Renten steigen nur in den hohen Einkommensgruppen

20.11.2018/EG
Quelle: Statistisches Bundesamt (DESTATIS), Bonn

Datenreport 2018: „Ungleiche Löhne und Erwerbsbiografien in Ost und West haben sich verfestigt.“

„Insgesamt hat die Ungleichheit der EP* und damit der Auszahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung durch sinkende Niedrigrenten und geringfügig steigende Höchstrenten zugenommen: Erreichten die untersten 10% der westdeutschen Neurentner 1993 noch rund 22% der EP der obersten Rentnergruppe, so lag dieser Anteil im Jahr 2016 mit rund 9% deutlich niedriger. Während die Anwartschaften im unteren Segment sanken, lassen sich im oberen Segment steigende Anwartschaften feststellen. Bei Neurentnern der drei unteren Dezile gingen die Entgeltpunkte zwischen 1993 und 2016 um bis zu 10EP zurück. Sinkende Anwartschaften sind neben niedrigen Löhnen oftmals auf kurze versicherungspflichtige Erwerbsbiografien zurückzuführen, wie sie etwa vormals Selbstständige, langjährige Bezieher von Sozialleistungen oder erst im höheren Alter nach Deutschland zugewanderte Personen haben können. Demgegenüber verzeichneten Bezieher von Altersrenten in den drei höchsten Dezilen gleichbleibende bis geringfügig zunehmende Anwartschaften.“ (Seite 336, Kapitel 8.5.2)
(…)
„Zudem weisen zahlreiche Studien nach, dass das Vertrauen gegenüber Formen der privaten und betrieblichen Altersvorsorge im Zuge der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 vor allem bei Geringverdienenden gesunken ist. Insofern ist davon auszugehen, dass Besserverdienende eher private und betriebliche Altersvorsorge betreiben, um das sinkende Rentenniveau kompensieren zu können. Darüber hinaus weisen Höherqualifizierte ein geringeres Risiko auf, wegen chronischer Erkrankungen vorzeitig mit Erwerbsminderungsrente aus dem Erwerbsleben ausscheiden zu müssen. Die genannten Aspekte machen deutlich, dass eine konsequente Reorientierung hin zu den sozialpolitischen Zielen der Lebensstandardsicherung und Armutsvermeidung im Alter notwendig ist. Eine weitere Reduzierung des Rentenniveaus würde die niedrigen und tendenziell sinkenden Anwartschaften vieler älterer Menschen zusätzlich entwerten.“ (Seite 339, Kapitel 8.5.4 Ausblick) destatis.de

*Entgeltpunkte

Video-Tipp: Die Abstiegsgesellschaft

20.11.2018/EG
Quelle: Südwestrundfunk (SWR), Stuttgart

Oliver Nachtwey, Wirtschaftswissenschaftler, über die Transformation einer Solidargemeinschaft zum marktkonformen Extremismus

„Seit dem Wirtschaftswunder gilt Deutschland als eines der Länder, in denen Armut nur eine marginale Rolle spielte. Angesichts der Euphorie über »die neue Vollbeschäftigung«, wie sie in Büchern und Tageszeitungen verkündet wird, übersieht man allerdings leicht, wie groß die soziale Ungleichheit hierzulande geworden ist, wie der Niedriglohnsektor gewachsen ist und die Prekarität zugenommen hat. Unter der Oberfläche einer scheinbar stabilen Gesellschaft erodieren seit Langem die Pfeiler der sozialen Integration, mehren sich Abstürze und Abstiege.“ tele-akademie.de

Zum Thema

Solidargemeinschaft und Grundeinkommen am Beispiel der Cherokee earn-a-living.com

Politische Parteien erhalten großzügige Spenden! Weshalb?

19.11.2018/EG
Quelle: Deutscher Bundestag, Berlin

Seit 01. Juli 2002 sind Parteien zur zeitnahen Veröffentlichung von Spenden über 50.000 Euro (im Einzelfall) verpflichtet

„Spenden, Mitgliedsbeiträge und Mandatsträgerbeiträge an eine Partei oder einen oder mehrere ihrer Gebietsverbände, deren Gesamtwert in einem Kalenderjahr (Rechnungsjahr) 10 000 Euro übersteigt, sind unter Angabe des Namens und der Anschrift des Zuwenders sowie der Gesamthöhe der Zuwendung im Rechenschaftsbericht zu verzeichnen. Spenden, die im Einzelfall die Höhe von 50 000 Euro übersteigen, sind dem Präsidenten des Deutschen Bundestages unverzüglich anzuzeigen. Dieser veröffentlicht die Zuwendung unter Angabe des Zuwenders zeitnah als Bundestagsdrucksache.“ (§ 25, Absatz 3, Gesetz über die politischen Parteien)

Die folgenden Angaben enthalten nur (Einzelfall-)Spenden über 50.000 Euro:

2018 (bis 08.11.2018, gemäß Unterrichtung durch den Bundestagspräsidenten)

CDU: 850.000 Euro
SSW: 477.391 Euro
DKP: 352.420 Euro
SPD: 280.000 Euro
FDP: 50.249

2017 (Bundestagswahl)

CDU: 2.881.537 Euro
FDP: 2.046.512 Euro
CSU: 650.000 Euro
GRÜNE: 543.000 Euro
SSW: 482.051 Euro
MLPD: 250.000 Euro Weiterlesen

Buchtipp: Leistet Widerstand!

16.11.2018/EG

Jean Feyder: Leistet Widerstand!
Eine andere Welt ist möglich

Sachbuch (Demokratie, Gesellschaft, Kapitalismus, Politik, Steuervermeidung)

Jean Feyder war Diplomat und ehemaliger Vertreter Luxemburgs bei der WTO und beobachtet die internationale Politik seit Jahren aus nächster Nähe. Seine Bilanz ist erschütternd: Handelskriege, Umweltzerstörung und die systematische Bevormundung von Entwicklungsländern durch den reichen Norden – die Welt ist aus den Fugen geraten. Feyder unterstützt seit vielen Jahren alternative Ideen, Organisationen und Bürgerinitiativen für eine gerechtere und solidarischere Welt. In seinem neuen Buch weist er nach, wie Konzerne und strukturelle Missstände in Europa, den USA und im Nahen und Mittleren Osten eine wirkliche Veränderung blockieren. Er fordert die Regierungen dazu auf, endlich die Kehrtwende einzuleiten. Denn: Eine andere Welt ist möglich! Weiterlesen

Hörfunk-Tipp: Macht Armut krank?

15.11.2018/EG
Quelle: Bayerischer Rundfunk (BR), München

BR Gesundheitsgespräch: Prof. Dr. med. Gerhard Trabert und Dr. med. Marianne Koch sprechen über unser Gesundheitssystem: „Die soziale Ungerechtigkeit in Deutschland und weltweit ist die Mutter aller politischen Probleme.“

„Arme sterben im Durchschnitt fast zehn Jahre früher als Reiche. Sie leiden häufiger und eher an chronischen Krankheiten. Zahlreiche Studien belegen, dass mit dem Geld auch die Gesundheit ungleich verteilt ist.“ br.de