Hoher Anteil atypischer Beschäftigung

19.05.2017/EG aus dem Wirtschaft- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI), Düsseldorf

2016 waren fast 40 % aller abhängig Hauptbeschäftigten (ohne Beamte und Selbständige) in atypischen Jobs

„Der Arbeitsmarkt hat sich im Jahr 2016 positiv entwickelt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit ist deutlich gewachsen. Noch stärker hat allerdings die atypische Beschäftigung zugenommen: 2016 waren rund 39,6 Prozent aller abhängigen Hauptbeschäftigungsverhältnisse (ohne Beamte und Selbständige) atypische Jobs, 2015 lag die Quote noch bei 39,3 Prozent. Die Zahl der oft besonders schlecht bezahlten und abgesicherten Minijobber im Haupterwerb hat jedoch um etwa 46.000 Beschäftigte abgenommen – auf 5,14 Millionen.“

Einen aktuellen Stand atypischer Beschäftigung in den Regionen sehen Sie hierboeckler.de.

Zu den atypischen Beschäftigungsformen werden – in Abgrenzung vom Normalarbeitsverhältnis – Teilzeitbeschäftigungen mit 20 oder weniger Arbeitsstunden pro Woche, geringfügige Beschäftigungen, befristete Beschäftigungen sowie Zeitarbeitsverhältnisse gezählt.

LeiharbeiterInnen gesucht

18.05.2017/EG

NRO LabourNet, Bochum, sucht: LeiharbeiterInnen für eine Klage vor dem EuGH für gleichen Lohn und gleiche Bedingungen auch in Deutschland

Klagevorschlag von Rechtswissenschaftler Wolfgang Däubler:

“Ein Leiharbeitnehmer, der nach einem DGB-Leiharbeit-Tarif vergütet wurde, macht bei seinem früheren Leiharbeitgeber »gleiche Bezahlung wie eine vergleichbare Stammkraft« (also Equal Pay) geltend und klagt die Differenz zu seinem bisherigen niedrigeren Lohn ein. Begründung: Weil die Tarife wegen Überschreitung der Ermächtigungsgrundlage (Erläuterung siehe unten) unwirksam sind, steht ihm »Equal Pay« zu.
Das Arbeitsgericht überprüft dann, …“ labournet.de.

Arbeitnehmervertreter ‘IG Metall‘ zum Thema „Bessere Leiharbeits-Tarife in der Metallindustrie“ (Auszug):

„Der Tarifvertrag ermöglicht es Betriebsräten, noch bessere und passgenaue Vereinbarungen für Leiharbeiter auszuhandeln: mehr Geld, etwa gleiche Bezahlung wie Stammbeschäftigte ab dem ersten Tag. Oder eine maximale Quote von Leiharbeitern in der Belegschaft. Dafür können Betriebsräte in Ausnahmen freiwillig die Verleihdauer auf bis zu 48 Monate verlängern. Das ergibt in einigen Betrieben Sinn. Beispielsweise dort, wo Leihbeschäftigte als Fachkräfte in längeren Projekten arbeiten, etwa in Forschung und Entwicklung.“ igmetall.de

Einen Überblick zur Entwicklung der sogenannten Arbeitnehmerüberlassung lesen Sie hierwikipedia.org.

Das Geschäft mit Arbeitskräften – die Großen der Branche in Deutschland:

  • Randstad Gruppe Deutschland: etwa 58.000 (Leih-)Arbeiter erarbeiteten im Jahr 2016 einen Umsatz in Höhe von 2,1 Mrd. Euro
  • Adecco Germany: etwa 37.000 (Leih-)Arbeiter erarbeiteten im Jahr 2016 einen Umsatz in Höhe von 1,7 Mrd. Euro
  • ManpowerGroup Germany: etwa 20.000 (Leih-)Arbeiter erarbeiteten im Jahr 2016 einen Umsatz in Höhe von 0,8 Mrd. Euro
  • Persona Service: etwa 18.000 (Leih-)Arbeiter erarbeiteten im Jahr 2015 einen Umsatz in Höhe von 0,8 Mrd. Euro
  • I. K. Hofmann: etwa 23.000 (Leih-)Arbeiter erarbeiteten im Jahr 2015 einen Umsatz in Höhe von 0,8 Mrd. Euro
  • AutoVision (ein Unternehmen der Volkswagen AG): etwa 10.300 (Leih-)Arbeiter erarbeiteten im Jahr 2015 einen Umsatz in Höhe von 0,6 Mrd. Euro)

Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales:

„Leiharbeit und Werkverträge geben unserer Wirtschaft Flexibilität. Wir wollen verhindern, dass sie missbraucht werden, um Druck auf Beschäftigte, Löhne und Arbeitsbedingungen zu machen.“

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales wird seit 2013 von Andrea Nahles (SPD) geführt. Die Vorgänger waren Ursula von der Leyen (CDU, 2009 bis 2013), Franz Josef Jung (CDU, 2009), Olaf Scholz (SPD, 2007 bis 2009), Franz Müntefering (SPD, 2005 bis 2007), Ulla Schmidt und Wolfgang Clement (SPD, 2002 bis 2005), Walter Riester (SPD, 1998 bis 2002).

Die Zuständigkeiten für die Themen Arbeit und Soziales waren in den Jahren 2002 bis 2005 in die BM Gesundheit und Soziale Sicherung (Ulla Schmidt) sowie Wirtschaft und Arbeit (Wolfgang Clement) integriert.

750.000 Euro für ein unentgeltliches Ehrenamt

15.05.2017/EG aus dem Juristenblog ’beck-community‘, München

Markus Stoffels, Rechtswissenschaftler, zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen möglicher Untreue bei der Vergütung von Betriebsratsmitgliedern von VW

„Bei der Vergütung von Betriebsratsmitgliedern und insbesondere bei den Vorsitzenden klaffen – jedenfalls bei den großen Unternehmen – Recht und Wirklichkeit auseinander. Zur Erinnerung: Die Mitglieder des Betriebsrats führen ihr Amt als unentgeltliches Ehrenamt (§ 37 Abs. 1 BetrVG). (…) Angaben des VW-Konzerns zufolge war eine Anzeige Auslöser des Verfahrens. Es soll dabei unter anderem um mutmaßlich zu hohe Bezüge für Betriebsratschef Bernd Osterloh gehen. Dieser wird mit den Worten zitiert: „Ich bin da mit mir im Reinen.“ (…) „In der Spitze lag damit mein Jahresgehalt einmal bei rund 750.000 Euro.“ (…)“ community.beck.de

Europäische Kommission bekämpft Mindestlohn

29.04.2017/EG aus der Europäischen Kommission, Brüssel

Europäische Kommission ergreift Maßnahmen gegen österreichisches Mindestlohngesetz im Kraftverkehrsgewerbe

Die Europäische Kommission hat am Donnerstag (27.) gegen Österreich ein Vertragsverletzungsverfahren im Zusammenhang mit der Anwendung des österreichischen Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz (LSD-BG) auf den Kraftverkehrssektor eingeleitet. Die Kommission ist der Ansicht, dass durch diese Praxis der EU-Binnenmarkt unverhältnismäßig stark einschränkt wird. europa.eu

Verunsicherung der Mittelschicht ist real

24.04.2017/EG aus der Hans Böckler Stiftung, Düsseldorf

Soziologin Anke Hassel über Tendenzen und Unsicherheiten in der Arbeitswelt

„Früher konnte man mit einer Facharbeiterausbildung problemlos ein Leben in der Mittelschicht führen. Jetzt haben wir einen ausgeprägten Niedriglohnsektor und eine Erosion der Mitte (die mal bei 60 Prozent lag), während bei den hoch Qualifizierten Jobs dazukommen. Wer eine Facharbeiterqualifikation hat, kann sich nicht mehr sicher sein, ob die Familie nach unten in den Niedriglohnbereich abwandert. Oder ob man – etwa über Aufbaustudien – den Aufstieg in das hoch qualifizierte Segment schafft. Das ist die Verunsicherung der Mittelschicht, und die ist wirklich real. Das ist nicht etwas Eingebildetes, wie uns manche Wissenschaftler, Verbände und Politiker glauben machen wollen.“ magazin-mitbestimmung.de