ungleichheit

10.11.2017/EG aus dem Arbeitnehmerblog ‘blog.arbeit-wirtschaft.at‘ der Bundesarbeitskammer, Wien

Kate Pickett, Epidemiologin, und Richard Wilkinson, Gesundheitswissenschaftler, über die negativen Auswirkungen gesellschaftlicher Ungleichheit

Mit zunehmender Bedeutung der vertikalen Gesellschaftsdimension beurteilen wir einander anscheinend immer mehr nach Status, Geld und sozialer Position. Die Tendenz, den inneren Wert eines Menschen anhand seines äußeren Reichtums zu messen, tritt stärker hervor. Das löst bei uns allen größere Sorgen darüber aus, wie wir gesehen und beurteilt werden.
(…)
Studien belegen, dass soziales Engagement und die Qualität sozialer Beziehungen, Freundschaft und Beteiligung am Gemeinschaftsleben entscheidende Faktoren für Gesundheit und Glück sind. Ungleichheit greift die Basis der Lebensqualität an. Statusunsicherheit und Wettbewerb machen das Leben stressiger: Wir machen uns immer mehr Sorgen um Selbstdarstellung und unsere Beurteilung. Statt freundschaftlicher Beziehungen und gegenseitigem Austausch, die einen so großen Beitrag für Gesundheit und Glück leisten, versuchen wir uns in einer ungleichen Gesellschaft durch narzisstische Einkäufe zu erhöhen oder uns aus dem sozialen Leben zurückzuziehen. Obwohl dies den Unternehmen und dem Handel zugutekommt, ist es keine solide Basis dafür, das Leben innerhalb der Beschränkungen unseres Planeten gestalten zu lernen. blog.arbeit-wirtschaft.at

Wie die Lebenserwartung, die Gesundheit, das Übergewicht, die Bildung, die Geburtenrate bei Minderjährigen, die Verbrechensrate und nicht zuletzt die soziale Mobilität von der Ungleichheit beeinflusst wird, lesen Sie im Buch ‘Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind.‘, von Wilkinson und Pickett. Verlag HAFFMANS TOLKEMITT.